Zeche Gneisenau

Zeche Gneisenau. Foto: RIK/ R. Budde
Zeche Gneisenau. Foto: RIK/ R. Budde

Über 100 Jahre lang lebten die Menschen in Derne im Schatten des Bergwerks, des Kraftwerks und der Kokerei Gneisenau - und fanden hier Arbeit. Nach der schrittweisen Stilllegung von 1985 bis 1990 verfolgte man längere Zeit den Plan einer Umgestaltung zum Besucherbergwerk, musste diese Idee aber schließlich doch wieder fallen lassen. Die Tagesanlagen wurden weitestgehend abgebrochen; aber die beiden denkmalgeschützten Fördergerüste erinnern noch an Dernes Verbindung mit dem Bergbau.

Die Gewerkschaft Gneisenau nahm 1886 mit Schacht 1 die Förderung auf und begann gleichzeitig mit dem Abteufen von Schacht 2. Er erhielt einen so genannten Tomson-Bock, eine abgewandelte Form des englischen Bockgerüstes. Der Englische Bock ist eine Konstruktion aus Stützen zur vertikalen Lastabtragung und Streben in Richtung Fördermaschine zur Aufnahme der Horizontalkräfte. Kennzeichnendes Element des Tomson-Bocks sind die in den hochgezogenen Stützpfeilern gelagerten Seilscheiben. Der Tomson-Bock wurde geradezu ein Markenzeichen der Zechen der Harpener Bergbau-AG, die allein 26 Schächte damit ausstattete. Benannt war er nach Eugen Tomson, Werksdirektor auf Gneisenau von 1882 bis 1900. Der Tomson-Bock der Zeche Gneisenau ist der einzige, der im Ruhrgebiet erhalten ist und zugleich das vermutlich älteste Fördergerüst in dieser Region. 

Zeche Gneisenau. Foto: RIK/ Guntram Walter
Zeche Gneisenau. Foto: RIK/ Guntram Walter

Das 58 m hohe, weithin sichtbare und in seiner Konstruktion einmalige Doppelstrebengerüst über dem Schacht 4 wurde 1933/34 von der Firma Dortmunder Union Brückenbau in Stahlfachwerk errichtet. Wegen der beengten Platzverhältnisse auf dem Zechengelände mussten die beiden Maschinenhäuser sehr dicht an das Gerüst herangerückt werden, woraus sich die extrem steile, fast senkrechte Stellung der Streben ergibt. Über diesen Zentralförderschacht gelangte sowohl die Kohle von Gneisenau wie auch der Zeche Scharnhorst zu Tage, die 1930 zusammengelegt wurden. In den beiden Maschinenhäusern sind noch die 4.200-PS-Dampffördermaschinen erhalten. Gneisenau übernahm 1938 das Grubenfeld der stillgelegten Zeche Kurl; 1963 wurde die Zeche Victoria in Lünen angeschlossen. Vor der Stilllegung 1985 waren 11 Schächte in Betrieb. Das Denkmalensemble mit den beiden erhaltenen Fördergerüsten befindet sich in der Obhut der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. 

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Kontakt & Infos

Zeche Gneisenau
Altenderner Straße/ Derner Straße
44329 Dortmund-Derne
Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur
Emscherallee 11
44369 Dortmund
Telefon: +49 (0) 231 / 931122-0

ÖPNV

Vom Bahnhof "Dortmund-Derne" ca. 5 Minuten Fußweg 

Tipp

Zur Verbesserung der Wetterführung in der Zeche Preussen II, später Gneisenau, wurde der Luftschacht Rote Fuhr in Dortmund-Grevel 1929 als wuchtiges Stahlbeton-Gerüst errichtet. Die Gebäudehülle aus Ziegelstein sollte das Gerüst vor der Witterung schützen und harmonisch in die Landschaft einfügen. Ursprünglich befanden sich hier noch eine Maschinenhalle und die Harpenvilla im gleichen Baustil, die leider nicht erhalten geblieben sind. Der Turm wurde 1998 zu einem Schulungs- und Bildungszentrum mit dem thematischen Schwerpunkt "Ökologischer Garten- und Landschaftsbau" umgebaut.

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