Hauptbahnhof Hagen

Hauptbahnhof Hagen. Foto: RIK / R. Budde
Hauptbahnhof Hagen. Foto: RIK / R. Budde

Mit dem Bau der Stammstrecke der Bergisch-Märkischen Eisenbahn von Elberfeld nach Dortmund erhielt 1848/49 auch Hagen Anschluss an das sich rasch ausbreitende Eisenbahnnetz. Die Eisenbahn gab den entscheidenden Anstoß, dass sich die Stadt mit damals 5.200 Einwohnern rasch zur Industriestadt entwickelte. Für die ansässige Hütten- und Metallindustrie stand nun ein schnelles, zuverlässiges und kostengünstiges Transportmittel zur Verfügung, das die Ausdehnung des Absatzgebietes wesentlich erleichterte. Auf der Grundlage seiner Eisen verarbeitenden Industrie konnte Hagen in Deutschland bis um 1860 eine führende Stellung bei der Lieferung von Eisenbahnmaterial behaupten. Nach der Eröffnung der Ruhr-Sieg-Strecke nach Siegen über Altena im Jahre 1861 gewann die Stadt zudem Bedeutung als Eisenbahnknotenpunkt.

Die erste Bahnhofsanlage von eher bescheidenem Ausmaß genügte schon bald nicht mehr den gestiegenen Bedürfnissen Neben einem umfangreichen Ausbau der Güterverkehrsanlagen in den 1860er und 70er Jahren entstand daher 1875 auch ein neues Empangsgebäude für den Personenverkehr. Wenige Jahre später erforderte das Wachstum von Industrie und Handel erneut eine Erweiterung der Bahnhofsanlagen. Am 14. September 1910 wurde als drittes Empfangsgebäude der heute noch bestehende Bau eingeweiht. Mittlerweile liefen elf Bahnstrecken in Hagen zusammen. Der neue Hauptbahnhof umfasste fünf Bahnsteige mit 16 Gleisen. Die große Zahl der Bahnsteiggleise wurde möglich durch die Sonderform eines "Trennungsbahnhofs in Staffelbauweise" mit Weichen und Überholgleisen an den beiden Hauptbahnsteigen in der Halle. 

Hauptbahnhof Hagen. Historische Ansicht um 1930. DGEG-Archiv
Hauptbahnhof Hagen. Historische Ansicht um 1930. DGEG-Archiv

Für das Empfangsgebäude wählte Regierungsbaumeister Morin eine neobarocke Formgebung. Der Bau ist in Ziegelstein errichtet und zum Teil mit Sandstein verkleidet. Karl Ernst Osthaus, der sich vergeblich für ein Gebäude im "Neuen Stil" eingesetzt hatte, konnte erreichen, dass 1911 im Hauptfenster über dem Eingang ein Glasgemälde von Jan Thorn-Prikker (1868-1932) eingesetzt wurde. Sein Titel "Der Künstler als Lehrer für Handel und Gewerbe" unterstreicht den umfassenden künstlerischen Anspruch des Kreises um Osthaus. In der 50 m x 15 m großen Empfangshalle mit einer Höhe von 12 m befanden sich Fahrkartenschalter, Diensträume und ein Buchhändlerstand. Entsprechend der auch auf Reisen herrschenden Klassengesellschaft gab es einen prunkvoll eingerichteten Wartesaal für die beiden ersten sowie einen schlichten Saal für die dritte und vierte Klasse. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Empfangsgebäude beschädigt, der aufwendige Wartesaal zerstört. Während der Innenbereich modernisiert wurde, ist das Empfangsgebäude außen weitgehend unverändert geblieben. Das Original der durch eine Kopie ersetzten Turmbekrönung aus Kupfer kann heute im Westfälischen Freilichtmuseum Hagen in Augenhöhe bewundert werden.

Erhalten blieb auch die zweischiffige Bahnsteighalle aus dem Jahre 1910. Ihre elegante, von Stephany entworfene, nur 1400 t schwere Stahlkonstruktion lieferte die A.G. für Verzinkerei und Eisenkonstruktion vorm. Jacob Hilgers in Neuwied. Sie wurde in den 1990er Jahren denkmalgerecht restauriert und ist ein bedeutendes Beispiel für die seit dem späten 19. Jh. entwickelte Hallenkonstruktion in Stahlbauweise. Im Ruhrgebiet ist sie die einzige erhaltene "klassische" Bahnsteighalle und eine der wenigen ihrer Art in Deutschland. 

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Kontakt & Infos

Hauptbahnhof Hagen
Am Hauptbahnhof 16
58089 Hagen

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Hagen Hbf