Villa Bagel

Villa Bagel. Foto: RIK / R. Budde
Villa Bagel. Foto: RIK / R. Budde

Ein Jahrzehnt nach der Villa Hanau gestaltete Franz Hagen ein repräsentatives Wohnhaus für den Druckereibesitzer Julius Bagel. Der blockhafte, zweigeschossige Baukörper besitzt ein hohes Sockelgeschoss und ein Mansarddach, dessen Gesims an der Straßenfront von einem Zwerchhaus mittig durchbrochen wird. Die Fassade selbst wird durch über beide Geschosse reichende "kolossale" Halbsäulen in Putz gegliedert. Dazwischen befinden sich breite, für diese Zeit charakteristische Fenster und im EG ein halbrunder Vorbau. Mittelpunkt des Innern war eine ausnehmend reich ausgestattete Halle, deren tonnengewölbter Hauptraum mit ornamentreichen Verkleidungen in Holz und dunklem Stuckmarmor ausgestattet war. Auch weitere Räume waren luxuriös gestaltet. Heute ist der Bau in mehrere Wohneinheiten aufgeteilt.

Bauherr Julius Bagel war Nachkomme einer Hugenottenfamilie, die zunächst in Wesel ansässig gewesen war und sich seit dem frühen 19. Jahrhundert als Buchbinder und Verleger betätigte. Mit der Einführung der Schulpflicht in Preußen 1815 entwickelten sie die Idee des speziellen Schulbuchs für Kinder.

Julius Bagels gleichnamiger Vater (1826-1900) übernahm in Mülheim einen Buchhandel und verlegte Kinderbücher; der Bruder bzw. Onkel Peter August gründete in Düsseldorf einen später bekannten Schulbuchverlag.

Julius Bagel jr. (1861-1929) galt eher als Lebemann denn als erfolgreicher Geschäftsmann, so dass das Mülheimer Unternehmen nach dem Ersten Weltkrieg liquidiert werden musste. Julius' ältere Schwester Klara (1856-1918) heiratete Josef Thyssen und errichtete mit diesem die Villa an der Dohne. Die Villa Bagel steht beispielhaft für den Wohnsitz eines lokalen Unternehmers der jüngeren Generation und vertritt die großbürgerliche, verfeinerte Wohnkultur der späten Wilhelminischen Kaiserzeit. 

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Kontakt & Infos

Villa Bagel
Friedrichstraße 62
45468 Mülheim an der Ruhr

ÖPNV

Von Mülheim (Ruhr) Hbf mit Straßenbahn 102, 901, oder mit Bus 122, 131 bis „Stadtmitte“, dann mit Straßenbahn 104 bis „Wilhelmstraße“