Alte Synagoge Essen

Alte Synagoge. Foto: RIK / R. Budde

Die Alte Synagoge Essen blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die die Geschichte des Judentums in Deutschland in den letzten gut 100 Jahren spiegelt.

Sie wurde 1913 als „neue Synagoge“ der Essener Juden eingeweiht. Ihre imposante Architektur dokumentiert den Reichtum des jüdischen Essener Bürgertums sowie seine Absicht, zu demonstrieren, dass es zur Stadtgesellschaft dazugehörte. Wie ihre christlichen Mitbürger bauten auch die Essener Juden beeindruckende Gotteshäuser im industriellen Zeitalter. So beauftragte die jüdische Gemeinde den Essener Stadtbaumeister Professor Edmund Körner als Architekten. Es entstand mit der 34m hohen Kuppel eine der größten freistehenden Synagogen nördlich der Alpen, die die Essener Innenstadt zu großen Teilen überragte und mit der benachbarten altkatholischen Kirche ein architektonisches Ensemble bildet.

Die Synagoge ist Ausdruck des liberalen, bürgerlichen Judentums seiner Zeit und bringt sein Selbstbewusstsein auch in der Architektur zum Ausdruck: sie vermittelt zwischen der jüdischen Kultur und dem christlichen Umfeld: mit dem byzantinischen Baustil wählte die Gemeinde einen in beiden Kulturkreisen vertretenen Zentralgrundriss eines Kuppelbaus, die sechs seitlichen Rundbogenfenster besitzen ein gotisierendes Maßwerk, das ebenso wie die Orgelempore an christliche Kirchen erinnert. Die Fensterrosette ist mit einem siebenarmigen Leuchter ausgeschmückt, der beiden Religionen ein wichtiges Symbol ist: er stammt ursprünglich aus dem Judentum, aber seit Jahrhunderten befindet er sich im gegenüberliegenden Essener Münster. Die Rosette ist in hebräischer und deutscher Sprache von zwei Zitaten aus dem Alten Testament umsäumt, die das Verbindende betonen: „ Und du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst – ich der Herr“ (3. Buch Moses 19,18) und „Wahrlich mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker“ (Jesaia 56,7).

Der mit damals modernen Jugendstilelementen versehene Kuppelbau war wie für die Ewigkeit gedacht – mit seiner Massivität ausstrahlenden Verblendung aus Muschelkalk erinnert er an den Tempel Salomons in Jerusalem. Ein Zeitgenosse, der Berliner Rabbiner Emil Bernhard Cohn, empfand ihn als „trutzig wie eine Burg und herrlich wie ein Tempel“.

In der Progromnacht am 9. November 1938 wurden von der SA Brandsätze gelegt, denen das meiste der Innenausstattung zum Opfer fiel. Das Äußere blieb allerdings erhalten, da die Feuerwehr ein Überspringen des Feuers befürchtete und daher löschte. Es überdauerte die ringsum weitgehend im Krieg zerstörte Innenstadt.

Nach langem Leerstand diente das Gebäude von 1961 bis 1979 als Ausstellungsort für den Verein „Industrieform“, der Alltagsgegenstände in modernen Design dort präsentierte. Nach einem Brand wurde die ehemalige Synagoge zur Gedenkstätte unter dem Namen „Alte Synagoge“, denn eine neue besaß die kleine jüdische Nachkriegsgemeinde seit 1959 an der Sedanstraße. Die Alte Synagoge präsentierte ab 1980 die Dauerausstellung „Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945“, dann ab 1988 „Stationen jüdischen Lebens – von der Emanzipation bis zur Gegenwart“. Vorausgegangen war eine teilweise Restauration des alten Inneren.

Mit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 und einer erneuten Renovierung präsentiert sich die Alte Synagoge umfassender als „Haus jüdischer Kultur“ mit den 5 Themenschwerpunkten Geschichte der Synagoge, Geschichte der jüdischen Gemeinde Essen, Quellen jüdischer Traditionen und jüdischer „Way of life“.

Auch der Vorplatz wurde ansprechender gestaltet und die alte architektonische Verbindung zur benachbarten altkatholischen Kirche wieder hergestellt. Ebenso wurden der 1907 eingeweihte Jahrhundertbrunnen von Ulfert Janssen und das an die Synagoge anschließende ehemalige Rabbinerhaus saniert, welches nun das Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte der Universität Duisburg-Essen beherbergt.

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Kontakt & Infos

Alte Synagoge Essen
Steeler Straße 29
45127 Essen
Telefon: +49 (0) 201 / 884521-8

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Von Essen Hbf 5 Minuten Fußweg