Westfälische Drahtindustrie

Westfälische Drahtindustrie. Foto: RIK / R. Budde
Westfälische Drahtindustrie. Foto: RIK / R. Budde

Die Westfälische Drahtindustrie GmbH hat ihren Ursprung in einem bereits 1856 gegründetem Werk zur Drahtfabrikation, das 1872 als Aktiengesellschaft und ab 1890 unter dem jetzigen Namen Westfälische Drahtindustrie (WDI) betrieben wurde.

1856 gründete der aus einer Fabrikantenfamilie stammende Carl Hobrecker zusammen mit drei anderen Unternehmern, den beiden Brüdern Hermann und Julius Witte und Hermann Herbers aus Iserlohn das nach ihnen benannte Drahtwerk. Der Vater von Carl Hobrecker, Wilhelm, hatte bereits 1820 ein erstes Drahtwerk in Hamm gegründet. Das von seinem Sohn mitbegründete Werk lag sowohl an der Köln-Mindener Eisenbahn als auch an der wichtigen Straßenverbindung nach Unna und Dortmund. Es war das erste Drahtwerk in Europa, in dem man Dampfkraft zur Herstellung von Walzdraht einsetzte. Nach Umwandlung in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1872 expandierte das Unternehmen. Zur Belieferung des russischen Marktes wurde 1874 ein Werk zur Drahtverfeinerung im lettischen Riga gegründet, zur Sicherung der Rohmaterialversorgung 1882 ein Hütten- und Walzwerk im finnischen Dalsbruck aufgekauft.

Um eine gesicherte Vormaterialbasis zu erreichen, erfolgte1911 unter Wahrung der Selbstständigkeit die vertragliche Einbindung der WDI in den Essener Krupp-Konzern. Bereits ein Jahr zuvor war das von Wilhelm Hobrecker gegründete Stammwerk von der WDI gekauft worden. 1921 wurde die komplette Fabrikation am Standort der WDI eingegliedert. Während des Zweiten Weltkrieges lieferte das Werk kriegswichtige Produkte und war damit auch vorrangiges Ziel alliierter Bombenangriffe. Sie zerstörten 80 % des Gebäudebestandes und mehr als 50 % der technischen Anlagen. 1951 konnte die Wiederaufbauphase des Werkes abgeschlossen werden. Im gleichen Jahr endete die mit dem Krupp-Konzern vertraglich vereinbarte Interessensgemeinschaft, die WDI erlangte wieder ihre volle Unabhängigkeit. Sie währte allerdings nur bis zum Erweb der Aktienmehrheit durch die Fried. Krupp Hüttenwerke AG im Jahr 1964 und führte damit zur endgültigen Eingliederung in den Konzern.

Nach Aufgabe des Walzdrahtbereiches im Krupp-Konzern erfolgte 1978 eine erneute Konzernanbindung der WDI, diesmal an das Klöckner-Unternehmen. 1987 wurde auch diese Phase mit dem Teilverkauf der Klöckner-Draht an die Unternehmensgruppe Pampus beendet. Seitdem ist das konzernfreie Unternehmen wieder unter der ehemaligen Firmenbezeichnung Westfälische Drahtindustrie GmbH am Markt positioniert. In den letzten zwei Jahrzehnten entwickelte sich die WDI mit Firmensitz in Hamm und vielen anderen Standorten in Deutschland sowie Unternehmensbeteiligungen im Ausland zum größten unabhängigen Drahtproduzenten in Europa. Die Geschäftsfelder umfassen die Bereiche Draht, Blankstahl, Baustahl und Seile.  

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Kontakt & Infos

Westfälische Drahtindustrie
Wilhelmstraße 7
59067 Hamm

ÖPNV

Bahnhof Hamm (Westf) - Westausgang