Zechensiedlung "Neustadt" Ahlen

Zechensiedlung "Neustadt" Ahlen. Foto: RIK / R. Budde
Zechensiedlung "Neustadt" Ahlen. Foto: RIK / R. Budde

Die Stadt Ahlen entwickelte sich mit der Eröffnung der Köln-Mindener Eisenbahn- strecke ab 1847 von einer Ackerbürgergemeinde hin zu einer prosperierenden Industriestadt. Einen zweiten Entwicklungsschub brachte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Bergbau.

Mit dem erfolgreichen Abteufen der Schächte I und II der Zeche Westfalen setzte ab September 1911 der Bau der Zechensiedlung "Neustadt" im englischen Gartenstadtideal ein, um Arbeiter zu motivieren nach Ahlen zu gehen. Es wurden bis Mitte der 1920er Jahre im Endausbau 1094 Arbeiter- und 117 Beamtenwohnungen angelegt, welche als Werkssiedlung der Zeche dienten.

Bedeutend ist auch die städtebauliche Ausrichtung, welche Bezug nimmt auf die Bergwerksanlage bzw. die heute nicht mehr vorhandene Kokerei.
Die Siedlungsstruktur der Arbeiterkolonie wird durch verschiedene Qualitäts-Komponenten bestimmt, die in einem engen wechselwirksamen Verhältnis zueinander stehen: ein netzförmig geschwungen angelegtes Erschließungssystem, gereihte durch Nebengebäude miteinander verbundene unterschiedliche Haustypen und große Freiflächen im Inneren der Blockbebauung. Die innen liegenden Gärten dienen auch heute noch als Ernährungsquelle, der Freizeitgestaltung und zur Aufnahme nachbarschaftlicher Kontakte. Die gesamte Zechensiedlung steht aufgrund ihrer sozial-, wirtschafts- und stadtbaugeschichtlichen Bedeutung unter Denkmalschutz und wird seit 1991 in mehreren Sanierungsabschnitten nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten den heutigen Wohnbedürfnissen angepasst.

Die sich im östlichen Bereich anschließende Beamtensiedlung weist in dieser Hinsicht eine weniger konsequente stadtplanerische Gestalt auf, ist jedoch in ihrer architektonischen Qualität vergleichbar.

Mit dem Bau der Ahlener Zechensiedlung wurde auch der Glückaufplatz inmitten der Kolonie angelegt. Der Platz hatte eine zentrale städtebauliche und soziale Bedeutung für den Stadtteil. So fand man hier ein Milchgeschäft, die örtliche Polizeistation, eine Apotheke, die Diesterwegschule, den ersten Ahlener Moscheeraum und die Gaststätte St. Barbara, die später nach dem Namen des Wirtes einfach "Plümpe" genannt wurde. Über der Gaststätte lag das "Zechenkasino", ein Wohnheim für ledige Bergleute. Der Glückaufplatz als Herzstück der Kolonie war und ist auch heute belebt durch verschiedene allgemein zugängliche Gebäude und hat seine zentrale Bedeutung seit einigen Jahren wieder erlangt.

Im Rahmen des Stadterneuerungsprojektes "Ahlen Süd/Ost" wurde das Glückaufheim umgebaut. Unter Trägerschaft des Stadtteilforum Süd/Ost e.V. / Stadtteilbüro wurde mit dem Umbau zu einem Haus der Versorgung, der Qualifizierung, der Begegnung und der Beratung ein wichtiger Schritt zur Aufwertung und Belebung des Glückaufplatzes getan. Das interkulturelle Ziel lautet: Unterschiede kennen und Gemeinsamkeiten entwickeln, die Vielfalt fördern. 

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Kontakt & Infos

Zechensiedlung "Neustadt" Ahlen
Glückaufplatz / Förderweg / Kohlenstraße
59229 Ahlen
Stadtteilbüro
Projektgesellschaft Westfalen mbH
Glückaufplatz 1
59229 Ahlen

ÖPNV

Vom Bahnhof Ahlen (Westfalen) ca. 20 Minuten Fußweg oder mit Bus C2 bis "Förderweg" (Mo - Fr, Sa bis ca. 14.00 Uhr)