"Hundebrücke" und "Deilthaler Eisenbahn"

"Hundebrücke". Foto: RIK / R. Budde
"Hundebrücke". Foto: RIK / R. Budde

Die 1880 von dem Steinbruchbetreiber Hermann Baumotte errichtete Brücke befindet sich südlich von Essen-Kupferdreh und überquert die heutige Eisenbahnstrecke Essen-Wuppertal sowie den Deilbach. Der Name erinnert an Loren ("Hunde" oder "Hunte"), die über diese Brücke von Voßnacker Steinbrüchen zur "Prinz-Wilhelm-Bahn" geschoben wurden, wo die Steine auf die Bahn verladen wurden.

Bereits 1828 wurde für die Bahn im Deilbachtal eine Eisenbahnaktiengesellschaft auf Harkorts Veranlassung gegründet. Wären die Eigentümer der "Deilthaler Eisenbahn" etwas mutiger gewesen, hätte die erste richtige Eisenbahn Deutschlands durchs Ruhrgebiet gedampft. Aber das erschien ihnen denn doch zu gewagt, und so wurde die 1830/31 eröffnete schmalspurige Bahn von Kupferdreh nach Nierenhof nicht als vollspurige Bahn mit Lokomotivbetrieb sondern als Pferdebahn gebaut. Damit vertrauten sie einer damals im Ruhrgebiet zahlreich bewährten Lösung. 1831 erhielt das Unternehmen anlässlich eines Besuchs des Prinzen Wilhelm, eines Bruders des regierenden Königs Friedrich-Wilhelm III., den Namen "Prinz-Wilhelm-Bahn".

1840 gab es erste Pläne für eine Verlängerung der Strecke von Steele bis Vohwinkel. Eine neue Aktiengesellschaft erhielt dafür 1844 vom preußischen Staat eine Konzession, kaufte die Pferdebahn und mit ihr deren Namen. 1847 konnte der Betrieb auf der gesamten Strecke von 33,7 km aufgenommen werden. 1848 folgten normalspurige Anschlusslinien zu den Zechen.

Hauptaufgabe dieser zunächst reinen Güterbahn war der Transport der Kohlen von der Ruhr in das Industrierevier im Bergischen Raum. Mit der rasch wachsenden industriellen Produktionskraft gegen Mitte des Jahrhunderts im eigentlichen Ruhrgebiet verlor diese Verbindung schnell an Bedeutung: Das Ruhrgebiet produzierte nun selber industrielle Güter und war nicht mehr nur die Quelle der Kohlen. Deshalb war die Prinz-Wilhelm-Bahn wirtschaftlich zunächst nicht erfolgreich. Erst die Einbindung in das Netz der Bergisch-Märkischen Eisenbahn, 1862, ließ die Bahn florieren. Seither verkehren auch Personenzüge zwischen Essen und Wuppertal, seit Ende 2003 als S-Bahn. Die kleine Brücke im Deilbachtal gewinnt vor dem Hintergrund dieser Geschichte eine ganz andere Bedeutung. Heute kann sie nur noch von Fußgängern begangen werden.

Ein Spaziergang rund um die Brücke lohnt sich, denn hier begegnet man dem Geist der Frühindustrialisierung. Das Essener Deilbachtal, ein Seitental der Ruhr, wurde schon früh, d.h. im 16. Jahrhundert, gewerblich genutzt. Eisen- und Kupferverarbeitung und der Abbau von Kohle standen dabei im Vordergrund. 

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Kontakt & Infos

"Hundebrücke" und "Deilthaler Eisenbahn"
Nierenhofer Straße/ Voßnacker Weg
45257 Essen-Kupferdreh

ÖPNV

Von Essen-Kupferdreh S-Bf mit Bus 177 bis "Dattenberg"