Innenhafen Duisburg

Innenhafen Duisburg. Foto: RIK / Guntram Walter
Innenhafen Duisburg. Foto: RIK / Guntram Walter

Das Gebiet des Duisburger Innenhafens erstreckt sich nördlich der Duisburger Altstadt zwischen der Marientorschleuse bis fast zur Berliner Brücke der Autobahn A 59. Auf dem etwa 89 Hektar großen Areal ist Hafengeschichte erlebbar, allerdings erst seit die Hafennutzungen weitgehend verschwunden sind und einer neuen Kultur- und Freizeitmeile Platz gemacht haben. Der Innenhafen ist eines der ältesten Hafenbecken Duisburgs und erlangte nach einigen Ausbau- und Erweiterungsphasen seine Blütephase im frühen 20. Jahrhundert. Nach der Zusammenlegung der Duisburger und Ruhrorter Häfen 1905, zeitgleich mit der Vereinigung der Städte Duisburg, Ruhrort und Meiderich, entstand in Duisburg der größte Binnenhafen Europas.

Der Innenhafen gliedert sich in drei Abschnitte. Die beiden älteren im Westen gingen aus dem ehemaligen Ruhrkanal hervor, mit dem die Duisburger zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen Anschluss an die Ruhrschifffahrt erlangen wollten. Nachdem 1847/48 der Anschluss des Duisburger Hafens an die Köln-Mindener Eisenbahn erfolgt war, erforderte der rasche wirtschaftliche Aufstieg vor allem mit den Handelsgütern Holz für den Bergbau und Kohle eine neuerliche Erweiterung. Man entschloss sich, den unrentablen Ruhrkanal wieder zu schließen und dafür zwischen 1889 und 1893 den Holzhafen als Holzlagerplatz und Wendehammer auszubauen. Bis 1900 wurde für die wachsende Getreidemühlenwirtschaft das Kopfende des Innenhafens bis zur heutigen Länge erweitert: Mit der Fertigstellung dieses dritten Abschnittes war der 1,8 Kilometer lange Innenhafen in seiner heutigen Form vollendet.

Seit Ende der 1960er Jahre führte der Zwang zu Rationalisierung und Modernisierung des Hafenbetriebes zur Aufgabe von Gewerbebetrieben im Innenhafen. Zwanzig Jahre später wurden die ersten Speicher für das Kultur- und Stadthistorische Museum und das Stadtarchiv umgebaut, ein Promenadenabschnitt und Grünanlagen öffneten erstmalig wieder den Zugang von der Innenstadt zum Wasser. Den Durchbruch brachte die Internationale Bauausstellung IBA Emscherpark 1989 bis 1999. Basierend auf einen Masterplan, den das Londoner Architektenbüro von Sir Norman Foster, die Landesentwicklungsgesellschaft LEG die Essener Treuhandstelle THS und die Firma Kaiser Bautechnik erarbeiteten, entwickelt sich das ehemalige Hafenareal inzwischen zu einem beispielhaften überregional bedeutenden Projekt für die Umwandlung ehemaliger Industrieregionen. Kernpunkte des Entwurfs sind die weitest gehende Erhaltung und Umnutzung der ehemaligen Speichergebäude, die Anlage von Grachten zur Wasserbewirtschaftung in einem neu entstehenden Wohnquartier und der Bau eines sichelförmigen, 16-geschossigen Bürogebäudes namens "Eurogate".

Anlaufstelle für die Besucher des Innenhafens bildet das Hafenforum am Philosophenweg 19. Der ehemalige Getreidespeicher gehörte zu den ersten Umbaumaßnahmen, nachdem Sir Norman Foster 1990 im Wettbewerb für den Innenhafen-Masterplan siegreich war. Hier sind in der oberen Etage das Informationszentrum und die Büros der Innenhafen Duisburg Entwicklungsgesellschaft (IDE) und eine Gastronomie im Erdgeschoss untergebracht. Viele andere Bausteine des Masterplans sind inzwischen ebenfalls realisiert.

Promenaden laden zu einem Spaziergang rund um das Hafenbecken ein, an dem noch vielfach technische Einrichtungen an die ursprüngliche Hafenfunktion erinnern. Spektakulär ist dabei der Turmdrehkran der Homberger Rheinwerft von 1904, der als Exponat vor dem Kultur- und Stadthistorischen Museum zu sehen ist. Spaziergänger haben auch die Möglichkeit der Wegeverkürzung über das Hafenbecken. Entweder über den Portsmouth-Damm zwischen Philosophenweg und Schifferstraße oder über die sogenannte Buckelbrücke, die als einzige bewegliche Hängebrücke der Welt sich bei Bedarf für passierende Schiffe hochziehen lässt. Sie verbindet den Yitzak-Rabin-Platz mit der Schifferstraße und der Hafennordseite. Neben der Brücke wurde 2001 eine Marina für Sportboote mit Dauer- oder Tagesliegeplätzen, Servicegebäude und Tankstelle eröffnet.

Der Gebäudekomplex der Werhahn-Mühle zu beiden Seiten der Speichergracht  dokumentiert sechzig Jahre Hafenentwicklung. Die ältesten Gebäudeteile der Mühle stammen aus dem Jahr 1896, als sich die Rheinischen Mühlenwerke Cohen & Co im Innenhafen ansiedelten. Unter dem Druck der Nationalsozialisten mussten die jüdischen Inhaber 1936 aus dem Unternehmen ausscheiden, das von den Gebrüdern Werhahn aus Neuss übernommen wurde. Nahezu zeitgleich wurde der Betrieb um das angrenzende Gelände und die Speichergebäude der Großeinkaufsgesellschaft Deutsche Konsumgenossenschaft mbH erweitert, die 1894 von dem Arbeiter-Konsumverein "Eintracht" gegründet worden war. An den westlichen Speicher wurde 1959 noch ein Mehlsilo angebaut, der damit den jüngsten Bau des Gebäudeensembles darstellt. Dieser mit Ziegeln verkleidete Betonsilo hat einen siebengeschossigen Anbau, der die Transportanlagen mit ihren Sackrutschen enthielt. Speicher und Silo fasste der Architekt Wolfgang Feder zu einem Ensemble zusammen

Einmalig ist auch der "Garten der Erinnerung" des israelischen Künstlers Dani Karavan, der im Umfeld des neuen jüdischen Gemeindezentrums angelegt ist. Das Konzept ist sehr reizvoll, weil es auch einen Bogen zur Vergangenheit schlägt. Elemente der abgerissenen Speicherbauten, die früher in diesem Bereich standen, wurden jetzt als Skulpturen in die Parkgestaltung einbezogen.

Am östlichen Ende der Promenade lädt das Museum Küppersmühle zum Besuch ein. Noch bevor der Innenhafen bis zur heutigen Länge ausgebaut war, gründete Wilhelm Vedder 1860 hier einen Mühlenbetrieb. Ab diesem Jahr konnte in den Duisburger Innenhafen das ganze Jahr über aus allen wichtigen Getreideexportländern der Welt Brotgetreide eingeführt werden. So entwickelte sich hier die größte Mühlenindustrie Westdeutschlands, der "Brotkorb" des Reviers. Der rasante wirtschaftliche Aufschwung veranlasste viele Mühlenbetreiber ihre Produktionsanlagen zu modernisieren und zu erweitern. So ersetzte Vedder 1908 die ersten Gebäude seiner Mühle durch den heutigen siebengeschossigen Neubau einer Dreiflügelanlage. 1912, als Werner & Nicola die Mühle übernahm, kam ein westlicher Erweiterungsbau mit freistehendem Kesselhaus und Schornstein hinzu. Östlich anschließend wurde 1934 ein grauer, über 42 Meter hoher Stahlsilo mit aus Röhren zusammengenieteten Kammern erstellt. 1969 fusionierte die Mühle mit den Küpperswerken in Homberg und wurde 1972 stillgelegt.  

Erst ab Mitte der 1990er Jahre zog wieder neues Leben in das alte Backstein-Gemäuer. In den älteren Gebäudeteil zog eine Sammlung mit Werken deutscher Künstler seit 1945 ein. Seither ist das Museum Küppersmühle neben dem Wilhelm-Lehmbruck-Museum das zweite überregional bedeutende Kunstmuseum in Duisburg. Beeindruckend ist die Großskulptur eines neuen Treppenhauses in ziegelrotem Beton, die heute den Hof dominiert. Innen, in hohen, weißen Räumen kommen die Kunstwerke gut zur Geltung, ohne dass das Gebäude außen seinen Charakter eingebüßt hätte. Der Westtrakt des Gebäudes und das Kesselhaus werden gewerblich genutzt. 

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Kontakt & Infos

Stadt Duisburg
Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement
Standortmarketing Innenhafen Duisburg
Philosophenweg 19
47051 Duisburg
Telefon: +49 (0) 203 / 30 55 11-1

Kontakt & Infos

Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg
Johannes-Corputius-Platz 1
47051 Duisburg
Telefon: +49 (0) 203 / 28 32 64-0

ÖPNV

Von Duisburg Hbf mit Straßenbahn 901 bis „Rathaus“

metropolradruhr

Nächster Standort: am Ankerpunkt (Schwanentor / Yitzhak-Rabin-Platz / Hansegracht / Innenhafen Nord);

Duisburg Hbf., Verknüpfungshalle West, 1,4 km, 6 Min.;
Duisburg Hbf., Haupteingang, 1,5 km, 7 Min.

www.metropolradruhr.de

GASTRONOMIE

Die Gastronomie ist fester Bestandteil des Innenhafens.
www.innenhafen-duisburg.de

Tipps

In Duisburg-Ruhrort, an der Ecke Amtsgerichtstraße/ Hafenstraße steht der schönste Kiosk des Reviers. Die Trinkhalle von Hüseyin Dagli ist Sieger im Wettbewerb um die schönsten Büdchen, der vom RVR, dem WDR und der WAZ 1998 ausgeschrieben wurde.

Mitten in Duisburg-Beek liegt die König-Brauerei (Friedrich-Ebert-Straße 255 - 262), eine der Großen im Brauereigeschäft. Sie wurde 1858 von Theodor König gegründet. 1911 begann die Produktion der Marke König-Pilsener, die sich schnell auf dem Markt durchsetzen konnte.

Am linken Rheinufer in Baerl in der Augustastraße steht eine der letzten Windmühlen Duisburgs: Die Lohmannsmühle - auch Baerler Windmühle genannt - wurde 1805 auf der höchsten Erhebung Baerls als einzige aus Stein gemauerte Achtkantmühle am Niederrhein in nur 3 1/2 Monaten erbaut. 1918 erlitt sie schwere Schäden bei einem Sturm, der die Flügel zerstörte. Erst 1957 erfolgten erste Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen. 1963 erhielt die Mühle neue Flügel. Eine gründliche Restaurierung des Gebäudes fand 1974 statt bevor sie im Dezember 2000 von spielenden Kindern in Brand gesetzt wurde. Nach erfolgter Restaurierung hat Baerl sein Schmuckstück und Wahrzeichen wieder.