Weichenwerk Witten

Weichenwerk Witten. Foto: RIK / R. Budde
Weichenwerk Witten. Foto: RIK / R. Budde

Große Bedeutung für die Entwicklung Wittens als wichtigem Eisenbahnstandort hatte die Einrichtung der "Central-Werkstätte" der Bergisch-Märkischen Eisen- bahn. Nach beträchtlicher Erweiterung ihres Netzes im Ruhrgebiet und durch die Ruhr-Sieg-Strecke von Hagen nach Siegen benötigte die BME eine zentral gelegene Haupt- werkstätte. Diese konnte am 5.6.1863 mit einem feierlichen Akt  ihren Betrieb aufnehmen. Architekt dieser Anlage war der später als Kirchenbaumeister in Berlin zu hohem Ansehen gelangte August Orth (1828 - 1901). Von dieser ersten Anlage war bis zu seinem Abriss im September 2014 lediglich das ehemalige "Centralmagazin" erhalten geblieben.

Die Bevölkerung Wittens stieg durch die Ansiedlung der Eisenbahn-Einrichtung und dem damit verbundenen Zuzug von Arbeitern mit ihren Familien beträchtlich an. 1861, vor der Inbetriebnahme zählte die Stadt 7.931 Einwohner und danach im Jahre 1864 10.536. Als die Wittener Werkstatt eingerichtet wurde, verfügte die Bergisch-Märkische Eisenbahn über 355 km Streckenlänge, 157 Lokomotiven, 187 Personenwagen und 5.074 Gepäck- und Güterwagen. Der Verkehr wickelte sich an 83 Bahnhöfen ab. 1870 hatte sich die Gleislänge auf 862 km erweitert, der Bestand an Lokomotiven auf 417, an Personenwagen auf 476 und der Güterwagen auf 12.329 erhöht. 1882 besaß die Bergisch-Märkische Eisenbahn mit 21.800 Waggons den größten Wagenpark aller deutschen Eisenbahnen. 9.000 Wagen wurden monatlich in der Wittener Werkstatt kontrolliert und repariert. Das Betriebsgelände wurde auf 18 ha Land mit 16,5 km Gleisanlagen erweitert.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den 1920er Jahren hinterließen auch im "Reichsbahn-Hauptwerk Witten", wie es nun hieß, ihre Spuren. Nachdem die Lokomotiv- und Wagenausbesserung zwischen 1925 und 1928 an leistungsfähigere neue Werke abgegeben werden mussten, entwickelte sich nun eine frühere Nebenfertigung zum Haupt-Betätigungsfeld des Werkes: die Weichenfertigung. Als Ersatz der für den Weichenbau ungeeigneten ehemaligen Lokreparaturhallen wurde zwischen 1937 und 1942 die heute noch bestehende Weichenrichthalle mit einer Länge von 266 m und einer größten Breite von 121 m errrichtet.

In der Zeit der Deutschen Bundesbahn festigte des Ausbesserungswerk seine Position als (seit 1965) einziges Weichenspezialwerk. Bedeutende Entwicklungen wie Schnellfahrweichen und bewegliche Herzstücke nahmen hier ihren Ausgang. Bis Mitte der 1980er Jahre lag die Belegschaftszahl bei über 1.000 Personen. Mit dem Übergang der Deutschen Bundesbahn in die Deutsche Bahn AG am 1.1.1994 bekam das Werk offiziell die Bezeichnung "Weichenwerk", später "Werk Oberbaustoffe". Heute sind am Standort etwa 350 Mitarbeiter beschäftigt, die rund 1250 Weichen jährlich herstellen. Dies sind rund 60 % aller Weichen, die DB Netz jährlich benötigt. 

zurück 44/75 vor

Kontakt & Infos

DB Netz AG
Werk Oberbaustoffe
Kronenstraße 25
58452 Witten

ÖPNV

Von Witten Hbf mit Bus 375 bis "Jahnstraße" 

Tipp

Radweg „Rheinischer Esel“
Ehem. Bf. Witten Ost
Pferdebachstraße/Westfalenstraße
Geo-Koordinaten: 51°26' 39.034'' N, 7°20'41.338'' O

1877 wurde der Rheinischen Eisenbahn die Konzession für die 13 Kilometer lange Strecke Langendreer-Witten-Löttringhausen erteilt, mit der eine Verbindung zwischen der Ruhrgebietsbahn der RHE und der Strecke Düsseldorf-Hagen-Dortmund hergestellt werden sollte. Da die Rheinische Eisenbahn bereits 1880 verstaatlicht worden war, wurde die Strecke bereits unter der Regie der preußischen Staatsbahn dem Betrieb übergeben. Trotz dieses Umstandes hat sich für die Strecke der Begriff „Rheinischer Esel“ bis heute gehalten und wurde beim Bau des Radweges auf der ab 1979 abschnittweise stillgelegten Strecke namensgebend aufgegriffen. Nachdem der östliche Abschnitt bereits in den 1980er Jahren zu einem Radweg umgebaut worden war, wurde der nördliche Abschnitt vom ehemaligen Bahnhof Witten Ost bis Bochum-Langendreer erst 2012 für Radler freigegeben. Einige Relikte aus der Eisenbahnzeit sind am „Rheinischen Esel“ erhalten geblieben. Insbesondere der große Viadukt über die Bergisch-Märkische Eisenbahn (heute S-Bahnstrecke Witten-Dortmund) darf als Highlight dieses Radwegs bezeichnet werden.