Lederfabrik Lindgens

Lederfabrik Lindgens
Lederfabrik Lindgens

In Mülheim wird seit mehr als 350 Jahren Leder hergestellt. Vor Beginn der Industrialisie- rung belieferten die Gerber fast ausschließlich den lokalen Markt mit Leder für den täglichen Bedarf, also Schuh- leder und Zaumleder für die Zugtiere der Bauern. Als die Gerbereien im späten 19. Jahrhundert zu Fabriken wurden und ihr Wasserbedarf enorm anstieg, siedelte sich die Lederindustrie direkt am Ruhrufer an. Durch die Industrialisierung im Ruhrgebiet war die Nachfrage nach Leder mit den herkömmlichen handwerklichen Produktionsmethoden nicht mehr zu bewältigen. Ein "Lederboom"entstand, nachdem riesige Mengen an Geschirrleder für die Pferde gebraucht wurden, welche die Kohlen- schiffe zogen. Daneben wurde die Nachfrage enorm durch den Bergbau angeheizt, der Sitzleder, Schürzen und Transportbänder brauchte. Die Eisen- und Hüttenindustrie brauchte Schutzkleidung für ihre Hochofenarbeiter. Die Dampfmaschinen übertrugen ihre Kraft auf die Maschinen in den Fabriken durch lederne Transmissionsriemen.

Zwischen 1850 und 1924 stieg die Zahl der lederverarbeitenden Betriebe von zehn auf 54 an. Seitdem ist sie rückläufig. Mit dem Rückgang der industriellen Produktion verschwand auch die einst so bedeutende Lederbranche, nachdem sie zwischenzeitlich noch einmal enorm von der Kriegswirtschaft profitiert hatte. Einst waren es bedeutende Namen in Mülheim: Rühl, Coupienne, Möhlenbeck. Der Kassenberg bzw. die Düsseldorfer Straße war einst die Fabrikstraße der Lederindustrie im Ruhrgebiet und darüber hinaus.

Ludwig Lindgens gründete 1861 seinen Betrieb und produzierte Verdecke für Pferdekutschen. Zwölf Jahre später verlegte er den Firmensitz an den heutigen Standort. Der regional bedeutende Architekt Franz Hagen entwarf den Fabrikbau Lindgens, der heute noch das Straßenbild von einst erahnen läßt. Das für die Produktion benötigte Wasser konnte nicht aus der Ruhr genommen werden. Er war zu eisenhaltig. Daraufhin legte man acht Brunnen an. Das Unternehmen mußte sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder neuen Marktgegebenheiten anpassen. Heute wird hier vorwiegend Leder für die Möbelindustrie und die Innenausstattung von Autos und Flugzeugen hergestellt, auch die Deutsche Bahn ist ein Abnehmer. 

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Kontakt & Infos

SETON GmbH Lindgens Leder
Kassenberg 2
45481 Mülheim an der Ruhr

ÖPNV

Von Mülheim (Ruhr) Hbf mit Bus-Linien 132, 133,752 bis "Lindgens"