Villa Fritz Thyssen

Villa Fritz Thyssen. Foto: RIK / R. Budde
Villa Fritz Thyssen. Foto: RIK / R. Budde

Das Anwesen wurde 1910-12 von Fritz Thyssen (1873-1951), dem ältesten der vier Kinder des Industriellen August Thyssen, für sich und seine Familie errichtet. Die Vorgabe an die Architekten (Girmes & Oediger aus Krefeld) lautete dabei, einen englischen Herrensitz zu schaffen, wie er zu Anfang des 20. Jahrhunderts in England und Amerika als standesgemäße Bleibe des Großbürgertums galt.

Der Backsteinbau mit allen Kennzeichen des englischen Barock besitzt einen typischen "country house"- Grundriss mit großer Haupthalle, gartennahen, mit vielerlei Kunstschätzen und bequemen Möbeln ausgestatteten Erdgeschossräumen, Kaminen und nicht zuletzt einem ebenerdigen Wirtschaftsflügel. Besonders deutlich wird Thyssens Anglophilie, wenn man den Bau mit dem unweit gelegenen, "kerndeutschen" Streithof Emil Kirdorfs vergleicht.

Zur Villa, die am Rande eines insgesamt 70.000 m² großen Grundstückes liegt, gehören auch mehrere, den einzelnen Seitenfassaden zugeordnete, heute stark verwilderte Gartenstücke, dann Pforte, Remise und Angestelltenhäuser, schließlich ein Sportplatz mit zugehörigem Umkleidehaus.

Fritz Thyssen, der seinem Vater in der Leitung des Konzerns nachfolgte, gehörte zu den umfassend ausgebildeten, eher international orientierten Industriellen seiner Zeit. In den Vereinigten Stahlwerken, in die Mitte der 20er Jahre auch die Thyssen-Betriebe eingegliedert wurden, spielte er eine wichtige Rolle. Sein Schicksal im "Dritten Reich" ist ungewöhnlich:
Er gehörte zunächst zu den Industriellen, die den Aufstieg Hitlers unterstützten, wandte sich dann aber von ihm ab und wehrte sich vehement gegen die Aufrüstung und die Kriegsvorbereitungen. Als Katholik hielt er Kontakt etwa zu Konrad Adenauer, der bei ihm zu Gast war. Bei Kriegsausbruch floh er in die Schweiz; sein Vermögen wurde beschlagnahmt. 1940 bei einer Reise durch Vichy-Frankreich von den französischen Behörden an Deutschland ausgeliefert, verbrachte Thyssen den Zweiten Weltkrieg zunächst in einem Irrenhaus und schließlich mit seiner Frau Amélie im KZ Sachsenhausen, um bei Kriegsende nur knapp der Hinrichtung zu entgehen.
Ein 1940 in London erschienenes Buch, dessen Hintergründe nicht ganz geklärt sind, trägt den Titel "I paid Hitler". Im Entnazifizierungsverfahren wurde er als "Mitläufer" eingestuft. Thyssen emigrierte schließlich nach Argentinien. Nachfahren leben noch heute dort.

Die Villa diente einige Jahre lang als Kindergärtnerinnenschule und später als englisches Internat. Bis zum Januar 1993 war der Wohnsitz Fritz Thyssens kaum verändert erhalten; dann zerstörte ein Grossbrand, bei dem auch die Bewohnerin Marita Grillo ums Leben kam, das Herrenhaus. Erst 2003 erfolgte ein Wiederaufbau als "Villenpark Uhlenhorst" mit Eigentumswohnungen sowie mehreren Neubauten. Dabei wurde das äußere Erscheinungsbild der historischen Villa Fritz Thyssen wiederhergestellt. 

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Kontakt & Infos

Villa Fritz Thyssen
Großenbaumer Straße 250
45479 Mülheim an der Ruhr

ÖPNV

Von Mülheim (Ruhr) Hbf mit Straßenbahn 102 bis "Waldschlösschen", dann ca. 30 Minuten Fußweg oder von Duisburg Hbf mit Regionalbahn RB 37 bis "DU-Entenfang", dann ca. 30 Minuten Fußweg