Mechanische Werkstätten des Bochumer Vereins

Emil Rudolf Mewes, einer der einflussreichsten Industriearchitekten während der Nazi-Zeit, setzte beim Bau der Mechanischen Werkstätten des Bochumer Vereins 1935/36 weiterhin moderne Architekturströmungen aus den 1920er-Jahren um.

Die Mechanischen Werkstätten. Foto: RIK/Reinhold Budde
Die Mechanischen Werkstätten. Foto: RIK/Reinhold Budde

In der Tradition der 1920er-Jahre

Als markante Architektur erstreckt sich an der Alleestraße die streng gegliederte Front der ehemaligen Mechanischen Werkstätten des Bochumer Vereins. In ihnen erfolgte die Nachbearbeitung und Montage von Erzeugnissen der Schmieden, der Press- und Walzwerke. Die neuen Mechanischen Werkstätten wurden 1935/36 unter Einbeziehung einer älteren Halle nach Plänen des Kölner Architekten Emil Rudolf Mewes (1885-1949) errichtet. Mewes gehörte zu den einflussreichsten Industriearchitekten des Dritten Reiches. Als sein bedeutendstes Werk gilt das Volkswagenwerk in Wolfsburg, das er 1938 unter anderem in Zusammenarbeit mit Fritz Schupp und Martin Kremmer entwarf. Ebenso wie Schupp setzte Mewes die modernen Architekturströmungen der 1920er-Jahre im Industriebau auch nach 1933 fort.

Die lang gestreckte Hallenfront der weitgehend unverändert erhaltenen Mechanischen Werkstätten wird am Tor 5 durch ein turmartiges, sechsgeschossiges Verwaltungsgebäude abgeschlossen. Der westliche Teil der Halle an der Wattenscheider Straße besteht ebenfalls aus einem kubischen Kopfbau. Die Rückfront des Gebäudes ist im Gegensatz zu den übrigen Fassaden eher unspektakulär gestaltet. Sie besteht aus einer genieteten Stahlkonstruktion mit Klinkermauerwerk-Ausfachungen. Die tragende Konstruktion der drei parallel verlaufenden Hallenschiffe besteht aus Stahl und ist in Vollwandbauweise ausgeführt. Die Dachbinder tragen extrem flach geneigte Satteldächer mit quer verlaufenden verglasten Dachaufsätzen.

Die heute als Lager der ThyssenKrupp AG genutzte Werkhalle und das benachbarte Verwaltungsgebäude stehen seit 2003 unter Denkmalschutz. Sie erinnern an die bedeutende Rolle des Bochumer Vereins als Stahlkonzern und Rüstungsbetrieb im Dritten Reich, der 1937 als erstes Montanunternehmen den Titel „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“ erhielt. In Bochum gehören sie neben dem Hauptfriedhof und dem Deutschen Bergbau-Museum zu den markantesten Beispielen für die Architektur in der Zeit des Nationalsozialismus‘.

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(ehem. Mechanische Werkstätten des Bochumer Vereins)
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