Textilfabrik J. Caspar Troost

Textilfabrik Caspar Troost mit Spinnerei, um 1800. Quelle: Stadtarchiv Mülheim
Textilfabrik Caspar Troost mit Spinnerei, um 1800. Quelle: Stadtarchiv Mülheim

Johann Caspar Troost (II.) kann neben Johann Gottfried Brügelmann aus Ratingen als einer der Pioniere der Textilindustrie im deutschsprachigen Raum bezeichnet werden. Bereits 1791 gründete der aus einer Elberfelder Familie stammende Troost in Mülheim eine mechanische Baumwollspinnerei nach englischem Vorbild. Die Maschinen wurden über einen von der Ruhr abgeleiteten Kanal mit Wasserkraft betrieben. Das Unternehmen wuchs zunächst schnell, der Markt für die preiswert produzierten Baumwollstoffe war groß.1809 werden in der Gewerbestatistik der Stadt Mülheim neben einer Baumwollweberei auch eine Kattunweberei und -druckerei unter dem Firmennamen Troost & Simons erwähnt.

Wegen der Napoleonischen Kontinentalsperre gegen Großbritannien gelangte ab 1807 nur wenig Baumwolle aus den amerikanischen Kolonien nach Deutschland. Diese Rohstoffknappheit bedrohte auch die Existenz der Troostschen Fabrik, die aber die nachfolgenden Krisenjahre überstehen konnte. Ab den 1830er Jahren konnte man sogar expandieren, das Unternehmen wurde in vier verschiedene Firmen aufgegliedert, die von Troosts Söhnen geführt wurden. Die Webereiarbeiten wurden überwiegend von Heimarbeitern verrichtet. In der Spinnerei waren in erster Linie Frauen und Kinder beschäftigt, die täglich zehn bis zwölf Stunden unter zum Teil unerträglichen Bedingungen arbeiteten. 1846 war die Troost'sche Textilfabrik mit über 1.200 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Mülheim.

Danach setzte jedoch der wirtschaftliche Niedergang ein.Weberei und Spinnerei wurden nach 1894 verkauft, die Arbeit in der Woll- und Baumwollspinnerei wegen mangelnder Nachfrage komplett eingestellt. Nach der Stilllegung wurde der Fabrikbau von der benachbarten Villa Josef Thyssen als Wirtschaftsgebäude genutzt.

Geblieben sind von den Troostschen Fabriken drei Bauwerke: Die seit Jahrzehnten leer stehende Weberei; ein Gebäude im Tudorstil, das zwischenzeitlich bewohnt war, und als kleinstes Objekt, ein ehemaliges Kutscherhaus. 2016 hat die August Thyssen-Stiftung die Gebäude veräußert; der Umbau zu Luxus-Eigentumswohnungen ist beschlossen.

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Kontakt & Infos

Textilfabrik J. Caspar Troost
Dohne 48 und 48a
45468 Mülheim an der Ruhr
Die Fabrikanlage liegt südlich des Stadtzentrums Mülheim in der Nähe der Ruhr und kann zu Fuß über eine Zufahrt von der Straße Dohne (Nr. 48) erreicht werden.

ÖPNV

Von Mülheim (Ruhr) Hbf mit Straßenbahn 102, 901 oder mit Bus 122, 131 bis „Stadtmitte“, dann mit Straßenbahn 104 bis „Wilhelmstraße

Tipps

Direkt neben dem Firmengelände schließt sich der Park der Villa Josef Thyssen an, der in die öffentliche Grünanlage an der Ruhr eingebunden ist.

Nur wenige hundert Meter entfernt liegt an der Ruhr der "Wasserbahnhof" mit interessanter Architektur und Möglichkeit einer erholsamen und interessanten Schiffsreise auf der Ruhr bis zum Baldeneysee.