Apostelkirche E-Frohnhausen

Apostelkirche. Foto: RIK / R. Budde

Mit der evangelischen Apostelkirche entstand 1912-13 in einem von den Krupp-Werken geprägten Stadtviertel einer der seinerzeit modernsten Essener Kirchenbauten mit einer unversöhnlich wirkenden wie modernen Formensprache und ein bedeutendes Beispiel der vom Neoklassizismus geprägten Reformarchitektur.

Das Baugrundstück lag mitten im neu erbauten Viertel Pollerbergshof, einem städtebaulichen Reformprojekt nach Gestaltungsideen des Essener Baudezernenten Robert Schmidt. Den Architektenwettbewerb gewann der Entwurf des Hagener Architekten Ewald Wachenfeld.

An den Baukosten von 425.000 Mark beteiligte sich die Fa. Krupp mit 75.000 Mark.

Es entstand eine blockhaft wirkende Kirche mit Walmdach und einem Turm, der sich in fast allen Details am berühmten Campanile von Venedig orientiert, aber außerdem eine auffällige Ähnlichkeit mit dem Turm der ehemaligen Kruppschen Verwaltung zeigt. Als Gottesburg entspricht die Apostelkirche in ihrer wehrhaften Monumentalität (z.B.) ganz dem Stilempfinden kurz vor dem 1. Weltkrieg. Auf dem Triumphbogen über der Orgel prangte passend „Ein feste Burg ist unser Gott", in Anspielung auf die Wittenberger Schlosskirche, deren Turm ebenfalls mit diesem bekannten Lutherzitat geschmückt ist. Der Charakter als Bollwerk wird auch durch die „Schießschartenfenster“ hervorgerufen und nimmt Bezug zur Arbeitsstelle vieler Gemeindeglieder in der Kruppschen Waffenproduktion. Sie richtete ihren Abwehrcharakter gegen die inneren Feinde der Kirche.

Die 1944 weitgehend zerstörte Apostelkirche wurde von 1956-58 von Reinhold Jerichow in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Allerdings wurde auf die Ausmalung im griechischen Stil und die Wiederherstellung der vom Jugendstil beeinflussten Apostelfenster verzichtet. Anstelle des zerstörten Kanzelaltars trat eine Konstruktion aus geweißten Betonmarmorsteinen vor einer verputzten Wand. Die 1966 eingebaute Schuke-Orgel erhielt ihren Platz nicht mehr über dem Altar, sondern auf der Turmempore.

Auf dem Platz des ebenfalls zerstörten Gemeindehauses steht seit 1949 die Apostel-Notkirche, ein architektonisches Kleinod. Sie ist eine der 48 Notkirchen des Architekten Otto Bartning, der einen kostengünstigen Kirchenbausatz unter Verwendung von Trümmern entwickelte. Die Apostel-Notkirche, ein schlichter Saalbau aus Holznagelbindern und nichttragenden Wänden, wurde von evangelischen Christen aus den USA gestiftet. Gebaut wurde sie von Gemeindemitgliedern. Ihr Dachstuhl „schwebt“ über einem umlaufenden Fensterband wie ein umgekehrter Schiffsrumpf. Die Apostel-Notkirche gehört zu den am besten erhaltenen Bartning-Notkirchen in Deutschland und wird heute als Gemeindesaal und „Kunstraum" auch für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst genutzt.

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Kontakt & Infos

Apostelkirche E-Frohnhausen
Mülheimer Straße 70 - 72
45145 Essen
Telefon: +49 (0) 201 / 87452-05

Öffnungszeiten

Di-Fr. 10-17 Uhr, Sa. 10-13 Uhr

ÖPNV

Von Essen Hbf mit U-Stadtbahn U18 bis "Breslauer Straße", dann 5 Minuten Fußweg oder mit Bus 145 bis "Berliner Straße"