Scheidt'sche Hallen

Scheidt‘sche Fabrik um 1912. Quelle: Stadtbildstelle Essen
Scheidt‘sche Fabrik um 1912. Quelle: Stadtbildstelle Essen

Die Textilindustrie spielte seit dem 16. Jahrhundert in Kettwig eine wichtige Rolle. Um 1845 arbeiteten in Kettwig 14 Fabriken für Tuchmacherei und Färberei, erst in jüngerer Zeit wurde der Industriezweig gänzlich aufgegeben. Die Fabrik- und Wohnbauten dieses Gewerbes prägen auch heute noch das Bild des Stadtteils.

Zu einem der vier größten Unternehmen des Textilgewerbes in Kettwig entwickelte sich die um 1720 durch Albert Wilhelm Scheidt (1695-1760) gegründete Tuchfabrik. Die Familie Scheidt prägte in vielen nachfolgenden Generationen das Tuchmachergewerbe in Kettwig. Ab 1760 führten die Söhne von Albert Wilhelm das Unternehmen mit der Zielsetzung weiter, Wasserkraft zum Antrieb der Maschinen zu nutzen. Aber erst 1837 setzte Julius Scheidt (1813-1874) das Vorhaben um und errichtete direkt an der Ruhr ein mächtiges Fabrikgebäude mit Turbinenhaus und Doppelturm, das seitdem das Stadtbild Kettwigs prägte. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Tuchfabrik noch um eine groß angelegte Kammgarnspinnerei und Streichgarnspinnerei erweitert.

Der großen Textilkrise in den 1960er- und 1970er-Jahren konnten auch die Scheidt‘sche Tuchfabrik und die Spinnereibetriebe nicht trotzen: Die Tuchfabrik schloss 1962, die Kammgarnspinnerei 1974. Die Gesellschaft wurde in dieser Zeit unter Friedrich Arnhard Scheidt in die heutige Grundstücksgesellschaft Kettwig GmbH umgewandelt. Der Geschäftszweck ist die Verwaltung und Verwertung von Immobilien.

Das Gelände der Kammgarn- und Streichgarnspinnerei mit seinen Produktionshallen, seinen Verwaltungs- und Lagergebäuden steht nun abermals vor einem Wandel. Aus der ehemals industriell geprägten Fläche wird ein Standort für anspruchsvolles, urbanes Wohnen und wissensintensive und Unternehmens orientierte Dienstleistungen.

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Kontakt & Infos

Scheidt'sche Hallen
Promenadenweg
45219 Essen-Kettwig

ÖPNV

Von Essen Hbf mit S6 bis S-Bahnhof Kettwig Staussee

Tipps

Direkt neben den Scheidt‘schen Hallen in Hanglage am Ruhrufer gelegen, befindet sich an der Ruhrstraße 91 der imposante Wohnsitz von Julius Scheidt. Die im klassizistischen Stil erbaute Villa stammt aus der Zeit von 1846 bis 1848. Heute beherbergt sie einen katholischen Kindergarten.

Eine weitere Fabrikantenvilla befindet sich an der Hauptstraße 29. Das spätklassizistische Haus von 1850 wurde von einem entfernten Verwandten der Familie Scheidt errichtet, dem Tuchfabrikanten Gottfried Edmund Scheidt (1817-1866). Mitte der 1980er-Jahre wurde die Villa zuletzt umfassend renoviert.