Friedensplatz Oberhausen

Friedensplatz Oberhausen. Foto: RIK/ R. Budde

Die Namen von Straßen und Plätzen erzählen Zeitgeschichte. Industrieplatz – Kaiserplatz – Industrieplatz – Adolf-Hitler-Platz – Friedensplatz ist die Namenabfolge des Friedenplatzes in Oberhausen. Mit den Namen änderten sich auch das Aussehen des Platzes und die städtebauliche Ausrichtung.

Nachdem 1901 die Styrumer Eisenindustrie AG Konkurs anmeldete und 1902 den Betrieb aufgab, nutzte die junge Industriestadt Oberhausen das zwischen dem Geschäftsviertel und dem Bahnhof gelegene Gelände für eine städtebauliche Entwicklung. Als das Werksgelände geräumt war, wurde am Nordrand das Amtsgericht projektiert. Davor entstand ein gärtnerisch gestalteter Schmuckplatz noch nach den traditionellen Mustern des 19. Jahrhunderts (Lenné-Meyersche Schule). Der Platz war zugleich Straßenstern und zunächst schlicht Industrieplatz genannt. Mit der Fertigstellung des Amtsgerichtes im Neo-Renaissance-Stil 1907 wurde dem historisierenden Ensemble ganz im Geist der Zeit zu Kaisers Ehren der Name Kaiserplatz gegeben.

Nach dem Ende des Kaiserreiches erfolgte wieder die Umbenennung des Kaiserplatzes in Industrieplatz. Zu Beginn der 1920er leiteten Beigeordneter Eduard Jüngerich und Stadtbaumeister Ludwig Freitag eine für Oberhausen prägende Phase der Stadtentwicklung ein. Verbunden mit der Darmstädter Schule und im Geist der klassischen Moderne entstand von 1924 bis 1932 ein einzigartiges Ensemble des Backsteinexpressionismus. Dabei wurde der Schmuckplatz mit der sternförmigen Straßenführung an das städtebauliche Konzept angepasst. Mit den Gebäudetrakten an der West- und Ostflanke mit Polizeipräsidium, Reichsbank sowie Finanz- und Katasteramt schufen Eduard Jüngerich und Ludwig Freitag eine streng geometrische Platzsituation. Diese reich gegliederten und strukturierten Gebäude des Backsteinexpressionismus bildeten den Auftakt für das von Ludwig Freitag geprägte Behördenviertel, das mit dem Rathaus und dem vorgelagerten Grillopark seinen vorläufigen Abschluss fand.

Der von Jüngerich und Freitag 1926 geschaffene neue Industrieplatz war ein rechteckiger Platz von 180 x 50 Meter. Die mittige, langgestreckte Rasenfläche wurde durch die Anpflanzung von zwei doppelten Platanenreihen akzentuiert. Diese Platanen – in den Folgejahren zu Dachplatanen beschnitten – bilden bis heute das prägende Grundgerüst des Stadtplatzes.

Schon bald nach Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde der Industrieplatz in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. Es kam zu einer Erweiterung der Platzsituation am Südrand (Standort des heutigen Europahauses) und damit Auflösung des bislang streng architektonischen Gestaltungsensembles. In der Mittelachse des bestehenden Platzes zierte nun ein bunt bepflanztes, abgesenktes Rondell für ein langes Jahrzehnt die Ansichtskartenidylle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dem Platz mit der Umbenennung in Friedensplatz eine zeitgemäße Botschaft gegeben. Der Platz wurde erneut umgestaltet. Die prägenden, raumbildenden Platanen blieben erhalten, statt des schlichten Rasenparterres entstand eine aufwendigere Anlage mit Wasserbecken und Sitznischen. 1955 bekam der Friedensplatz endlich auch seine bauliche Fassung an der Südseite. Das Europahaus von Hans Schwippert stand als Symbol für eine neue städtebauliche Qualität der Nachkriegszeit: eine Blockbebauung als Doppelturmanlage mit Hotel, Geschäftslokalen und Wohnbereichen.

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