Siedlung Chatten-/Preußenstraße

Architekturgeschichte des Werkswohnungsbaus im Ruhrgebiet von den Anfängen bis nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel einer Siedlung.

Die Siedlung Preußenstraße. Quelle: Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen
Die Siedlung Preußenstraße. Quelle: Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen

Variationen eines wuchtigen Haustyps

An dieser ausgedehnten Siedlung für Arbeiter des Schalker Gruben- und Hüttenvereins  in Bulmke-Hüllen lässt sich trotz baulicher Veränderungen infolge von Bombenschäden durch den Zweiten Weltkrieg die Entwicklung des Werkswohnungsbaus im Ruhrgebiet gut nachvollziehen.

Um 1900 wurden an der Chatten-/Ilsestraße überwiegend zweigeschossige Doppelhäuser gebaut. Unter Denkmalschutz steht das fast noch geschlossen einheitlich erhaltene Ensemble Chattenstraße 58-68 und 61-71. Bei dieser Bauweise ist der Wechsel von weißen Schamottesteinen und rotem Ziegel charakteristisch.

Der im Umfeld von Preußen-, Schlesier-, Sachsen- und Gotenstraße liegende Siedlungsteil hingegen wurde erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg gebaut und zeigt einen völlig anderen Typus des Werkswohnungsbaus. Im Vergleich zu den am Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Bergmannssiedlungen handelt es sich hier nicht mehr um kleine, auf möglichste Trennung der Bewohner bedachte Häuser für höchstens vier Parteien, sondern um zweieinhalbgeschossige Mehrfamilienhäuser. Nach dem Ersten Weltkrieg begann sich diese Bauweise aus Kostengründen im Arbeiterwohnungsbau durchzusetzen.

Auffällig ist die sparsame Verwendung von Zierrat, welche auf den veränderten Zeitgeschmack zurückzuführen ist. Die Siedlung besteht fast ausschließlich aus Variationen eines eher strengen und wuchtigen Haustyps mit hohem Dach. Dieser Typ wird durch unterschiedliche Dach- und Eingangsgestaltungen, Arkaden, Erker und Gauben abgewandelt. Aufgelockert wird die Siedlung durch die wechselnd giebel- und traufständige Anordnung der Häuser an den leicht geschwungenen Straßen. Hier ist noch der Einfluss der Gartenstadt-Idee erkennbar. Beispiele für diesen Häusertyp finden sich am Preußenmarkt oder an der Landgrafenstraße. In den 1930er-Jahren entstanden unter anderem die Häusergruppen Siegfriedstraße 1-9. Die Nachkriegsphase repräsentieren unter anderem die Häuserblöcke Vandalenstraße 52-80. Hinter den Häusern und von der Straße aus nicht einsehbar liegen die Stallanbauten und Nutzgärten. 

zurück 24/48 vor

Kontakt & Infos

Siedlung Chatten-/Preußenstraße
Chatten-/Preußenstraße
45888 Gelsenkirchen-Bulmke-Hüllen

ÖPNV

Von Gelsenkirchen Hbf (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 302 bis „Musiktheater“, dann mit Bus 340 bis „Preußenstraße“; von Wanne-Eickel Hbf mit Bus 340 bis „Preußenstraße“