Eisenbahnausbesserungswerk Speldorf / Alte Dreherei

Eisenbahnausbesserungswerk Speldorf. Foto: RIK / R. Budde
Eisenbahnausbesserungswerk Speldorf. Foto: RIK / R. Budde

Auf der großen Fläche zwischen der Landstraße Mülheim-Broich-Duisburg und der Bahnlinie Speldorf-Eppinghofen errichtete die Rheinische Eisenbahngesellschaft ab 1874 eine Werkstätte für Lokomotiven und Güterwagen. Bis zu diesem Zeitpunkt unterhielt sie lediglich eine Hauptwerkstätte in Köln-Nippes. Der Weg von der Ruhr dorthin erwies sich aber als zu weit, so dass sich die Gesellschaft, die damals ein Netz von 1.014 km Streckenlänge mit 453 Lokomotiven, 734 Personen- und 11.745 Güterwagen unterhielt, entschloss, in Ruhrnähe eine weitere Werkstätte einzurichten. Da das Gelände nicht eben war, musste Erdreich abgetragen werden. Das hierbei gewonnene Material wurde nutzbringend für den Bau der Bahndämme an der Duisburg-Hochfelder Eisenbahnbrücke über den Rhein verwendet.

Den Namen Speldorf erhielt die Werkstätte durch die Anbindung zu diesem Bahnhof, obwohl sie vollständig auf Broicher Gebiet lag. Nach der Verstaatlichung der Rheinischen Eisenbahngesellschaft (1880) wurden die Speldorfer Anlagen, nun als Hauptwerkstatt bezeichnet, mehrfach erweitert. 1884 fügte man eine Kesselschmiede, eine Schreinerei und kleinere Anlagen hinzu. Dennoch erwies sich das Gelände in den kommenden Jahren als zu klein dimensioniert, so dass die Güterwagenausbesserung ab 1914 in das damals neu errichtete Ausbesserungswerk Wedau verlegt wurde, während sich Speldorf auf die Dampflokausbesserung spezialisierte. Das frei gewordene Gelände wurde zum Bau einer Kesselschmiede und einer Lokrichthalle genutzt. Mit dem 1918 fertig gestellten Bau dieser Halle nach amerikanischem Vorbild in Stahlbindertechnik mit zwei Parallelschiffen und einem zweigeschossigen dritten Schiff für Zubringerwerkstätten wurde technisches Neuland beschritten. Von den alten Anlagen wurden die Lokrichthalle aus dem Jahre 1874, die mehrmals erweitert bzw. aufgestockt worden war, die Schmiede und die Dreherei (s.u.) weiter genutzt. Das ehemalige Ausbesserungswerk bildet mit der zeitlich gestaffelten Abfolge seiner Großbauten  eintechnikgeschichtlich überregional bedeutendes Dokument des Industriehallenbaus. Mit Ende der Dampflokära wurde das AW Speldorf von der Bundesbahn am 31. März 1959 geschlossen.

1962 übernahm die Stadt Mülheim das Areal, um in den seit 1991 denkmalgeschützten Hallen einen neuen zentralen Betriebshof für ihre Straßenbahnen und Autobusse einzurichten und frühere beengte Standorte aufgeben zu können.

Die 1874 erbaute Dreherei verkörpert mit ihrer aus hölzernen Bindern bestehenden Stütz- und Dachkonstruktion, die auf gusseisernen Stützen ruht, eine architektonische Besonderheit. Sie wird seit 2008 zum "Haus der Vereine in der Alten Dreherei" ausgebaut. Die Planung sieht neben Räumen für Tagungen  und  Wechselausstellungen eine Dauerausstellung mit betriebsbereiten historischen Straßenbahnen und Nutzfahrzeugen vor. Außerdem wird ein Modell der Stadt Mülheim und der unteren Ruhrtalbahn präsentiert werden. 

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Kontakt & Infos

Mülheimer Verkehrs Gesellschaft (MVG)
Duisburger Straße 78
45479 Mülheim an der Ruhr
Telefon: +49 (0) 208 / 451-0
Trägerverein Haus der Vereine
in der Alten Dreherei e.V.
c/o Martin Menke

ÖPNV

Von Mülheim (Ruhr) Hbf (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 901 bis "Königstraße" oder mit Bus 122, 124, 131 oder 135 bis "Rosendahl"