Zeche Hermann und "Alte Kolonie“

Zeche Hermann und "Alte Kolonie“. Foto: RIK / R. Budde
Zeche Hermann und "Alte Kolonie“. Foto: RIK / R. Budde

Die 1906 gegründete Bergwerksgesellschaft Hermann begann ein Jahr später mit dem Abteufen von Schacht 1, Schacht 2 erreichte seine Endteufe 1910. Bis 1914 wurden außerdem eine Ziegelei und eine Kokerei gebaut.

1920 wuchs die Belegschaft bis auf fast 3.000 Beschäftigte an, die jährliche Kohleproduktion stieg auf über 426.000 Tonnen. Die Zeche war damit Arbeitgeber für fast 90% der Beschäftigten im Raum Selm/ Bork. Starke Wasserzuflüsse und Rentabilitätsprobleme brachten das Bergwerk jedoch zunehmend in Schwierigkeiten, so dass die Schachtanlage am 15. Juli 1926 endgültig stillgelegt wurde. 4.000 Menschen verloren dabei ihren Arbeitsplatz. Für die Gemeinde Selm bedeutete die Schließung des Bergwerks eine Katastrophe, sie war deshalb bis 1956 "Notstandsgemeinde".

Der Großteil der Übertageanlagen wurde 1928 abgebrochen, die verbliebenen Gebäude wurden als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt. Zum Ensemble gehören das von den namhaften Dortmunder Architekten Karl & Dietrich Schulze erbaute Verwaltungsgebäude aus dem Jahre 1909, die im Neobarock-Stil errichtete Waschkaue und Lohnhalle sowie der Treppenhaus-Turm und die Fenster als Beispiel für die neue Sachlichkeit der 1920er/1930er Jahre.

1998 gelang es der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) NRW einen Investor und Nutzer für die historischen Gebäude zu finden. Das Verwaltungsgebäude wurde im Auftrag der Stadt Selm von der LEG aufwändig restauriert und für eine gewerbliche Nutzung hergerichtet. Heute bildet das ehemalige Verwaltungsgebäude zusammen mit zwei neu errichteten Fertigungshallen eine gelungene Synthese zwischen traditioneller Industriearchitektur und modernem Gewerbebau.

Für die zahlreichen Zuwanderer, vor allem aus Ost- und Südeuropa, die als Arbeitskräfte für die Zeche angeworben wurden, wurde ab 1909 bis 1923 die Werkssiedlung "Alte Kolonie", später Hermann-Siedlung mit 514 Häusern angelegt. Planung und Durchführung erfolgte ebenfalls über die Architekten Karl & Dietrich Schulze. Im Unterschied zu den früheren Werkssiedlung im Ruhrgebiet, die zumeist in direkter Nachbarschaft zur Zeche gebaut wurden, wurde die Hermann-Siedlung in konzentrischen Ringen um die nahe mittelalterliche Burg Botzlar angeordnet. Vorbild für die Architekten war die aus England stammende Idee der Gartenstadt, deren Erscheinungsbild durch phantasievolle, qualitativ hochwertige Einzelhausbebauung mit viel Grün- und Gartenflächen unter Einbeziehung der Geländeformation geprägt war.

Der Charakter, der in sich geschlossen wirkenden Gesamtanlage wird bestimmt durch 1½ geschossige Einfamilien- und Doppelhäuser mit ausgebauten Mansarde- und Walmdächern. Die streng symmetrische Form des Doppelhauses wechselt mit langgestreckten Reiheneinfamilienhäusern. Wechselnde Traufe- und Giebelständigkeit, die Varianten der Dachformen sowie die Wahl der Bautypen tragen in einem hohen Maß zur Vielfältigkeit der Gestaltung bei. Aus 14 Grundtypen abgeleitet, entwickelten die Architekten 47 Haustypen mit bis zu 70 Quadratmeter Wohnfläche pro Wohneinheit. Jedes Haus verfügte im rückwärtigem Bereich über ein Gartengrundstück mit Stallungen.  

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Am Buddenberg 18
59349 Selm-Beifang

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