Neukircher Schleuse. Foto: RIK / Guntram Walter
Neukircher Schleuse. Foto: RIK / Guntram Walter

Die Ruhr, heute Dorado für Fahrradfahrer und Freizeitkapitäne, war zwischen 1780 und 1880 einer der am meisten befahrenen Flüsse Europas. Der wichtigste Grund dafür war die steigende Kohlenförderung. Sie konnte auf der Straße nicht mehr transportiert werden. Fast alle frühen Kohlengruben der Region lagen nahe der Ruhr, der Transport zum Ufer bereitete keine besonderen Schwierigkeiten. Zwischen Werden und Ruhrort war die Ruhr schon seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts schiffbar, 1748 hatte man den ersten Kohlenlagerplatz in Ruhrort angelegt. Gegen den Widerstand der nichtpreußischen Grundherren erfolgte nun der Ausbau der mittleren Ruhr. 1774 begann der Schleusenbau, 1780 war die Ruhr bis Langschede (Sauerland) befahrbar. Allerdings wurde der Betrieb zwischen Witten und Langschede bereits 1801 wieder eingestellt. Insgesamt wurden auf der Strecke an 16 Wehren Schleusen gebaut, die einen umladefreien Transport der Kohle und anderer Güter ermöglichten. Aufzeichnungen belegen, dass in Spitzenzeiten täglich bis zu 80 Schiffe geschleust wurden. Das bedeutet bei einem 16-Stunden-Tag etwa alle 10 bis 15 Minuten eine Schleusung. Den Höhepunkt erreichte die Ruhrschifffahrt 1860 mit über 7.000 Schiffsladungen und einem Güterumschlag von ca. 900.000 t.

Der Abt von Werden ließ 1777/78 am linken Ruhrufer die Neukircher Schleuse erbauen. Schleuse und Teile des Schleusenkanals wurden in den anstehenden Felsen gehauen. 1829 und 1844 erfolgten Sanierungen der Anlage. Bei der zweiten Sanierung errichtete man auf der Schleuseninsel die "Weiße Mühle", die ihren Namen dem stets weißen Anstrich verdankt.

Mit dem Aufstauen des Baldeneysees 1933 war auch eine Regulierung des Unterwassers verbunden. Um mehr Fallhöhe für die Wasserkraftanlage zu gewinnen, wurde die Neukircher Schlagd, ein alter Aufstau der Ruhr, beseitigt. Durch den gesunkenen Wasserspiegel fiel die Schleuse trocken. Der Schifffahrtsweg führte fortan durch den eigentlichen Ruhrverlauf und die neue Schleuse Baldeney. Seit 1984 steht die Neukircher Ruhrschleuse unter Denkmalschutz und ist als technisches Denkmal restauriert. Zur Verdeutlichung der Schleusenfunktion wurden die alten eichenen Stemmtore der Schleuse Steele-Horst in die Neukircher Schleuse eingebaut.  

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Kontakt & Infos

Neukircher Schleuse
Hardenbergufer 59
45239 Essen-Werden

ÖPNV

Vom S-Bahnhof Essen-Werden ca. 20 Minuten Fußweg