Haus Witten - Produktionsstätte des 17. und frühen 19. Jahrhunderts

Haus Witten. Foto: RIK / R. Budde
Haus Witten. Foto: RIK / R. Budde

Durch den Zusammenbruch der Feudalordnung in der Napoleonischen Zeit standen Anfang des 19. Jh. zahlreiche Herrensitze zur Verfügung, die von Industriellen auch aufgrund der mit Ihnen in Verbindung stehenden Rechte aufgekauft wurden. So war es auch beim Haus Witten, einem Adelssitz aus dem 15. Jh., das 1790 von Johann Friedrich Lohmann d.Ä. zunächst gepachtet und später gekauft wurde. Seit die Industriellenfamilie Lohmann Anfang des 19. Jh. in den Kellerräumen, im Westflügel und im westlichen Vorgelände der Burg eine Stahlfabrik einrichtete, wurde Haus Witten zum Ausgangspunkt der Wittener Industriegeschichte.

Im sanierten und mit Architekturpreisen ausgezeichneten Haus Witten, das heute als Kultur- und Veranstaltungszentrum dient, können im Keller die Lohmannschen Versuche zur Herstellung von Tiegelgussstahl nachvollzogen werden. Die hier ausgestellten Gusstiegel zählen zu der älteren Lohmannschen Betriebsausstattung und vermitteln einen Eindruck von der frühindustriellen Produktionsweise vor dem fabrikmäßigen Ausbau. Die Gusskokillen wurden im Rahmen von Ausgrabungen 1988-90 freigelegt. Diese industriearchäologischen Funde sind heute am Originalschauplatz der Experimente ausgestellt.

Im Kellerboden befinden sich noch Reste eines Metallschmelzofens aus dem 17. Jh. für die Herstellung von Messing. Der aus Sandstein und Lehm gemauerte Ofen zählt zum Typ der Windöfen. Der Windkanal ist in den Boden eingetieft und war mit Steinplatten abgedeckt. Der Oberboden bestand aus hochkant gestellten Sandsteinplatten, so dass sie einen Rost bildeten. Durch diesen Rost erhielt das Feuer von unten einen Luftzug, eine wichtige Voraussetzung für die Metallschmelze. 

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Kontakt & Infos

Haus Witten
Kulturforum Witten
Musikschule
Ruhrstraße 86
58452 Witten

Öffnungszeiten

Die Ausstellung kann zu den Geschäftszeiten der Musikschule (Mo - Do 8.00 - 12.00 Uhr , Di u. Do 14.00 - 16.00 Uhr) sowie bei Veranstaltungen besichtigt werden.

ÖPNV

Von Witten Hbf 5 Minuten Fußweg
Von Bo-Langendreer /Witten Rathaus mit Bus 379 bis "Haus Witten" 

Tipp

Zwischen Haus Witten und dem heutigen Saalbau standen früher die Tagesanlagen der Zeche Franziska. Nachdem zuvor im Stollenbau von der Ruhr her die Kohle abgebaut worden war, teufte man 1839 den ersten Schacht ab. Mit der Eröffnung der Bergisch-Märkischen Eisenbahn erhielt die Zeche 1849 Bahnanschluss. Sie förderte Kohle unter der Wittener Innenstadt. 1888 kam es zur Vereinigung mit der Zeche Hamburg in Annen und wenig später zur Großschachtanlage Hamburg & Franziska, die 1905 von der Gelsenkirchener Bergwerks AG übernommen wurde. Nachdem der Betrieb 1922 noch 475 190 t Kohle gefördert hatte, wurde er 1925 stillgelegt. Bis auf wenige Mauerreste sind die Zechengebäude nahezu vollständig den heutigen Grünflächern und Parkplätzen gewichen.