Henrichshütte Hattingen

Henrichshütte Hattingen. Foto: RIK / Guntram Walter
Henrichshütte Hattingen. Foto: RIK / Guntram Walter

Die Geschichte eines der traditionsreichsten Hüttenwerke des Ruhrgebiets begann, als sich Graf Henrich zu Stollberg-Wernigerode entschloss, zur Entlastung seiner Eisenwerke in Magdeburg und Ilsenburg ein Hüttenwerk in Hattingen-Welper zu bauen. Der erste Abstich war am 20. Juli 1855. Die Voraussetzungen für den Standort Hattingen waren ideal. Es gab die Ruhr als Transportstraße, einen leistungsfähigen Steinkohlebergbau, der verkokbare Kohle förderte und es gab Eisenkohlefelder, alles in der unmittelbaren Umgebung. Hier wurden Erz und Kohlen gefördert, Koks, Eisen und Stahl produziert - gegossen, geschmiedet, gewalzt und bearbeitet - alles "unter einem Dach". Über 10.000 Menschen fanden zeitweise auf der Hütte Arbeit. Um das Werk wuchs ein neuer Stadtteil aus Arbeiterkolonien.

Das damals stetig wachsende Eisenbahnnetz bescherte dem Betrieb einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Zum einen durch den Ausbau der Ruhrtalbahn von Dahlhausen bis zur Henrichshütte, die am 15. Dezember 1869 in Betrieb ging, aber auch, weil die Henrichshütte damals hauptsächlich Eisenbahnschienen herstellte.

Als die Schienenproduktion in den 1870er Jahren nach Dortmund verlegt wurde, fiel die Henrichshütte von einer Krise in die nächste. Erst nach der Jahrhundertwende ging es wieder aufwärts. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage fast völlig zerstört und erst 1949 begann der Wiederaufbau. Im Laufe ihrer 132-jährigen Geschichte wechselte die Henrichshütte mehrmals den Besitzer. Letzter Eigentümer war die Firma Thyssen. Gegen den erbitterten Widerstand der Belegschaft und der ganzen Stadt wurden 1987 die Hochöfen ausgeblasen, die Stilllegung weiterer Betriebe folgte.

Seit 1989 baut der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Hochofenwerk zu einem der acht Standorte seines Industriemuseums aus. Hochofenbüro, Übergabestation, Lokomotivschuppen und Probenaufbereitung wurden restauriert. Der östliche Teil der großen Gebläsehalle wurde zur Veranstaltungs- und Ausstellungshalle ausgebaut, im westlichen Teil ist das Museum der Eisen- und Stahlindustrie mit wichtigen Großexponaten im Aufbau.
Das größte Ausstellungsstück ist der Hochofen 3 von 1938, zu dem auch die Erz- und Koksbunker sowie Transportbänder gehören. Besucher können – dem Weg des Materials folgend – die Arbeitsplätze im Hochofenbereich erkunden. Die Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen werden noch einige Jahre in Anspruch nehmen. In der ehemaligen Stopfmassenfabrik wurde ein Lokschuppen mit Reparatur-Werkstatt eingerichtet. Das Gleissystems ist schon soweit instand gesetzt, dass die die Museums- "Werksbahn" regelmäßig an Sonntagen verkehren kann. Neben zahlreichen Spezialgüterwagen der Montanindustrie sind auch mehrere Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven ausgestellt.

Die Schaugießerei des Fördervereins ist eine im Ruhrgebiet einmalige Attraktion. (April bis Oktober jeden 2. Sonntag im Monat von 13–15 Uhr geöffnet – Sondertermine können unter Fon 0 23 24 | 6 05 93 vereinbart werden.

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Kontakt & Infos

LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen
Werksstraße 31-33
45527 Hattingen
Telefon: +49 (0) 2324 / 92 47 14-0

ÖPNV

Von Hattingen Mitte/BO HBF Bus SB 37 oder CE 31 bis „Henrichshütte“, dann ca. 5 Minuten Fußweg. Von Hattingen-Mitte auch mit Bus 335 bis zur Haltestelle „Industriemuseum“

Öffnungszeiten

Di-So sowie feiertags 10-18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr

GASTRONOMIE

Restaurant „Henrichs“
Telefon: +49 (0)2324 / 68 59 63
www.henrichs-restaurant.de