Haus Weile und Gahlener Kohlenweg

Haus Weile: Foto: RIK/Reinhold Budde
Haus Weile: Foto: RIK/Reinhold Budde

Der erste Hinweis auf das Gut „Wele“ findet sich in einem Besitzverzeichnis der Benediktinerabtei Deutz aus der Zeit um 1160, eine erste urkundliche Erwähnung von Haus Weile fand 1298 statt. 1770 heiratete der spätere königlich preußische Bergrat und zugleich Gewerke Julius Philipp Heintzmann eine Erbin der Besitzerfamilie. Er war mit dem Direktor des Oberbergamtes zu Wetter und späteren preußischen Minister Freiherr vom und zum Stein eng vertraut. Auf seinen Inspektionsreisen war der Freiherr häufig Gast auf Haus Weile.

1827 errichtete August Heintzmann bei Haus Weile eine Kohlenniederlage als Zwischenlager für den Landtransport und verband sie durch eine 1,9 Kilometer lange Pferdeschleppbahn mit dem Stollenmundloch St. Mathias Erbstollen. Sie ist baugleich mit der 1786/87 gebauten „Rauenthaler Bahn“, der ersten Bahn in Deutschland mit eisernen Schienen. 1907 brannte Haus Weile ab und wurde danach in der heutigen Form wieder aufgebaut. 1927 kaufte die Henrichshütte das Gebäude. 1959 erfolgte die Ruhrverlegung, um das Betriebsgelände der Henrichshütte zu vergrößern. Die Ruhr fließt seither nordwestlich an Haus Weile vorbei. Seit 1998 ist das Haus in Privatbesitz und wird heute nach intensiver Renovierung mit der Bezeichnung „Landhaus Grum“ gastronomisch genutzt.

Haus Weile ist auch der südliche Ausgangspunkt des „Gahlen‘schen Kohlenweges“, der von Hattingen über Bochum bis zum Hafen in Gahlen führte. Bis dahin wurde die Kohle mit Maultieren oder Pferdefuhrwerken transportiert, dann über die Lippe zum Rhein verschifft. Die als Knüppeldamm angelegte Straße war ab1766 eine der ersten befestigten Straßen im mittleren Ruhrgebiet für den Transport der an der Ruhr geförderten Steinkohle in Richtung Norden. Die Ruhr war zu dieser Zeit noch nicht schiffbar. Mit der Aufhebung der Zollschranken und dem Aufleben der Ruhrschifffahrt und des späteren Eisenbahnverkehrs verlor der Kohlenweg allmählich seine wirtschaftliche Bedeutung. 

Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 wurde die vor 250 Jahren angelegte künstliche Straße durch mehrere Kunstwerke thematisiert und lokal erlebbar gemacht. Kunstvereine aus Gelsenkirchen, Hattingen und Dorsten sowie eine Bochumer Galerie und der Förderverein der Künstlerzeche Unser Fritz aus Herne entwickelten Kunstmarken und -objekte entlang der heute 29 Kilometer langen Strecke.

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Kontakt & Infos

Haus Weile
Landhaus Grum
Ruhrdeich 8
45525 Hattingen

ÖPNV

Vom S-Bahnhof Hattingen (Ruhr) ca. zehn Minuten Fußweg