Bergwerk Friedrich Heinrich

Bergwerk Friedrich Heinrich. Foto: RIK / Guntram Walter
Bergwerk Friedrich Heinrich. Foto: RIK / Guntram Walter

Keine Zeche aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stellt ihr unternehmerisches Selbstbewusstsein so heraus wie Friedrich Heinrich. Entlang der dicht mit Bäumen bestandenen Friedrich-Heinrich-Allee entfalten sich auf der einen Seite die Betriebsgebäude, Backsteinbauten im leicht barockisierenden Stil. Auf der anderen Seite, eingebettet in reichlich Grün, stehen aufgelockert Verwaltung, Direktorenvillen und das Kasino. Diese "Prachtstraße" beeindruckt auch noch nach über 100-jährigen Bestehen. Wie viel Wert die Gründer auf Repräsentation legten, zeigt die Fassadengestaltung. Über den Sockeln gliedern hohe Rechteckfenster, bekrönt von rundbogigen Blendfenstern, die Fassaden, helle Putzflächen lockern die Wandflächen auf, Giebel – manchmal nur Scheingiebel - rhythmisieren die lange Gebäudereihe. die Gestaltung hebt Friedrich Heinrich von den zeitgenössischen Zechen ab, seine Grundanlage folgt aber dem weit verbreiteten Schema paralleler Reihung einzelne Funktionseinheiten.

Das Bergwerk Friedrich Heinrich war die dritte große Zechengründung auf linksrheinischer Seite. Nach einer langen Vorgeschichte, die bis ins Jahr 1861 zurückreicht, begann 1907/08 die Aktiengesellschaft Friedrich Heinrich mit dem Bau der beiden Schächte, parallel dazu mit den Tagesanlagen, anschließend mit der Kokerei. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges konnte die Förderung beginnen. Hinter der Aktiengesellschaft stand eine französische Bankengruppe. Unterbrochen von den Kriegsjahren blieb das Bergwerk bis zur Übernahme durch die RAG in französischer Hand.

Anfang 2002 wurden die beiden linksrheinischen Schachtanlagen Friedrich Heinrich/Rheinland und Niederberg zum Bergwerk West zusammengeschlossen. Aber der Verbund hatte nur kurzen Bestand, dann wurde Niederberg stillgelegt. Am 31. Dezember 2012 wurde mit der Stilllegung des Bergwerks West, ehemals Friedrich Heinrich mit den Rossenray-Schächten, der Bergbau am Niederrhein endgültig beendet. Die Stadt Kamp-Linfort plant die Umnutzung des Zechengelände im Rahmen der Landesgartenschau 2020, zu der sie sich bewerben will.

In den gut 100 Jahren seines Bestehens sind am Standort Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort weit über 200 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert worden. Die höchste Jahresfördermenge lag im Jahr 1993 bei 4,17 Millionen Tonnen – den Anfang machten 80 Jahre zuvor im ersten vollen Jahr der Förderung rund 468.000 Tonnen. Für das letzte Jahr 2012 liegt die Förderung des Bergwerks bei rund 2,5 Millionen Tonnen.

Schon im August 1958 erreichte die „Versuchszeche” Friedrich Heinrich als erste im Ruhrbergbau den vollständig mechanisierten Abbau. In den 80er Jahren nahm man hier den ersten Steuerstand der RAG über Tage in Betrieb. 1998 schließlich wurde im Flöz Girondelle 5 weltweit erstmals in über 1000 Metern Teufe ein 430 Meter langer Streb förderfertig hergerichtet. Mit 20.262 Tonnen verwertbarer Tagesförderung erzielte die Mannschaft hier im März 1998 einen Weltrekord.

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Kontakt & Infos

RAG Deutsche Steinkohle
Bergwerk West, Werksdirektion
Friedrich-Heinrich-Allee 63
47475 Kamp-Lintfort
Telefon: +49 (0) 2842 / 57-1

ÖPNV

Von Duisburg-Ruhrort / Moers Bf mit Bus 911 bis Kamp-Lintfort "Friedrich-Heinrich"