Zeche Zollverein Schacht 1/2/8 und Schacht XII

Zeche Zollverein Schacht 1/2/8
Zeche Zollverein Schacht 1/2/8

Das Unternehmen Zollverein, in den 1840er Jahren von Franz Haniel gegründet, stand unter einem guten Stern. Vielleicht hatte es der Name bewirkt: 1834 war der Wirtschaftsbund Zollverein unter preußischer Führung gegründet worden. Im staatlich zersplitterten Deutschland verzichteten die Mitglieder auf alle Zollgrenzen. Zollverein wurde zum Symbol des wirtschaftlichen Fortschritts schlechthin.

Die Anfänge der Zeche Zollverein reichen in das Jahr 1847 zurück, als Franz Haniel alle Anteile einer Bohrgesellschaft aufkaufte und somit Eigentümer von 14 zusammenhängenden Grubenfeldern wurde. In der Kohle sah den Energieträger der Zukunft. Kaum war er im Besitz des Grubenfeldes, ließ Haniel die ersten beiden Schächte abteufen, weitere folgten in den nächsten Jahrzehnten. Gegen Ende des Jahrhunderts hatte sich die Zahl der Bergleute mit 2.488 fast verzehnfacht, die Fördermenge überschritt die 1 Mio. t pro Jahr. Der Ausbau der Zeche schritt weiter voran: Zu Beginn des Ersten Weltkriegs besaß sie bereits zehn Schächte verteilt auf vier Schachtanlagen.

Die krisenhaften 1920er Jahre brachten auch für die Zeche Zollverein Veränderungen. Zum einen waren die Zechenanlagen inzwischen völlig veraltet, zum anderen war die Familie Haniel war nicht länger Alleineigentümerin. Zunächst gingen die Erben Haniels 1920 eine Interessengemeinschaft mit dem Stahlkonzern "Phönix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb" ein und ab 1926 gehörte die Zeche Zollverein zu der 1926 gegründeten "Vereinigte Stahlwerke AG". Diese plante im Rahmen von Rationalisierungsmaßnahmen einen zentralen Förderschacht mit der ungeheuren Tageskapazität von 12.000 Tonnen Kohle – das ist das Vierfache der Menge, die eine durchschnittliche Zeche im Ruhrgebiet zu der Zeit förderte. Als dieser 1932 seinen Betrieb aufnahm, wurden alle anderen bis dahin in Betrieb befindlichen Schächte nur noch für Personen- und Materialförderung genutzt. Für den Untertagebetrieb bedeutete das eine enorme Rationalisierung, denn alle Kohle aus dem umfangreichen Grubenfeld wurde nun auf Schacht XII gehoben. Die Zeche Zollverein war damit das erste Verbundbergwerk des Ruhrgebiets, aber nicht nur das, zugleich war sie die größte und leistungsstärkste Zeche im Revier.

Die große Zechenanlage hat auch im besonderen Maße die städtische Entwicklung des Essener Nordens geprägt. Über Generationen war Zollverein der Mittelpunkt des Arbeitslebens einer großen Zahl von Bergleuten, die mit ihren Familien in der Umgebung lebten.

Aber nicht nur in betrieblicher und technischer Hinsicht, auch in der Architektur sollte sich die Leistungsfähigkeit des Unternehmens darstellen. Nach den Plänen der Industriearchitekten Fritz Schupp und Martin Kremmer, die von der sachlichen Architektur der 1920er Jahre beeinflusst waren, entstand Schacht XII zwischen 1928-30 in Stahlkonstruktion mit vorgehängtem ausgemauertem Stahlfachwerk. Letzteres funktioniert als Gliederungsprinzip, da das Raster des Stahlfachwerks bei allen Bauten gleich ist und ermöglicht dem Betrachter einen Maßstabsvergleich der in der Höhe gestaffelten Baukuben. Das ästhetische Grundprinzip der Schachtanlage liegt in einer Reduktion der einzelnen Baukörper auf klare, kubische Formen, ihrer übersichtlichen Anordnung zu einer harmonischen Gesamtheit und einer einheitlichen Fassadengestaltung. Form und Anordnung der Bauten sind direkt aus den technischen Abläufen abgeleitet, jeder Funktion wird ein Gebäude zugeordnet.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein spielte der Rohstoff Kohle eine wichtige Rolle für die Industrie und Energieversorgung. Zollverein hatte bis zur Stilllegung 1986 einen wesentlichen Anteil daran. Modernisierungen sorgten dafür, dass sie eine leistungsstarke Zeche blieb. Ab 1961 versorgte sie die in unmittelbarer Nachbarschaft angeschlossene Kokerei Zollverein.

Heute ist Zollverein ein lebendiges Zentrum für Kultur, Design und Tourismus. Längst ist das ehemals größte Bergwerk kein Denkmal mehr unter vielen, mit der offiziellen Anerkennung durch die UNESCO am 14. Dezember 2001 ist es als Welterbe ausgezeichnet. Viele Firmen und Institutionen finden sich heute in den Gebäuden der Zeche Zollverein. In der ehemaligen Kohlenwäsche haben mit Beginn des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 das Besucherzentrum Ruhr mit dem Portal der Industriekultur und das neue Ruhr Museum ihre Pforten geöffnet. Sie sind besondere Publikumsmagneten und haben der Bekanntheit Zollvereins auf internationaler Ebene zum endgültigen Durchbruch verholfen.  

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Kontakt & Infos

UNESCO-Welterbe Zollverein
Areal A [Schacht XII]
Kohlenwäsche, Schacht XII [A14]
Gelsenkirchener Straße 181
45309 Essen
Telefon: +49 (0) 201 / 24 68-10
Werkschwimmbad
Öffnungszeiten
15. Juli bis 3. September 2017 täglich 12–20 Uhr

Zollverein Eisbahn
Öffnungszeiten
3. Dezember 2016 bis 8. Januar 2017
Mo–Fr vor den Ferien 15–20 Uhr
in den Ferien 10-20 Uhr
Sa 10-22 Uhr
So 10-20 Uhr
am 24., 25. und 31.12. geschlossen

ÖPNV

Von Essen Hbf oder Gelsenkirchen Hbf mit Straßenbahn 107 bis „Zollverein“

metropolradruhr

Nächster Standort: Bf. E-Altenessen (S2/RE3), 3,9 km, 19 Min.

www.metropolradruhr.de

GASTRONOMIE

Casino Zollverein
Telefon +49 (0)201 / 83 02 40
www.casino-zollverein.de

Butterzeit!
Telefon +49 (0)201 / 43 64 35 01
www.butterzeit.com

Café Kohlenwäsche
Telefon +49 (0)201 / 86 87 70 2
www.imhoff-essen.de

die kokerei - Café & Restaurant Zollverein
Telefon +49 (0)201 / 83 01 298
www.cultural-service.de