Charlottenhof

Charlottenhof. Foto Pfister, PSN
Charlottenhof. Foto Pfister, PSN

Parallel zu seinem industriellen Engagement im Ruhrgebiet um 1930 ließ sich der auf Haus Hohbeck bei Ratingen ansässige Friedrich Karl Flick (1882-1973) auf den Höhen gegenüber Essen-Kettwig den Charlottenhof errichten.

Sein Architekt war der für seine konservative Haltung bekannte und für zahlreiche Schlossbauten verantwortliche Paul Schultze-Naumburg. Da angeblich Flicks Frau der (nach ihr benannte) Bau nicht gefiel, wurde er der Volkswohlfahrt und dann der Organisation Todt überlassen, bis er im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde.

In ursprünglicher Form erhalten geblieben ist dagegen der betont schlichte Wirtschaftshof ("Vorburg"), der aus einem Torbau und einstöckigen Flügeln um einen rechteckigen Hof besteht. Das Haupthaus des An-wesens war ein breitgelagerter, zweigeschossiger Putzbau mit einem polygonal vorspringenden, in einen Turm übergehenden Vorbau zur Ruhr. Der Grundriss entsprach der barocken "maison de plaisance", einem französischen Lustschloss-Typus mit runden oder ovalen Mittelsälen. Nach dem Krieg wurden in der Vorburg vierzehn Flüchtlingsfamilien einquartiert. 1950 übernahm das Erzbistum Köln die Anlage, um sie dem 1957 gegründeten Ruhrbistum Essen als "Morgengabe" zu überlassen. Mit Hilfe von Schwestern aus Schuir richtete man die Jugendbildungsstätte "St. Altfrid" ein. Die Vorburg wurde bald um Bettenhäuser und eine Kirche ergänzt; 1966/67 wurden die Grundmauern des "Schlosses" in einen Neubau einbezogen.

Warum sich Flicks Frau weigerte auf dem Charlottenhof einzuziehen, blieb unklar. Vielleicht sagte ihr Haus Hohbeck wegen der Nähe zu Düsseldorf mehr zu. Zudem hatten in den 20er Jahren Besetzung, Entmilitarisierung und Aufstände im Ruhrgebiet nicht wenige Industrielle veranlasst, sich und ihre Familien anderswo in Sicherheit zu bringen. So zog Emil Kirdorf nach Bonn und Hugo Stinnes auf das Gut Weisskollm bei Hoyerswerda in der Lausitz. 

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Kontakt & Infos

Jugendhaus St. Altfrid
Charlottenhofstraße 61
45219 Essen-Kettwig

ÖPNV

Vom S-Bahnhof "Kettwig Stausee" mit Bus 772 bis "Laupendahler Höhe"