Hauptbahnhof Gelsenkirchen

Foto: RIK / R. Budde
Foto: RIK / R. Budde

Das Eisenbahnzeitalter begann in Gelsenkirchen am 15. Mai 1847, als die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft ihren Bahnhof am Standort des heutigen Hauptbahnhofs eröffnete. Damals hatte Gelsenkirchen gerade einmal 600 Einwohner und gehörte zum Amt Wattenscheid. 1872 erreichte auch die Rheinische Eisenbahn Gelsenkirchen mit einer Stichstrecke von Essen-Kray aus. Der Hauptbahnhof wurde seither zwei Mal grundlegend neu gebaut. Wegen des zunehmenden Güterverkehrs und der Siedlungsentwicklung der Stadt mussten die Bahnanlagen nach der Jahrhundertwende umgestaltet werden.

Zur Eröffnung des neuen Bahnhofsgebäudes am 28. September 1904 erklärte der Präsident der Direktion Essen „Es war der schwierigste Bahnbau, den die königliche Eisenbahndirektion je ausgeführt hat“. Architektonische Merkmale des Gebäudes waren die seitlichen Zwerchgiebel mit den Bogenfenstern, die die Bahnhofshalle im hinteren Teil gut ausleuchten sollten. Der zur Seite gestellte Turm war ein Zugeständnis an den Baustil der Neorenaissance. Am Hauptgiebel zeigten sich über dem großen Bogenfenster Anklänge an den Jugendstil. Zusammen mit dem heute noch bestehenden ehemaligen Postamt und den benachbarten Wohngebäuden der Gründerzeit soll das Bahnhofsgebäude in Form und Anlage einmalig gewesen sein. Es war die Zierde der Stadt und wurde auf zahllosen Ansichtskartenmotiven verewigt. 1907 erhielt der Bahnhof Gelsenkirchen die Bezeichnung „Hauptbahnhof“

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Großstadt Gelsenkirchen durch schwere Luftangriffe getroffen, doch der Bahnhof kam mit nur geringen Schäden davon. Die 1950er und 1960er Jahre waren durch bescheidene Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen der Bundesbahn geprägt. 1961 wurde der elektrische Zugbetrieb zwischen Oberhausen und Dortmund aufgenommen, 1962 folgte die Strecke von Essen nach Gelsenkirchen. Hochwertiger Fernverkehr fand und findet nur sporadisch im Gelsenkirchener Hauptbahnhof statt.

In den 1970er Jahren wurden im Zuge des Stadtbahnbaus und der umfassenden Erneuerung der Gelsenkircher Innenstadt die Bahnanlagen vollständig umgestaltet. Bereits 1974 hatte die Bundesbahn die bestehenden Bahnsteige abgebrochen und drei neue gebaut. Danach wurde das Empfangsgebäude beseitigt. Der Neubau, bei dem die Schalterhalle unter die Gleise gelegt und mit der darunter Verlaufenden U-Straßenbahn verbunden ist, wurde 1982/83 errichtet. Vom alten Bahnhof von 1904 konnten am Südausgang einzelne Teile der Fassade als Wandschmuck eingebaut werden. Das 1949 vom Gelsenkirchener Künstler Franz Marten geschaffene große Glasfenster "Die fünf Säulen der Wirtschaft" wurde nach dem Abriss des alten Bahnhofs an der Fassade eines benachbarten Kaufhauses (heute backwerk) angebracht. Gleichzeitig mit dem neuen Hauptbahnhof wurde auch das Bahnhofcenter in unmittelbarer Nachbarschaft errichtet. Die erhoffte Attraktivitätssteigerung durch die Umgestaltung hat sich in der Folgezeit weitgehend in ihr Gegenteil verkehrt. Die gravierenden Planungsfehler der 1970er und 80er Jahre konnten beim erneuten Umbau, der im Vorfeld der Fußball-WM 2006 erfolgte, nur zum Teil behoben werden. Der Bahnhof erhielt dabei vor allem eine großzügiger gestaltete Hauptpassage und ein besseres Lichtkonzept.

Der Gelsenkirchener Hauptbahnhof nimmt heute unter den Bahnhöfen des Ruhrgebiets eine mittlere Position ein. Täglich bedienen rund 20 Fernverkehrszüge, 170 Regionalverkehrszüge und 80 S-Bahnzüge den Bahnhof.

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Kontakt & Infos

Hauptbahnhof Gelsenkirchen
Bahnhofsvorplatz 10
45879 Gelsenkirchen

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Gelsenkirchen Hbf