Gedenkstätte Zeche Radbod

Gedenkstätte Zeche Radbod. Foto: RIK/ Guntram Walter
Gedenkstätte Zeche Radbod. Foto: RIK/ Guntram Walter

Der frühe Morgen des 12. November 1908 brachte den Angehörigen der Radbod-Belegschaft eine furchtbare Nachricht: 349 Bergleute waren bei einer Schlagwetterexplosion ums Leben gekommen. Bis auf zwölf Kumpel die gesamte Belegschaft der Nachtschicht! Nur 36 Tote konnten geborgen und auf dem alten Friedhof in Hövel in zwei Massengräbern bestattet werden. Die anderen Männer behielt die Erde. Den Toten dieses bis dahin schwersten Grubenunglücks setzte man auf dem Ehrenfriedhof in Bockum-Hövel ein Denkmal.Das Unglück löste nicht nur in Hamm größte Betroffenheit aus. Von weit her kamen Beileidstelegramme und auch Geldspenden. Wie war es zu dem Unglück gekommen? Die Frage nach Ursache und Schuld löste nicht nur heftigste Debatten aus, sondern auch Massendemonstrationen in vielen Ruhrgebietsstädten. Allein in Bochum gingen 7.000 Menschen auf die Straße. Nicht ganz ohne Folgen: Zum ersten Mal im Revier wurden nach Wiederaufnahme der Förderung 1909 elektrische Grubenlampen vorgeschrieben.

Für die Angehörigen der getöteten Bergleute war das Unglück ein schwerer Schicksalsschlag. Zur Trauer kam die Sorge um die Existenz, denn von den kleinen Renten, die die Knappschaft zahlte, konnten die Familien kaum leben. Der Westfälische Anzeiger rief zu einer Spendenaktion auf und sie wurde ein voller Erfolg. Ein "Zentral-Hilfskomitee" in Münster verwaltete die Spenden und legte die Höhe der zusätzlichen Renten fest. Einige Witwen klagten vor dem Landgericht Dortmund, da sie eine höhere Rente als die für Kinder forderten und verlangten eine direkte Auszahlung an die Hinterbliebenen. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen demonstrierten sie in schwarzer Trauerkleidung mit einer roten Schleife auf der linken Brustseite und einem roten Tuch um die Taille. Aber ihre Klage wurde nicht nur abgewiesen, wegen "groben Unfugs" erhielten sie auch noch eine fünftägige Haftstrafe. 

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Kontakt & Infos

Ehrenfriedhof Bockum-Hövel
Ermlinghofstraße
Hamm-Bockum/Hövel

ÖPNV

Vom Bahnhof Hamm ("Hbf./Willy-Brandt-Platz") mit Bus 9 bis "Hövel Kirche" 

Tipp

Eine Übersicht über alle Denkmäler für Grubenunglücke findet sich auf den Seiten der ehemaligen Zeche Minister-Achenbach