Kokerei Alma

Fritz Schupp und Martin Kremmer: Renommierte Industriearchitekten entwerfen in den 1920er-Jahren die funktionalen und zugleich ästhetisch ansprechenden Kokereianlagen Alma und Nordstern. 

Kokerei Alma und Hochöfen des Schalker Vereins. Quelle: Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen
Kokerei Alma und Hochöfen des Schalker Vereins. Quelle: Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen

Eine funktionale und strukturierte Anlage

Direkt südlich der Gleise der Köln-Mindener Eisenbahn entstand 1871 die Zeche Alma (ab1877 Vereinigte Rheinelbe & Alma). Mitbegründer war der Industriepionier Friedrich Grillo, der mit dieser Grube die Versorgung seines nördlich angrenzenden Stahlwerks Schalker Verein sichern wollte. Die Kokerei Alma sollte als Zentralkokerei die veralteten Anlagen der Schachtanlagen Rheinelbe und Pluto ersetzen. Entscheidend für die Wahl des Standortes war unter anderem die günstige Lage an der Erzbahn, die eine Verbindung zum Hafen Grimberg und später auch zur Zeche und Kokerei Carolinenglück herstellten sollte.

Die Kokerei wurde 1928 in Betrieb genommen und produzierte über drei Jahrzehnte bis zu ihrer Stilllegung im Jahr 1963. Bis auf das Betriebsgebäude wurde die Anlage vollständig abgebrochen. Entworfen wurde Alma von den bekannten Essener Architekten Fritz Schupp (1876-1974) und Martin Kremmer (1894-1945). Bei den beiden gleichzeitig geplanten Zentralkokereien Alma und Nordstern in Gelsenkirchen-Horst gelang es ihnen erstmals, ihre Vorstellungen von der Mitarbeit von Architekten bei der Planung ingenieurtechnischer Bauaufgaben zu realisieren. Erreicht wurde dabei eine nicht nur funktionale, sondern zugleich gestaltete Ordnung der technischen Aggregate und der einheitlich entworfenen Baukörper. Damit unterschied sich die Anlage wohltuend von den eher unübersichtlichen und ungeordnet wirkenden früheren Kokereien.

An dem noch erhaltenen Betriebsgebäude, das 1982/83 mit Mitteln des Landschaftsverbandes Westfalen restauriert wurde, lassen sich die architektonischen Leitlinien der Gesamtanlage noch gut erkennen. Sie sind geprägt durch die aus der expressionistischen Phase der beiden Architekten stammende Ziegelmassiv-Bauweise. Die von der Straße zurückgesetzte Baugruppe, bestehend aus einem zweigeschossigen, überhöhten Mittelteil mit seitlich angrenzenden, eingeschossigen Flügelbauten, weist durch die völlig symmetrische Anordnung eine äußerst gleichmäßige Gestaltung auf. Auch die waagrechte Gliederung der Fassade durch Vor- und Rücksprünge der Ziegelsteinschichten unterstreicht das geschlossene Bild des Gebäudes. Die auf dem umliegenden Gelände entstandene Vegetation ist ein bedeutendes Beispiel für „Industrienatur“ und wird durch einen Fußweg erschlossen.

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Kontakt & Infos

Kokerei Alma
Almastraße 81/87
45886 Gelsenkirchen-Ückendorf

ÖPNV

Von Gelsenkirchen Hbf mit Bus 383 bis „Almastraße“

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