Glocke des Bochumer Vereins vor dem Rathaus

Glocke des Bochumer Vereins. Foto: RIK / R. Budde
Glocke des Bochumer Vereins. Foto: RIK / R. Budde

Die Erfindung des Stahlformgusses durch Jacob Mayer um 1850 bedeutet für die Stahlindustrie eine wichtige technische Neuerung. Sie ermöglichte die Herstellung komplexer Formen und Strukturen, die mit den bis dahin üblichen Verfahren Schmieden, Drehen oder Fräsen unerreichbar geblieben waren. Dazu gehörte auch der Guss von stählernen Glocken.

Nachdem die Gussstahlfabrik Mayer & Kühne, die Vorläuferin des Bochumer Vereins, 1852 zum ersten Mal seine neuen Glocken auf der Düsseldorfer Gewerbeausstellung präsentiert hatte, wurde dieser Produktionszweig schnell zum Aushängeschild des Unternehmens. Auch wenn Glocken nur einen verschwindend geringen Anteil am Umsatz ausmachten, symbolisierten sie doch wie kein anderes Produkt den Mythos des Unternehmens als Innovationsträger der Stahlindustrie. Ein in den 1950er Jahren auf Messen präsentiertes transportables Glockenspiel fand noch 1964 vor dem neuen Verwaltungshochhauses an der Essener Straße einen festen Standort. Es erinnerte an den alten Glockenturm auf dem Werksgelände, der den Schichtwechsel einläutete, und wurde kürzlich wieder dorthin versetzt.

Bis zur Einstellung der Produktion 1970 verließen das Bochumer Werk rund 38.000 Glocken aus Gussstahl, darunter etwa 18.000 Kirchenglocken und 20.000 Signalglocken. Als kostengünstige Alternative zu den teuren Bronzeglocken fanden sie eine weltweite Verbreitung. Sie schmücken die Frankfurter Paulskirche und die Weltfriedenskirche in Hiroshima.

Auf dem Bochumer Rathausvorplatz erinnert die auf der Pariser Weltausstellung 1867 ausgestellte Glocke – eine der ältesten erhaltenen und mit einem Gewicht von 15 Tonnen zugleich größten jemals produzierten – an die große Tradition des Bochumer Vereins. Lange stand sie an der Essener Straße vor dem Walzwerk Höntrop, bis sie in den 1970er Jahren der Straßenerweiterung weichen musste. Die Firma Krupp schenkte die Glocke daraufhin der Stadt Bochum, die sie im August 1979 vor dem Rathaus aufstellte.

Auch der über 40 Meter hohe Turm im Innenhof des von 1927 bis 1931 errichteten Bochumer Rathauses besaß von Beginn an ein Glockenspiel des Bochumer Vereins. Nach Kriegszerstörungen 1951 neu installiert, besteht es heute aus 28 Gussstahlglocken mit Einzelgewichten zwischen 4 und 375 Kilogramm und einem Gesamtgewicht von 2.300 Kilogramm. Das ursprünglich erste aus Gussstahl hergestellte Glockenspiel der Welt spielt täglich zwischen 8 Uhr und 20 Uhr alle vier Stunden.

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Kontakt & Infos

Glocke des Bochumer Vereins vor dem Rathaus
Willy-Brandt-Platz
44787 Bochum

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Von Bochum Hbf mit U-Stadtbahn U35 oder Straßenbahn 302, 306, 310 bis "Bochum Rathaus"