Verbandsgebäude des RVR

Verbandsgebäude des RVR. Foto: RIK / R. Budde
Verbandsgebäude des RVR. Foto: RIK / R. Budde

Essen, Kronprinzenstraße 35 - eine der bekanntesten Adressen im Ruhrgebiet. In dem architekturgeschichtlich bedeutenden Klinkerbau des Architekten Alfred Fischer an der Ecke zur Helbingstraße hat der älteste deutsche Regionalverband seinen Sitz, der Regionalverband Ruhr. Bis 1979 trug der Verband der Städte und Kreise des Ruhrgebiets den Namen Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk. Er war 1920  "zur Förderung des Siedlungswesens im Industriebezirk" durch preußisches Sondergesetz gegründet worden.

Aber der Volksmund mochte es weniger kompliziert und erfand griffigere Kürzel: Siedlungsverband, Ruhrsiedlungsverband oder schlicht SVR. Vielleicht lag es an der unbestritten lautmalerischen Qualität der drei Großbuchstaben, vielleicht auch an der dem Reviermenschen eigenen Art, Sprache präzis und direkt anzuwenden: Jedenfalls wurde, kaum hatte der nordrhein-westfälische Landtag dem Verband seinen neuen Namen verliehen, aus dem SVR der KVR und später RVR - ein Kürzel, das im öffentlichen Bewußtsein nun ebenso verankert ist wie das seines traditionsreichen Vorgängers.

Seit 1. Oktober 2004 ist der Regionalverband Ruhr (RVR) Nachfolger des Kommunalverbandes Ruhrgebiet. Zu den neuen Aufgaben des RVR gehören u.a. die Erstellung von Planungs- und Entwicklungskonzepten für das Verbandsgebiet (Masterpläne), regionale Wirtschaftsförderung und regionales Standortmarketing sowie die Trägerschaft und Weiterentwicklung des Emscher Landschaftsparks und der Route der Industriekultur. Seit Oktober 2009 verantwortet der RVR anstelle der drei Bezirksregierungen Arnsberg, Düsseldorf und Münster auch die staatliche Regionalplanung für die Metropole Ruhr. Bis Mitte 2015 wird es nach mehr als 40 Jahren wieder einen einheitlichen, flächendeckenden Regionalplan für das gesamte Ruhrgebiet geben.

Das Verbandsgebäude gehört zu den herausragenden Beispielen der Reformarchitektur und wurde 1985 in den Rang eines Baudenkmals erhoben. Wer immer sich dem Gebäude an der Ecke Kronprinzen-/Helbingstraße nähert, ist gefesselt von der markanten Silhouette und der sich beim Nähertreten offenbarenden handwerklichen Qualität des 60 x 30 Meter messenden Bauwerkes. Die klare Raumdisposition setzt sich im Innern bruchlos fort. Eine offene, zweigeschossige Lichthalle, um die sich die Büros gruppieren, vermittelt dem Besucher das Bild einer wohl durchdachten, bis ins Detail gegliederten Gestaltung. Die Halle besitzt eine Aura ganz eigener Art: Sie gibt sich sachlich, auf den ersten Blick auch ein wenig distanzierend, und sie schafft Nähe, weil sie überschaubar bleibt und damit maßvoll. Bedenkt man, daß Alfred Fischer, der Architekt, seine Vorstellung eines zweckmäßigen und zugleich humanen Verwaltungsgebäudes bereits vor 80 Jahren entwickelt hat, verwundert es nicht, daß dieses im Äußeren wie im Inneren immer noch modern wirkende Haus bei seiner Eröffnung 1929 nicht nur in Fachkreisen Beifall fand.

Die außerordentliche Wirkung des Gebäudes beruht auf der Synthese verschiedener baukünstlerischer Qualitäten, die das Bauwerk trotz aller kriegsbedingten Veränderungen heute noch auszeichnen: Einfachheit, Einheitlichkeit und Eigenwilligkeit. Es wirkt wie ein Gegenpol zum Gebäude der Emschergenossenschaft auf der anderen Straßenseite, das noch ganz den Gestus der wilhelminischen Repräsentations-Architektur spiegelt. Philipp Rappaport, damals Beigeordneter beim SVR, fand dafür bei der Einweihung des Hauses 1929 die präzise Erklärung: "Das Gebäude durfte nicht einen stadtbeherrschenden Zentralausdruck hervorrufen wie etwa ein Rathaus, es durfte nicht einen repräsentativ-monumentalen Eindruck erwecken wie ein Regierungsgebäude, es durfte nicht die gleichmäßige, zur Beschäftigung von Hunderten ausgewertete Art eines Bürogebäudes tragen."

zurück 5/53 vor

Kontakt & Infos

Regionalverband Ruhr (RVR)
Kronprinzenstraße 35
45128 Essen
Telefon: +49 (0) 201 / 2069-0

ÖPNV

Von Essen Hbf mit Straßenbahn 105 oder 106 bis "Kronprinzenstr"