Zeche Westerholt

Zeche Westerholt. Foto: RIK / R. Budde
Zeche Westerholt. Foto: RIK / R. Budde

Der preußische Staat brauchte große Mengen Kohle für die verstaatlichte Eisenbahn und auch für die kaiserliche Marine. Bis 1902 besaß er nur wenige Steinkohlenbergwerke in Revieren außerhalb des Ruhrgebiets. Aber er wollte unabhängig von den privaten Bergwerksbetreibern seine Unternehmungen auf eine sichere Kohlenversorgung stellen. Als die August Thyssen Gewerkschaft Deutscher Kaiser Liquiditätsprobleme hatte, griff der preußische Staat zu und erwarb mit dem Kauf des Grubenbesitzes der Tochterfirma Gewerkschaft Vereinigte Gladbeck einen umfangreichen Anteil an den Kohlenvorräten des Ruhrreviers. In Waltrop, Ahlen, Gelsenkirchen, Dorsten und Marl errichtete Preußen ab 1903 seine Bergwerke - "fiskalische Zechen" wurden sie spöttisch im Volksmund genannt. Eine von ihnen war die Zeche Westerholt.

1907 wurde die Doppelschachtanlage angelegt. Aus der Gründungszeit sind zahlreiche Gebäude erhalten, die zusammen mit jüngeren Bauten fast ein Jahrhundert Bergbauarchitektur widerspiegeln. Der preußische Staat setzte auf Repräsentation: Schmucke rote Backsteingebäude mit weiß abgesetzten Gesimsen und Laibungen, geschweifte Giebel, ebenfalls durch weiß abgesetzte Gesimse hervorgehoben, gruppieren sich um einen Cour d´honneur. Die klare Struktur der Gründungsanlage hat sich trotz aller Modernisierungen bis heute erhalten. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt Westerholt schwere Schäden. Das Fördergerüst über Schacht 2 war das einzige im Ruhrgebiet, das bei einem Bombenangriff zerstört wurde. In den 1950er Jahren erhielt die Zeche einen neuen Zentralförderschacht, der mit einem geschlossenen Förderturm überbaut wurde. 1998 vereinigte die RAG Westerholt mit dem Bergwerk Fürst Leopold in Dorsten zum Verbundbergwerk Lippe. Am 19. Dezember 2008 wurde die Zeche Westerholt als letzte Zeche in Gelsenkirchen mit der Zutagebringung des letzten Wagens Kohle stillgelegt.

2015 startete das Bürgerbeteiligungsverfahren zur zukünftigen Gestaltung des ehemaligen Zechengeländes Westerholt. Die Entwicklung des ehemaligen Bergwerks ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben der beiden Städte Gelsenkirchen und Herten gemeinsam mit der RAG Montan Immobilien GmbH.


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Kontakt & Infos

Zeche Westerholt
Egonstraße 4
45896 Gelsenkirchen-Hassel

ÖPNV

Von Gelsenkirchen Hbf mit Straßenbahn 302 bis "Buer Rathaus", dann mit Bus 210, 211 bis "Egonstraße"