Villa Moritz Klönne

Villa Moritz Klönne. Foto: RIK / R. Budde
Villa Moritz Klönne. Foto: RIK / R. Budde

Das in unmittelbarer Nachbarschaft des prunkvollen Oberbergamtes gelegene Haus des bedeutenderen der beiden Söhne von August Klönne wurde 1922/23 von Emil Pohle und seinem damaligen Büropartner Adolf Ott errichtet. Ursprünglich besaß es ein hohes Walmdach, das nach dem Zweiten Weltkrieg durch ein weiteres Geschoß ersetzt wurde. Der ursprüngliche Wirtschafts- und Remisenflügel an der Goebenstraße wurde um 1960 durch einen Neubau ersetzt. Ebenfalls nicht erhalten sind ein breiter Erdgeschosserker sowie ein halbrunder, turmartiger Anbau, der im EG ein Teezimmer aufnahm.

Die Fassaden sind in hellem Muschelkalk ausgeführt und mit Ornamentfriesen und Reliefs des Darmstädter Bildhauers Ludwig Habich geschmückt. Während an der Prinz-Friedrich-Karl-Strasse zwei risalitartig hervorgehobene Seitenachsen die dreiteilige Mitte hervorheben, befindet sich an der rechten Schmalseite eine groß dimensionierte, überdachte Vorfahrt, unter der sich der aufwendige, trichterförmige Eingang befindet. Über ein rundes, mit Marmorboden und expressivem Stuckgewölbe ausgestattetes Vestibül gelangt man in den saalgroßen Salon des Erdgeschosses mit angeschlossenen Herren- und Damenzimmern. Ursprünglich befand sich hier ein Damenzimmer nach Entwürfen des Jugendstil-Architekten Joseph Maria Olbrich (heute im Museum für Kunst und Gewerbe), das die Hausherrin, die aus der Darmstädter Möbelfabrikantenfamilie Glückert stammte, mitgebracht hatte. Der Treppenaufgang zum privat genutzten Obergeschoß ist eher versteckt seitlich untergebracht.

Moritz Klönne (1878-1962) übernahm, nachdem er eine vielseitige Ausbildung einschließlich einiger Semester Jurastudium durchlaufen hatte, nach dem Tod des Vater im Jahre 1909 gemeinsam mit seinem Bruder die Leitung des renommierten Stahlbauunternehmens. Dem Ehepaar Klönne wurden bis 1918 fünf Kinder geboren; der Vater war auch politisch als Reichstagsabgeordeneter tätig; er fungierte als Kgl. Bulgarischer Generalkonsul; bemerkenswertes Detail seiner Villa ist ein runder Weinkeller unter dem Garten der Villa. Das gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Max (wohnhaft in einer von den Architekten Steinbach & Lutter errichteten, nicht erhaltenen Villa in der Kronprinzenstraße) geleitete Unternehmen prägte Moritz Klönne von der späten Kaiserzeit (Hohenzollernbrücke, Köln, 1910/11) über die Zwischenkriegszeit (Rodenkirchener Autobahnbrücke, 1938-41) bis zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, der das Unternehmen zeitweise zum viertgrößten deutschen Stahlbaubetrieb machte. Politisch achtete Klönne im Unterschied zu vielen anderen Industriellen auf größtmögliche Distanz zum Nationalsozialismus, auch wenn er sicherlich zugunsten seines Unternehmens Kompromisse eingehen musste. Die Firma Klönne ging im Thyssen-Konzern auf; die Villa Moritz Klönnes beherbergt heute ein Ingenieurbüro für Prüfstatik. 

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Kontakt & Infos

Villa Moritz Klönne
Prinz-Friedrich-Karl-Str. 36 / Ecke Goebenstr.
44135 Dortmund

ÖPNV

Von Dortmund Mitte ("Kampstraße") mit U-Stadtbahn U43 bis "Lippestraße", dann 5 Minuten Fußweg