Dortmunder U

Dortmunder U. Foto: RIK/ R. Budde
Dortmunder U. Foto: RIK/ R. Budde

Bis heute ist der Name Dortmunds eng mit der Tradition des Bierbrauens verbunden, die hier schon über 700 Jahre alt ist. 1293 wurden der Stadt die Braurechte verliehen. Zunächst waren es Frauen, die vor Ort brauten. Im Mittelalter gehörte Bier zu den Grundnahrungsmitteln. Das über den Eigenbedarf hinaus erzeugte Getränk wurde auf dem Markt verkauft oder in Privathäusern öffentlich ausgeschenkt. Außerdem betrieben von der Stadt besoldete Braufrauen die Bierherstellung professionell. Zunehmend übernahmen jedoch Klöster und Gasthausbrauereien diese Aufgabe.

Die Industrialisierung des Braugewerbes seit Mitte des 19. Jahrhundert verdrängte die traditionellen Biersorten der handwerklichen Braukunst. Ursprünglich waren hier obergärige, dunkle Biere produziert worden. Dies änderte sich 1843, als Heinrich Wenker aus einer Dortmunder Brauerfamilie bei einem Aufenthalt in Bayern die untergärige Brauweise kennengelernte und in Dortmund einführte.

1870 gelang der Union-Brauerei ein neuer Biertyp, das später weltbekannte "Export". Seit den 1860er Jahren erlebte die Stadt einen "Brauereiboom". Die Bevölkerungszunahme als Folge der Industrialisierung schuf einen Absatzmarkt, der sich rasch ausdehnte, verstärkt noch durch die zahlreichen Stahlarbeiter mit ihrem hohen Flüssigkeitsbedarf. Als mit Kühlmaschine und künstlicher Kälte die Voraussetzungen für die Lagerhaltung gegeben waren, stand der Massenproduktion nichts mehr im Wege. Mit der Einführung des Flaschenbieres um die Jahrhundertwende kamen bei der Union-Brauerei wie bei anderen Brauereien Betriebsbereiche hinzu, in denen vor allem Frauen - allerdings in Billiglohn - Beschäftigung fanden.

Mit der Konzentration der Brauereien verschwanden viele Kleinbetriebe dieser Branche. Von den 1850 in Dortmund noch 94 vorhandenen Braustätten gab es 1910, neben wenigen verbliebenen Hausbrauereien, 16 größere und große Hersteller. Bis 1945 sank ihre Zahl auf acht. 1993 nahm Dortmund mit einer Jahresproduktion von 5,6 Hektoliter noch den zweiten Platz unter den deutschen Brauereistandorten ein. Heute ist dieser Ausstoß nahezu halbiert und nur noch eine Groß-Braustätte in Dortmund verblieben: die Aktien-Brauerei der Radeberger Gruppe.

Die Union-Brauerei entstand 1873 durch die Umwandlung der Brauerei Struck & Co. in eine Aktiengesellschaft. 1925 deckte sie 43% der Dortmunder Braukapazität ab, zählte 600 Beschäftigte und galt als die größte Brauerei Westdeutschlands. 1926/27 ließ sie ein neues Gär- und Lagerhaus errichten. Es war die letzte große Schöpfung des durch seine Bauerei-Gebäude bekannten Architekten Emil Moog und das erste Hochhaus in Dortmund. Das mehrteilige Gebäude ist zum größten Teil verklinkert. Der Hauptturm wird von einem gitterförmigen Aufbau bekrönt. Auf dem Dach prangt seit 1968 das vierfache, neun Meter hohe "Dortmunder U" , entworfen vom Architekten Ernst Neufert, als Firmenzeichen der Union-Brauerei. Um das Hochhaus entstand im Laufe der Zeit ein ausgedehnter Gebäudekomplex. Nachdem die Union-Brauerei 1994 ihre Produktion verlegt hatte, stand eine Neunutzung des Ensembles an. 2003/04 wurden sämtliche Gebäude mit Ausnahme des Hochhauses abgerissen und es entstand an der Südseite ein neuer Bürokomplex. Das Gebäude und die umliegende Brachfläche wurde 2007 von der Stadt Dortmund erworben. 

Nach Plänen des Dortmunder Architekten Professor Eckhard Gerber erfolgte seit Anfang 2008 der Umbau des Gebäudes zu einem Zentrum für Kunst und Kreativität. Als Dortmunder Leuchtturm-Projekt im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 wurde es zu dessen Finale am 18. Dezember 2010 eröffnet. Inhalt des Zentrums ist u.a. das bisherige Museum Ostwall mit seinen Beständen Moderner Kunst sowie Etagen für Hochschulprojekte, Medienkunst und kulturelle Bildung im digitalen Zeitalter. Das siebte Obergeschoss bietet mit dem Restaurant/Eventlocation "View" eine spektakulären Raum für Veranstaltungen und einen Rundumblick auf Dortmund und die Ruhrregion.

Der Filmemacher Adolf Winkelmann hat mit den großen Film-Installationen, den "Fliegenden Bildern"  in den Stein-Kassetten unter dem goldenen U eine atemberaubende Landmarke geschaffen. Die Bilderuhr läuft täglich von 6.00 Uhr bis Mitternacht. Auch im Eingangsfoyer sowie in der Vertikalen des Treppenhauses sind Winkelmann-Panoramen aus dem Ruhrgebiet zu bestaunen. 

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Kontakt & Infos

Dortmunder U
Zentrum für Kunst und Kreativität
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund

ÖPNV

Dortmund Hbf (5 Minuten Fußweg) oder U-Stadtbahn-Linien U43, U44 bis "Westentor"