Bleckkirche GE-Bismarck

Die evangelische Bleckkirche ist ein Beispiel für die vielen, meist kleineren ehemaligen Dorfkirchen und späteren Vorstadtkirchen, die im Laufe der Industrialisierung erweitert wurden. Sie erzählt gleichzeitig mit ihrer vorindustriellen Ausstattung ein Stück typische Reformationsgeschichte im Ruhrgebiet. Gleichzeitig ist die Bleckkirche das älteste erhaltene Kirchengebäude im Stadtgebiet von Gelsenkirchen, obwohl sie erst aus dem Jahr 1735 stammt.

Sie war als „Ersatzbau“ für die kleine evangelische Gemeinde entstanden, die aus der Armengemeinde bei Schloss Grimberg und den wenigen evangelischen Bewohnern der umliegenden Dörfer bestand. Und das kam so: im 16. Jahrhundert trat der im Emscherbruch ansässige Herr auf Grimberg, Ritter Heinrich von Knipping, zur lutherischen Konfession über und ließ die Schlosskapelle für den evangelischen Gottesdienst herrichten. Die Schlosskapelle diente nicht nur den Schlossbewohnern, sondern auch den in der Nähe wohnenden Protestanten als Gotteshaus. Die Kapelle wurde mit einem prächtigen Abendmahlsaltar ausgestattet.

Gut 100 Jahre später, 1678, fiel Schloss Grimberg an die katholische Adelsfamilie von Nesselrode, die die Schlosskapelle wieder für den katholischen Gottesdienst nutzen wollte. Das führte zu jahrzehntelangem Streit mit der kleinen evangelischen Gemeinde, der bis vor den preußischen König getragen wurde. Friedrich Wilhelm I verfügte schließlich 1734, dass die Schlosskapelle wieder katholisch werden dürfe, wenn der Schlossherr eine evangelische „Ersatzkirche“ baue. Das tat er auf dem Bleck, einer niedrigen Erhebung in der Emscheraue, wo sich seit dem 16. Jahrhundert ein kleines Armenhaus befand.

Der Bauplatz war ungünstig an einer hochwassergefährdeten Stelle gelegen und der geplante Bau sehr schlicht. Die Baupläne musste nach einem weiteren Vergleich 1746 überarbeitet werden und außerdem musste von Nesselreode ein Pfarrhaus bauen. Auch erstritt sich die evangelische Gemeinde die Überlassung von wertvollem Inventar aus der Schlosskapelle, so der Abendmahlsaltar.

Anfang des 19.Jahrhunderts musste der Schlossherr von Grimberg die Baumängel der Kapelle auf Druck des (evangelischen) Landrats beseitigen. Seit 1874 war sie Gemeindekirche der neugegründeten evangelischen Gemeinde „Braubauerschaft“, seit 1902 „Bismarck“. Der Bergbau-bedingte Bevölkerungszuzug machte es notwendig, dass die Kirche 1889 erweitert wurde.

Das ursprünglich rechteckige, nur zwei Joche umfassende Gebäude der Kempener Baumeister Bartholomäus Bongertz und Stephan Retenbacher wurde 1879 zuerst um einen Turm erweitert und 1889 durch den Bochumer Architekten Theodor Haarmann, der ein Querschiff und einen neuen Altarraum in Form einer Apsis anfügte und die Kirche im Stil der Neoromanik gestaltete. Das Querschiff erhielt 1893 noch einmal Emporen, um mehr Platz zu schaffen.

In dieser Form ist die Kirche im Wesentlichen bis heute erhalten. In den 1990er Jahren wurde sie umfassend saniert und um einige neuen Inventarteilen ergänzt.

Dazu zählt die neue Taufschale von 2003 von Angelo Monitillo.

Aus den Erweiterungszeiten stammen ein Presbytergestühl und die hölzerne, neoromanische Kanzel, die mit den aus der geheimen Offenbarung bekannte Symbolen der vier Evangelisten und einem Kanzelhimmel mit der Taube als Zeichen des Hl. Geistes geschmückt ist.

Schmuckstück ist jedoch der Renaissancealtar aus der alten Schlosskapelle von 1574. Er ist aus Baumberger Sandstein hergestellt und besteht aus den drei Teilen Altarfuß, Altarbild und Bekrönung. Die Darstellung des Abendmahls nach dem Johannesevangelium lässt die Figuren und die gedeckte Tafel als adlige Zeitgenossen des 16. Jahrhunderts in Westfalen erscheinen – inklusive Bratenrest, der gern als Spanferkel gedeutet wird. Deswegen ist der Altar auch als „Westfälisches Abendmahl“ bekannt. Der Apostel links neben Jesus ist wahrscheinlich der Stifter Heinrich von Knipping, Judas trägt die Züge des bei den Protestanten verhassten spanischen Königs Philipp II, der ein entschlossener Gegner der Reformation in Europa war. Der Altarfuß weist den Altar als typisch protestantisch aus, denn er enthält ein Bibelzitat in der Volkssprache statt z.B. Heiligenfiguren.

Heute wird die Bleckkirche einerseits für besondere Feste und andererseits für kirchliche Kulturarbeit wie Ausstellungen, Konzerte oder Lesungen u.ä. genutzt.

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Kontakt & Infos

Bleckkirche GE-Bismarck
Bleckstr, gegenüber dem Eingang der ZOOM Erlebniswelt
45879 Gelsenkirchen
Telefon: +49 (0) 209 / 59598-4

Öffnungszeiten

Ende März bis Ende Oktober, samstags und sonntags jeweils 12 bis 18 Uhr

ÖPNV

Von Gelsenkirchen Hbf mit Straßenbahn 301 bis "ZOOM Erlebniswelt", dann 5 Minuten Fußweg