Auferstehungskirche Essen

Auferstehungskirche. Foto: RIK / R. Budde

Die Auferstehungskirche im Südostviertel von Essen gilt als ein Leitbau des modernen Kirchbaus in Europa, denn sie versuchte die Idee „Die Liturgie ist der Bauherr“ umzusetzen. Ihr Modell ist sogar als herausragender protestantischer Kirchbau im Deutschen Historischen Museum in Berlin ausgestellt.

Der Bau wurde nach Plänen von Otto Bartning 1929/30 ausgeführt. Dabei setzte er seine Idee einer expressionistischen Sternkirche, die 1924 Furore gemacht hatte, in die Wirklichkeit um.

Es handelt sich um einen schlichten Zentralbau für 700 Personen auf kreisförmigem Grundriss, in Skelettbauweise aus Kruppstahl, mit einem Durchmesser und einer Höhe von gut 30 Metern, der aus Korrosionsschutzgründen betonummantelt wurde. Die freien Flächen zwischen den Pfeilern wurden außen mit Ziegelwerk ausgefacht. Mit den Werkstoffen Stahl, Beton und Klinker bekannte sich Bartning sowohl zur Moderne als auch zum Ruhrgebiet.

Bartning verstand den evangelischen Gottesdienst als Predigtgottesdienst für die versammelte Gemeinde. Deshalb wird die hörende Gemeinde – wie schon bei den lutherischen Predigtkirchen des Barock- um den Prediger herum gruppiert. Seine südlich versetzte Kanzel steht einerseits der Gemeinde gegenüber, andererseits ist der Prediger der Gemeinde rangmäßig gleichgeordnet, da die Kanzel auf einem Kreisbogen auf einer Ebene mit den Gemeindeplätzen ist.

In der Mitte steht die kupferne Taufschale des Kölner Professors Wissel mit dem geprägten Taufspruch. Das bringt symbolisch zum Ausdruck, dass sich Kirche aus der Taufe heraus entwickelt.

Die Fenster schuf der Begründer moderner Glasmalerei, Johan Thorn Prikker. Sie beanspruchen in mittelalterlicher Tradition als „dienende Kunst“ keine Eigenbedeutung und fügen sich in die graue runde dreistufige Wand ein. Dieses geometrisch gestaltete Grau hellt nach oben auf und ist im mittleren Ring mit christlichen Symbolen und Zitaten versetzt. Oben mündet es in eine goldgelb geprägte Fläche. Diese Art der Licht- und Blickführung reflektiert symbolisch die Auferstehung Christi, die der Kirche den Namen gab. Die vier Glocken im Dachreiter wurden 1929 vom Bochumer Verein aus Gussstahl gegossen und sind auf den Anfang des Chorals „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ gestimmt.

Die Gemeinde hatte zu der modernen und ungewöhnlichen Rundkirche ein zwiespältiges Verhältnis gehabt und taufte sie wegen ihrer außergewöhnlichen Form ursprünglich ironisch Zirkus. Kinder nannten sie später Tortenkirche, weil ihre Form sie an eine Hochzeitstorte erinnerte.

Die Kirche entstand mitten in der Weltwirtschaftskrise. Deswegen wurde dem günstigsten Anbieter für die Bauausführung, einer Dortmunder Firma, die Bedingung gestellt, vor Auftragserteilung eine Essener Niederlassung zu gründen, damit der Auftrag Essener Bürger in Arbeit brachte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bau schwer beschädigt und bis 1948 in vereinfachter Form wiederaufgebaut. In den 80er Jahren stellte man das Äußere mit seinen Kupferdächern wieder her, und dann wurde die Kirche 1985 unter Denkmalschutz gestellt. Zwischen 1999 und 2007 restaurierte die Werkstatt Hein Derix aus Kevelaer die Glasmalerei der Prikker-Fenster nach Originalunterlagen. Die Arbeiten wurden aus Spenden finanziert.

In der Auferstehungskirche finden heute nicht nur Gottesdienste statt. Sie ist auch Austragungsstätte von Konzerten, die die verschiedenen Chöre und Instrumentalensembles der Gemeinde über das Jahr verteilt geben.

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Kontakt & Infos

Auferstehungskirche Essen
Manteuffelstraße 26 / Ecke Steubenstraße
45138 Essen
Telefon: +49 (0) 201 / 220522-1

Öffnungszeiten

nach Absprache

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