Bundesknappschaft

Bundesknappschaft. Foto: RIK / Guntram Walter
Bundesknappschaft

2010 feierte die Knappschaft ein seltenes Jubiläum. 750 Jahre zuvor war in Goslar eine Bergbruderschaft gegründet worden, die erstmals den Grundgedanken einer gegenseitigen Fürsorge der Bergleute vertrat und damit als Ursprung des Sozialversicherungswesens in Deutschland aufgefasst werden kann. Der Begriff „Knappschaft“ entstand rund 200 Jahre später im sächsischen Silberbergbau, bevor er im ausgehenden 15. Jahrhundert gebräuchlich für die Belegschaft eines Bergbaureviers wurde. Mit der Entwicklung des Steinkohlenbergbaus an der Ruhr entstanden auch hier seit dem 18. Jahrhundert erste Knappschaftsvereine.

1854 wurde im Rahmen der wirtschaftlichen Liberalisierung des Bergbaus in Preußen die Mitgliedschaft in einer Knappschaft gesetzlich verpflichtend. Ende des 19. Jahrhunderts bestanden im Deutschen Reich rund 160 Knappschaftsvereine. Die Gründung des Allgemeinen Deutschen Knappschaftsverbandes trug 1882 dazu bei, dass die Knappschaftsvereine bei der Einrichtung der Sozialversicherung des Deutschen Reiches in den 1880er Jahren ihre Selbständigkeit und Eigenarten behalten konnten. Dennoch brachte erst das Reichsknappschaftsgesetz in den 1920er Jahren den endgültigen Zusammenschluss aller Vereine zur Reichsknappschaft als Träger der bergbaulichen Kranken- und Rentenversicherung.

In der Bundesrepublik ging die Einheit der knappschaftlichen Versicherung zunächst verloren, und es entstand 1949 auf bezirklicher Ebene u.a. die Ruhrknappschaft. 1969 wurden die deutschen Bezirksknappschaften zur Bundesknappschaft mit Sitz in Bochum zusammengefasst. Mit der Organisationsreform der Rentenversicherung sind Bundesknappschaft, Bahnversicherungsanstalt und Seekasse seit Oktober 2005 zur Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS) verschmolzen. Die knappschaftliche Krankenversicherung wird im Verbundsystem unter dem Namen Knappschaft fortgeführt.

Zwischen 1908 und 1910 errichtete der Allgemeine Knappschafts-Verein in Bochum an der Pieperstraße ein monumentales neues Verwaltungsgebäude in barocker Opulenz. Die Hauptfront wurde um 18 m zurückgesetzt, um die Monumentalität des zu dieser Zeit mit Abstand größten Bochumer Gebäudes zur Geltung kommen und Raum für einen repräsentativen Vorplatz mit Brunnen und Auffahrt zu lassen. Besuchern, die von der Königsallee über die direkt auf den Haupteingang zuführende Christstraße kamen, eröffnete sich so nach und nach ein eindrucksvoller Blick.

Nach starken Kriegszerstörungen wurde das Knappschaftsgebäude stark vereinfacht wiederaufgebaut und 1952 in der heutigen Form eröffnet. Der Eingang wird von zwei Figuren des Bochumer Bildhauers Erich Schmidtbochum (1913-1999) eingerahmt, die Bergleute vor und nach der Schicht darstellen. Bereits 1926 entstanden der Erweiterungsbau an der Pieperstraße, der mit dem Hauptbau durch eine Brücke, „Beamtenlaufbahn“ genannt, verbunden ist, und direkt daneben eine Wohnhausgruppe mit Dienstwohnungen für leitende Angestellte und Läden.

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Kontakt & Infos

Hauptverwaltung Knappschaft-Bahn-See
Pieperstr. 14-28
44789 Bochum-Ehrenfeld
Telefon: +49 (0) 234 / 304-0

ÖPNV

Von Bochum Hbf (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 308, 318 bis "Schauspielhaus"