Eisenbahnausbesserungswerk Schwerte und Kreinberg-Siedlung

Eisenbahnausbesserungswerk Schwerte. Foto: RIK / R. Budde
Eisenbahnausbesserungswerk Schwerte. Foto: RIK / R. Budde

Die Stadt Schwerte, die erst mit Verspätung (1867) Anschluss an das Eisenbahnnetz erhielt, wurde nach 1870 Eisenbahnknotenpunkt. Von hier gab es direkte Verbindungen nach Hagen, Unna und Arnsberg, später auch nach Dortmund und Iserlohn. Mit der Eisenbahn kam die Industrie nach Schwerte, eisen- und metallverarbeitende Betriebe siedelten sich in der Stadt an. Das gestiegene Verkehrsaufkommen vor dem Ersten Weltkrieg beanspruchte das "rollende Material" von Waggons und Lokomotiven so stark, dass die preußische Staatseisenbahn auch das Netz ihrer Ausbesserungswerkstätten ausbauen musste. Für die dringend benötigte Lokomotivwerkstätte wurde mit Schwerte Ost ein Standort im östlichen Teil des damaligen Direktionsbezirks Elberfeld vorgesehen. Mit dem Bau wurde 1914 begonnen, wegen des ersten Weltkrieges konnten die Arbeiten jedoch erst 1922 abgeschlossen werden. Neben den Betriebsanlagen, deren Kernstück zwei große Hallen für die Lokomotiv- und Kesselausbesserung waren, wurden sanitäre und medizinische Einrichtungen für die Belegschaft gebaut.

Für einen großen Teil der Belegschaft von über 1600 Personen entstand in mehreren Bauabschnitten zwischen 1920 und 1935 die Kreinberg-Siedlung nordwestlich des Werksgeländes. Nach Plänen des Reichsbahn-Oberrates Behnes entstand eine vom Gartenstadtgedanken inspirierte Bauform, welche die Bedürfnisse der Bewohner durch große Hausgärten und verkehrsarme Straßen berücksichtigte. Mehrere dieser Straßen erhielten Namen von Männern, die mit dem Lokomotivbau in besonderer Beziehung standen wie Wittfeld, Von Borries und Garbe. Die Siedlung, die seit 2001 unter Denkmalschutz steht, kann heute als herausragendes Beispiel des Eisenbahnwohnungsbaus gelten.

Während des Zweiten Weltkrieges arbeiteten neben Frauen aus der einheimischen Bevölkerung auch Zwangarbeiter und Kriegsgefangene im Ausbesserungswerk. Da der Bedarf an Facharbeitern auf diesem Wege aber nicht gedeckt werden konnte, wurde 1944 ein Außenlager des KZ Buchenwald auf dem Werksgelände errichtet, das im September 1944 über 700 Häftlinge zählte. Daran erinnert heute eine Gedenkstätte auf dem Gelände einer ehemaligen  Baracke im Osten des Werkes.

Bis in die 1960er Jahre blieb Schwerte eines der bedeutendsten Ausbesserungswerke der Deutschen Bundesbahn. Als 1967 die Dampflokomotivausbesserung endete, hatte das Werk in 45 Jahren über 43.000 Lokomotiven instand gesetzt. Bis 1986 wurde der Betrieb in stark eingeschränktem Umfang, vor allem mit der Wartung von Tiefladewagen und der Anfertigung und Umarbeitung von Fahrzeugteilen, fortgeführt. Heute wird der größte Teil der größenteils erhaltenen Gebäude und des Geländes gewerblich sowie von städtischen Einrichtungen genutzt.

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Kontakt & Infos

Eisenbahnausbesserungswerk Schwerte
Hasencleverweg
58239 Schwerte
Kreinberg-Siedlung
Osterberger Straße
56239 Schwerte

ÖPNV

Von Schwerte (Ruhr), Bf. mit Bus R50 oder 131 bis "Gotenstraße", dann ca. 10 Minuten Fußweg

Kreinberg-Siedlung: Von Schwerte (Ruhr) Bf. mit Bus C31 bis "Von-Borries-Weg" 

Tipp

Das heutige Empfangsgebäude des Bahnhofs Schwerte wurde am 1.4.1905 eingeweiht und ersetzte einen früheren Bau aus der Anfangszeit der Eisenbahn, die in Schwerte 1867 begann. Es wird durch den Mittelrisaliten und den Treppenturm auf der linken sowie das Eingangstor auf der rechten Seite gegliedert. Ein flacher Zwischenbau verbindet das Empfangsgebäude mit der ehemaligen Güterabfertigung mit Verwaltung, deren dreigeschossiger Eckbau mit Uhrenturm die Anlage begrenzt.