Zeche Hannover 1/2/5

Die Zeche Hannover um 1908. Quelle: Presse- und Informationsamt Bochum
Die Zeche Hannover um 1908. Quelle: Presse- und Informationsamt Bochum

Weltweit im Einsatz: das Koepe-Verfahren

Benannt nach dem Wohnsitz ihres Gründers Carl Horstmann im damaligen Königreich Hannover entstand ab 1857 in der Bürgermeisterei Hordel eine Doppelschachtanlage mit zwei Malakowtürmen.

1872 kaufte der Essener Industrielle Alfred Krupp die Anlage. Sein Zechendirektor Friedrich Koepe entwickelte auf der Zeche Hannover 1877 ein Förderverfahren, das eine Revolution in der Bergbautechnik darstellte und sich bis zur Jahrhundertwende weltweit zum Standard auf Tiefbauzechen entwickelte. Das Koepe-Verfahren ersetzte die bis dahin übliche Seiltrommel durch eine Treibscheibe, die das Seil mittels Haftreibung antrieb. Dieses bis heute weltweit eingesetzte System entwickelte die Zeche Hannover mit der ersten Turmfördermaschine 1888 und der weltweit ersten Vierseilförderung 1949 ständig weiter. 1899 erwarb Krupp auch die Nachbarzeche Hannibal. Eine neue Kohlenwäsche, eine große Kokerei und ein Kraftwerk zur Elektrizitätserzeugung vollendeten den Ausbau der Schachtanlage Hannover 1/2/5 zur modernen Großzeche. Die Zeche mit ihrem ständig steigenden Arbeitskräftebedarf zog zunächst Arbeitswillige aus Westfalen, Hessen und dem Rheinland an. Darüber hinaus fanden Zuwanderer aus West- und Ostpreußen, Schlesien, Posen und Masuren eine Einstellung auf Hannover. 1960 kamen die ersten Griechen, bald darauf auch Italiener, Jugoslawen, Türken und Marokkaner. Für die „neuangelegten“ Bergleute ließ Krupp ab 1907 die benachbarte Siedlung Dahlhauser Heide bauen.

Aus der 1958 einsetzenden Bergbaukrise ging die Zeche Hannover zunächst als Sieger hervor: 1967 wurde der Schacht 2 zum zentralen Förderschacht aller Bochumer Bergwerke ausgebaut. Die Zeche Hannover wurde 1969 in die neu gegründete Ruhrkohle AG eingebracht. Das konnte jedoch nicht verhindern, dass sie infolge der andauernden Kohlekrise als letzte Bochumer Schachtanlage 1973 stillgelegt wurde.

1979 erfolgte der Abriss der Betriebsgebäude. Nur die ältesten – der Malakowturm mit Maschinenhalle sowie das Grubenlüftergebäude – blieben als Industriedenkmal erhalten. 1981 übernahm der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Zeche Hannover in sein LWL-Industriemuseum und restaurierte das Gebäude. Seit 1995 ist das Gelände für Besucher zugänglich. Ein Ensemble von drei privat gebauten Siedlungshäusern aus den 1890er-Jahren (Straße „Am Rübenkamp“) konnte ebenfalls vom LWL-Industriemuseum erhalten werden.

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Kontakt & Infos

LWL-Industriemuseum Zeche Hannover
Günnigfelder Straße 251
44793 Bochum-Hordel
Telefon: +49 (0) 234 / 61 00 87-4

ÖPNV

Von Bochum Hbf oder Wanne-Eickel Hbf mit Bus 368 bis „Hannoverstraße“; von Wattenscheid-Höntrop S-Bf mit Bus 390 bis „Röhlinghauser Straße“; von Herne Bf mit Bus 390 bis „Dahlhauser Straße“ (jeweils fünf Minuten Fußweg)