Haus Urge

Haus Urge. Foto: RIK / R. Budde
Haus Urge. Foto: RIK / R. Budde

Haus Urge wurde 1913 für den führenden Mülheimer Lederfabrikanten Jean Baptiste Coupienne (1877-1938) und seine Frau Martha (geb. 1882) errichtet. Das weitläufige Gelände zwischen Bismarck-straße und Ruhrabhang schließt sich an die Freifläche mit dem Bismarckturm an und dürfte zu den exklusivsten Lagen in Mülheim gehören; schon dadurch dokumentieren sich Wohlstand, Einfluss und Selbstverständnis der Familie Coupienne.

Das Haus selbst, im Stil des Barock mit Mansarddach, hat einen einfachen, etwa quadratischen Grundriss. Die Eingangsfassade wird durch eine über beide Geschosse reichende Rundbogenöffnung geprägt. Die Gartenseite besitzt zwei angedeutete Türme mit "welschen" Hauben und einem auf die Terrasse hinausgebauten Wintergarten. Die weite, von großen alten Bäumen gerahmte Rasenfläche inszeniert den Bau in eindrucksvoller Weise.

Martha Coupienne geb. Schmidt-Leverkus bestimmte als Bauherrin wesentlich das Aussehen des Hauses mit; sie wünschte sich ein Gebäude nach dem Vorbild ihres Elternhauses, des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Wasserschlosses Haus Blegge in Paffrath bei Bergisch Gladbach. Architekt Franz Hagen entsprach ihren Wünschen und übersetzte die Architektur des barocken Herrenhauses in den zeitgenössischen Villenbau.

Die beiden Türme, bei Haus Blegge massiv und isoliert, flankieren bei Haus Urge enger zusammengerückt die Gartenfassade mit ihrem in eine Terrasse übergehenden Wintergartenvorbau. Auch die aufwendige Innengestaltung verwendet Barock- und Rokokoformen nach bergischem Vorbild, wie etwa bei den Schnitzarbeiten der Flügeltür zum Gartensaal oder der Holztreppe in der großen Halle, die ganz mit Holzverkleidung und Lederbespannung versehen ist.

Schon 1923 verkauften die Coupiennes das Haus an Gustav Stinnes, einen Enkel von Mathias Stinnes. Mit Ausnahme der Jahre 1945-58, als Haus Urge britisches Militärkasino war, wohnte schließlich Hugo Stinnes jr. hier.

Im Jahre 1973 erwarb das mit der Familie Stinnes eng verbundene und nahe gelegene Max-Planck-Institut für Kohlenforschung das ab 1988 unter Denkmalschutz stehende Gebäude und nutzte es bis Anfang des neuen Jahrtausends als Gästehaus. Seit Juli 2004 ist es an die Zenit GmbH vermietet, ein seit 1984 bestehendes Wirtschaftförderungs- und Beratungsunternehmen für den Mittelstand, das zuvor in der Villa Josef Thyssen seinen Sitz hatte. 

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