Werksbahn Thyssen

Eisenbahn und Häfen. Foto: RIK / R. Budde
Eisenbahn und Häfen. Foto: RIK / R. Budde

Die Werksbahn, lange Zeit unter "Eisenbahn und Häfen (EH)" firmierend, gehört seit 2011 zum Bereich Logistik der ThyssenKrupp Steel Europe (TKSE). Die Wurzeln der Bahn reichen zurück bis in das Jahr 1878, als in Hamborn zum Abtransport der Kohlen der Schachtanlage Deutscher Kaiser (GDK) zum Bahnhof Neumühl eine zwei Kilometer lange Anschlussbahn gebaut wurde. Mit dem Abteufen weiterer Schächte sowie dem Bau des Hüttenwerkes in Bruckhausen war ein starker Anstieg des Werksbahnverkehrs verbunden. Die Übernahme der 1867 als Gewerkschaft Hamborn gegründeten GDK durch August Thyssen und der gleichzeitige Ausbau zum Hüttenwerk im Jahre 1891 gilt als Gründungsdatum des späteren Thyssen-Konzerns. Das Hochofenwerk in Meiderich - der heutige Landschaftspark Duisburg-Nord - im Jahr 1901 brachte dem Bahnbetrieb weiteren erheblichen Transportmengenzuwachs. Nach Gründung des Mammutunternehmens Vereinigte Stahlwerke AG 1926 gehörten in Duisburg mehrere Hüttenwerke zur Hüttengruppe West dieses Unternehmens. Die Werksbahnen und Hafenanlagen dieser Industrien wurden seinerzeit zu einer Betriebsabteilung zusammengefasst.

In der Nachkriegszeit zerfiel der Großkonzern infolge Entflechtung und Demontage. Davon betroffen war auch die EH, deren erste Gesellschafter 1949 die GBAG und die Hüttenwerke Ruhrort-Meiderich waren. Erst 1953 trat Thyssen in den Gemeinschaftsbetrieb ein; nach der Übernahme der HOAG kam es 1969 zu einer weiteren Neuordnung, bis 2005 mit Einbeziehung der RAG. 

Das riesige TKSE-Areal mit den zusammenhängenden Standorten der Hochofenbetriebe Schwelgern und Hamborn, der Stahlwerke Bruckhausen und Beeckerwerth sowie den Häfen Schwelgern und Walsum Süd am Rhein wird von einem dichten Gleisnetz von nahezu 500 km Länge durchzogen. In Schwelgern werden für den flüssigen Roheisentransport ausschließlich Torpodopfannenwagen genutzt, die teilweise bis zu einem Gesamtgewicht von 600 Tonnen mit Roheisen beladen werden. Aufgrund ihrer hohen Achslast können sie beladen nur im internen Gleisnetz von TKSE verkehren, das für solche Belastungen ausgelegt ist.

Bis zur endgültigen Ablösung durch reinen Dieselbetrieb im Jahre 2005 war der Betrieb durch ursprünglich 62 Zweikraftlokomotiven charakterisiert, die von 1955 bis 1971 beschafft wurden. Unter Fahrdraht wurden diese Fahrzeuge durch die Leitung mit Strom versorgt, ohne Fahrdraht (z.B. unter den Hochöfen) übernahm ein Dieselmotor die Energieversorgung der Fahrmotoren. Zuvor existierten auch noch Loks, die ihre Energie für fahrdrahtlose Strecken in Akkus zwischenspeicherten. Eine dieser Zweikraftloks (EH 159) steht zusammen mit einem Torpedopfannenwagen am Museumsbahnsteig im Oberhausener Hauptbahnhof, weitere sind bei verschiedenen Museen erhalten. Heute besitzt der Betrieb rund 2000 Wagen und etwa 90 Lokomotiven, davon 30 Streckenloks, die auch im Güterverkehr auf Gleisen der Deutschen Bahn im Ruhrgebiet unterwegs sind.

Erstaunlich ist die Beförderungsleistung der Werksbahn: Der Gütertransport auf dem Gleisnetz liegt jährlich bei 65 Mio. Tonnen und erreicht damit rund ein Viertel der Gütermenge, die von der Deutschen Bahn AG in Deutschland transportiert wird. 

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Kontakt & Infos

ThyssenKrupp Steel Europe AG (TKSE)
Logistics Services
Franz-Lenze-Straße 15
47166 Duisburg-Bruckhausen
Tipp:
Der rege Werksbahnbetrieb (auch am Wochenende!) kann am besten von den beiden Straßenbrücken Kaiser-Wilhelm-Straße und Alsumer Straße beobachtet werden.

ÖPNV

Von Duisburg Hbf (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 901 bis "Thyssen Verwaltung"