Bochumer Verein Verkehrstechnik

Ein noch produzierender Leitsektor der Industrialisierung im Ruhrgebiet stellt sich vor: Räder, Radsätze und Radreifen für Eisen- und Straßenbahnen und eine einzigartige historische Sammlung zum gleichen Thema beim Bochumer Verein für Verkehrstechnik.

Der Bochumer Verein, 1880. Quelle: Presse- und Informationsamt Bochum
Der Bochumer Verein, 1880. Quelle: Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt

Stahlprodukte mit weltweitem Renommee

Die Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH, kurz „Bochumer Verein“, gehört mit seinem Produktionsschwerpunkt Eisenbahnmaterial zu den traditionsreichsten Unternehmen des Ruhrgebiets.

1842 als Firma Mayer & Kühne gegründet, erlangte das junge Unternehmen aufgrund seiner hohen Produktqualität schon bald überregionale Bedeutung. Ausschlaggebend hierfür war das um 1850 von Jacob Mayer entwickelte Stahlformgussverfahren, mit dem erstmals hochwertige Stahlprodukte wie Maschinenteile ohne den bis dahin üblichen arbeitsintensiven Schmiedeprozess hergestellt werden konnten. Vor allem die Gussstahlglocken sorgten für ein weltweites Renommee. Daneben lag der Tätigkeitsschwerpunkt von Beginn an bis heute bei Rädern, Radsätzen, und Radreifen für Eisen- und Straßenbahnen.

Ende der 1950er-Jahre geriet der Bochumer Verein unter Einfluss des Krupp-Konzerns, der ihn Mitte der 1960er-Jahre vollständig übernahm und mit seiner Tochtergesellschaft Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG zur Fried. Krupp Hüttenwerke AG fusionierte.1984 wurden die Schmiedewerke wieder aus dem Krupp-Konzern ausgegliedert. Nach weiteren Umstrukturierungen und Namensänderungen in der Folgezeit firmiert das Unternehmen seit 1998 mit rund 600 Beschäftigten wieder unter dem historischen Namen.

Bochumer Verein Verkehrstechnik. Foto: RIK/Reinhold Budde
Bochumer Verein Verkehrstechnik. Foto: RIK/Reinhold Budde

Historische Sammlung von Eisenbahnrädern

Auf dem Werksgelände befindet sich außerdem eine vom damaligen Bochumer Verein 1865 errichtete Halle, die zu einem ehemaligen Hammerwerk gehörte. Sie ist nicht nur eine der ältesten erhaltenen Stahlkonstruktionen im Hallenbau überhaupt, sondern auch die erste in Deutschland, die eine Dreigelenksbogenkonstruktion erhielt. Diese bis dahin nur im Brückenbau verwendete Technik sollte hier die starken Erschütterungen der Dampfhämmer kompensieren. Bis 2013 wurde in der Halle noch produziert.

Der Bochumer Verein Verkehrstechnik verfügt auch über eine umfangreiche historische Sammlung von Eisenbahnrädern und Radsätzen. Die Sammlung sucht in ihrer Geschlossenheit und ihrem Umfang ihresgleichen. Sie ist daher als Leistungsschau von besonderer Bedeutung nicht nur für die Unternehmensgeschichte, sondern auch für die Stadt- und Industriegeschichte Bochums.

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Kontakt & Infos

Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH
Alleestraße 70
44793 Bochum - Stahlhausen
Telefon: +49 (0) 234 / 68 91-0
Besichtigungszeiten der Räder- und Radsatzausstellung
(nur nach Anmeldung)
Di 10-12 Uhr, Do 15-17 Uhr
Max. Größe der Besuchergruppe: 20 Personen
Eingang: Tor 2 (Gußstahlstraße)

ÖPNV

Vom Hbf Bochum (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 302 oder 310 bis „Bochumer Verein/Jahrhunderthalle Bochum“ oder vom Bahnhofsvorplatz mit Bus 345 bis „Annastraße“