Henrichshütte

Henrichshütte, Hochofengelände. Foto: LWL-Industriemuseum
Henrichshütte, Hochofengelände. Foto: LWL-Industriemuseum

1853 erwarb Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode, der im Harz Kohlen- und Eisenerzgruben betrieb und nach neuen Standorten für die Roheisengewinnung suchte, das Rittergut Bruch in Welper. Die Rohstoffbasis des künftigen Hüttenbetriebes wurde durch den Kauf von mehreren Eisensteinfeldern und der Übernahme mehrerer Kohlenzechen im Hattinger Raum gesichert. Der Transport der Rohstoffe sollte über die Ruhr erfolgen. Die unregelmäßigen Wasserstände der Ruhr, häufig mit Überschwemmungen verbunden, beeinträchtigten den Aufbau des Hüttenwerkes.

Doch trotz aller Widrigkeiten wurde am 17. Juni 1855 der erste Hochofen, der nach dem inzwischen verstorbenen Grafen benannten Henrichshütte angeblasen. Für die Arbeiter des Hüttenwerkes wurde 1860 die Arbeitersiedlung Haidchen errichtet. 1871 hatte die Eisenhütte bereits vier Hochöfen. 1910 arbeiteten bereits 6.000 Belegschaftsangehörige im Werk. Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre brachte dann mit Massenentlassungen einen drastischen Rückgang der Beschäftigtenzahlen.   

Erst im Rahmen des nationalsozialistischen Aufrüstungsprogramms arbeiteten 1939 wieder fast 7.000 Beschäftigte im Werk, 1944 kamen 2.500 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter hinzu. Das Hüttenwerk hatte sich mit Panzer- und U-Boot-Teilebau in eine Waffenschmiede des Dritten Reiches verwandelt. Nach 1945 folgten etliche Jahre des Produktionsstillstandes. Erst ab 1950 wurde das Werk schrittweise wieder in Betrieb genommen. 1959 hatten mittlerweile über 10.000 Menschen wieder Arbeit auf der Hütte.

Auf die Jahre des Aufschwungs folgte in den 1980er-Jahren die weltweite Stahlkrise. Vielfältige Protestaktionen von Belegschaft und Hattingern Bürgern versuchten die Schließung des Hüttenwerkes zu verhindern. Doch der Widerstand war erfolglos. 1987 wurden die Hochöfen ausgeblasen. Über 3.000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz auf der Henrichshütte. Der Hochofen 2 wurde verkauft, demontiert und nach China transportiert.

Seit 1989 ist die Henrichshütte LWL-Museumsstandort. Dem Besucher erschließen sich über den „Weg des Eisens“ und die Besteigung des Hochofens 3 die vielfältigen Facetten des Eisenhüttenwesens. Von April bis Oktober lohnt der Besuch der Schaugießerei, wo heute wieder Metall fließt. In der Gebläsehalle finden Konzerte statt und Kinder können mit dem Museumsmaskottchen „Ratte“ auf Entdeckungstour gehen, lernen Tiere und Pflanzen der Industriebrache kennen.

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Kontakt & Infos

LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen
Werksstraße 31-33
45527 Hattingen
Telefon: +49 (0) 2324 / 92 47 14-0

ÖPNV

Von Hattingen Mitte/BO HBF Bus SB 37 oder CE 31 bis „Henrichshütte“, dann ca. 5 Minuten Fußweg. Von Hattingen-Mitte auch mit Bus 335 bis zur Haltestelle „Industriemuseum“

Öffnungszeiten

Di-So sowie feiertags 10-18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr
freitags bis zum 24. März 2017 Fackelführungen um 20 Uhr

Der Hochofenaufzug ist aus technischen Gründen voraussichtlich bis Ende 2017 außer Betrieb. Eine Begehung des Hochofens ist jedoch über die Treppe möglich.

GASTRONOMIE

Restaurant „Henrichs“
Telefon: +49 (0)2324 / 68 59 63
www.henrichs-restaurant.de