Siedlung Stahlhausen

Eine „Colonie“ und ihr Hüttenwerk: Die älteste Stahlarbeitersiedlung in Bochum, ab den 1860er-Jahren am Areal des Bochumer Vereins erbaut, bot ihren Bewohnern privilegiertes Wohnen mit Stall und Garten innerhalb einer kompletten Versorgungsstruktur. Heute ist sie eine „grüne Enklave“ südwestlich des ehemaligen Werksgeländes.  

Die Siedlung Stahlhausen um 1910. Quelle: Historisches Archiv Krupp
Die Siedlung Stahlhausen um 1910. Quelle: Historisches Archiv Krupp

Grüne Enklave am Rande der Werksflächen

Die Siedlung Stahlhausen bildete den Auftakt der Wohnungsbautätigkeit des Bochumer Vereins für seine Mitarbeiter. Sie ist heute die älteste Stahlarbeitersiedlung in Bochum.

Mitte der 1860er-Jahre entstanden südwestlich des Werksgeländes die ersten 34 Gebäude nach dem „Mühlhauser Typ“. Dieser im französischen Mülhausen entwickelte Baustil war durch vier um einen quadratischen Kreuzgrundriss gegliederte Wohnungen gekennzeichnet. Jede Wohnung besaß einen separaten Eingang und ein eigenes Treppenhaus, das in den Keller und zum Obergeschoß führte. Die genormte Bauweise erlaubte einen damals als günstig angesehenen Kompromiss zwischen geringem Kostenaufwand und aufgelockerter Struktur, die jeder Familie auch Gartenwirtschaft ermöglichte. Der Name „Colonie Stahlhausen“, sollte die Verbundenheit zwischen dem Stahl erzeugenden Werk und dem Wohnort der hier sesshaft werdenden Stammarbeiterschaft verdeutlichen.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Siedlung Stahlhausen in mehreren Ausbaustufen auf über 90 Wohngebäude für bis zu zwölf Familien mit insgesamt über 460 Wohnungen in unterschiedlichen Haustypen erweitert. Dazu kam seit 1874 im Bereich der heutigen Feuerwache das „Bullenkloster“, eines der größten Kost- und Logierhäuser des Ruhrgebiets mit 150 Wohnstuben für 1.200 Arbeiter. Mit einem zentral gelegenen Schulgebäude besaß die Siedlung den Charakter einer eigenen Stadt.

Die in den 1870er-Jahren unter anderem an der Baarestraße errichteten Häuser der Werksbeamten unterschieden sich grundlegend von den schmucklosen der Arbeiter. Sie besaßen unterschiedliche Grundrisse, verzierte schmiedeeiserne Geländer und Vordächer. Eine aufwändige Gestaltung mit Gesimsen, umlaufender Zierkeramik, bogenförmigen Fensteröffnungen sowie Putzfeldern machten den Statusunterscheid der Bewohner auf den ersten Blick erkennbar.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Zentralbereich der Siedlung , die 1940/41 an der Baarestraße einen Hochbunker erhalten hatte, weitgehend zerstört. Durch den Wiederaufbau in den 1950er-Jahren entstand ein neues Siedlungsbild mit neuen Mehrfamilienhäusern in lockerer Bauweise. Trotz dieser baulichen Veränderungen hat sich der Charakter einer geschlossenen Siedlung erhalten. Die Eingrünung mit Straßenbäumen, Hecken und Grünflächen macht sie zu einer „grünen Enklave“ am Rande der ehemaligen Werksflächen des Bochumer Vereins.

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Kontakt & Infos

Siedlung Stahlhausen
Stahlhauser Straße / Baarestraße / Gremmestraße /Lerschstraße / Pinagelstraße
44793 Bochum-Stahlhausen

ÖPNV

Vom Hbf Bochum (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 302, 310 oder vom Bahnhofsvorplatz mit Bus 345 bis „Jacob-Mayer-Straße/ Jahrhunderthalle Bochum“