Bonifatiuskirche HER-Mitte

St. Bonifacius. Foto: Vera Bücker

Die katholische Bonifatiuskirche in Herne-Mitte ist der zweite Kirchbau, seit mit der Industrialisierung wieder Katholiken in Herne heimisch wurden. Denn seit der Reformation 1561 hatte es jahrhundertelang in Herne kein katholisches Leben gegeben. Die ersten Katholiken wanderten aufgrund des Bahnhofs der Köln-Mindener-Eisenbahn ab 1847 in Herne zu, dann 1856 durch die Abteufung der Zeche Shamrock I durch den irischen Ingenieur Mulvany durch den irische und auch belgische Bergleute nach Herne zogen und eine kleine katholische Gemeinde von ca. 100 Personen entstehen ließen. Ein erster kath. Gottesdienst fand 1858 im Privathaus eines Maurermeisters an der von-der-Heydt-Straße statt, an der 1859 auch eine Notkirche gebaut wurde. Sie gehörte zur Diasporagemeinde von Eickel. 1862 entstand für die inzwischen auf 500 Mitglieder angewachsene Gemeinde eine Missionsvikarie in Herne.

1866 kaufte sie vom Landwirt Schlenkhoff Grund für eine Kirche. Nach einer Provinzialkollekte begann 1872der Kirchbau für die inzwischen 2000 Mitglieder zählende Gemeinde, 1874 war Kirchweih. Dann unterbrach der Kulturkampf den weiteren Ausbau; zwischen 1875 und 1880 wurde der die Gemeinde betreuende Kaplan Strickmann aus dem Regierungsbezirk Arnsberg ausgewiesen. Die Gemeinde behalf sich mit Laiengottesdiensten. Nach Abflauen des Kulturkampfes ging es weiter: nachdem sie mit 6000 Mitgliedern, von denen 2000 polnischsprachig waren, 1887 von Eickel abgepfarrt wurde, baute man den 1889 vollendeten Turm für 63.000 Mark.

Die erste Ausmalung von 1892 sponserte die Zeche Hibernia. Inzwischen, um 1900, war die Gemeinde auf 12.000 angewachsen und stellte nun etwas mehr als die Hälfte der Einwohner des 50 Jahre früher rein protestantischen Herne. Herz Jesu in Sodingen und St. Marien in Holsterhausen wurden abgepfarrt. Die nun komplette neugotische Kirche des Architekten Gerhard August Fischer aus Barmen erhielt 1909 einen holzgeschnitzten, neugotischen Altar aus der historistischen, im 19. Jahrhundert wegen ihrer qualitätsvollen Schnitzarbeit geschätzten Wiedenbrücker Schule, der bis heute erhalten ist.

Nach Beseitigung der Kriegsschäden erhielt der Turm 1954 anlässlich des 1200-Jahr-Jubiläums des Missionars der Deutschen vom Bildhauer Hubert Hartmann aus Wiedenbrück eine Bonifatius-Figur aus grünem Sandstein.

Doch die Tage der neugotischen Kirche waren gezählt. Nur fünf Jahre nach Abschluss der Renovierung stellte 1967 eine Kommission des erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn fest, dass die Kirche aufgrund von Bergbauschäden so baufällig sei, dass sie abgerissen werden müsse. Diesem Votum schloss sich die Gemeinde nach längeren, hitzigen Diskussionen an und beauftragte den Architekten Theo Schwill zusammen mit dem Künstler Rudolf Krüger aus Georgsmarienhütte mit dem Neubau. Entsprechend dem Zeitgeist der 1970er Jahre entstand ein puristischer Mehrzweckbau aus Beton, der Kirche und Gemeindezentrum integrierte. Im Obergeschoss befindet sich die Kirche mit 400 Plätzen, im Untergeschoss das Gemeindezentrum mit Veranstaltungsräumen und Jugendzentrum. Dem eigentlichen Kirchenraum ist eine Vorhalle vorgelagert, in der eine Keramikarbeit von R. Krüger die mystische Rose symbolisiert, die sich um einen großen Bergkristall als Eckstein und Symbol für Christus entfaltet. Außerdem schuf er den Altar, den Ambo und den Taufstein. 1974 wurde die neue Kirche eingeweiht.

Um den alten Kirchturm entbrannte eine heftige Diskussion, an dem sich die gesamte Stadt, nicht nur die Katholiken, beteiligte. 1973 fragten die „Ruhrnachrichten“ ihre Leserschaft, ob der Turm bleiben solle, der erst 1954 ein neues Geläut erhalten hatte. Eine überwältigende Mehrheit stimmte dafür, auch der Stadtbaurat sprach sich aus städtebaulichen Gründen für den Erhalt aus, denn das Stadtbild der Herner Bahnhofstraße werde vom Bonifatius-Turm gemeinsam mit dem Turm der evangelischen Kreuzkirche geprägt. So blieb der alte Turm, erst als freistehender Campanile, und wurde dann ab 1977 in die neue Ladenzeile integriert.

Schon 1984 erhielt der Beton von außen einen Präventivanstrich in hellbeige, innen bleiben die grauen Betonwände, aber die erste Umgestaltung hatte schon 1978 stattgefunden. Dabei löste ein Wandmosaik der Benediktinerin Sr. Ehrentrud Trost aus Abtei Varensell das ursprüngliche, abstrakte Kreuz-Sonne-Motiv auf blauem Grund hinter dem Altar von Rudolf Krüger ab. Gründe für die rasche Änderung waren zum einen, dass der Orgelprospekt aus Holz links vorn die Kirche optisch linkslastig machte und zum anderen vielen Gemeindemitgliedern die neue Kirche zu puritanisch und in ihrer modernen, abstrakten Bildersprache unverständlich war. Das Wandmosaik fängt hinten auf der rechten Seite an und endet an der Vorderseite am Orgelprospekt. Hinter dem Altartisch vergrößert es sich zu einer Christusabbildung als Pankrator (Weltherrscher) im himmlischen Jerusalem mit seinen 12 Toren. Links davon, auf dem kurzen Stück bis zum Orgelprospekt, zeigt es Szenen aus dem Leben des hl. Bonifatius, des Schutzpatrons der Kirche. Rechts vom Altarbild zieht sich das lange Mosaikband über fast die übrige Wandfläche des Kirchenraums und zeigt vielfältige Bilder aus Altem und Neuem Testament. Der Tabernakel mit Bronzerosetten befindet sich in einer Stele, die als Doppelstütze links vom Altar die Höhe des Raumes durchmisst.

1983 erhielt die Kirche eine neue Madonna, nachdem die alte gestohlen worden war. Es handelt sich um eine in antiker Patina farbig gefasste Nachbildung der holzgeschnitzten Madonna von Bozen

Von der alten Kirche sind mehrere Teile, die der Gemeinde wichtig waren, übernommen worden, obwohl der Zeitgeist alten Kirchenschmuck theologisch in Frage stellte. In die neue Kirche integriert wurden das Retabel des alten Hochaltars,, der Kreuzweg, die neugotische Pieta, und die Lampe des Ewigen Lichts.

Die Eingangstüren wurden 1989 erneuert und erhielten eine Verkleidung aus patinierten Kupferplatten aus einer früheren, 200 Jahre alten Dachverkleidung des Doms von Münster.

1991 erhielt der Vorbau neben dem Haupteingang ein großes, goldfarbenes Bonifatiusemblem, bei dem Bonifatius schützend gegen den tödlichen Schlag die Bibel über sich hält. Es stammt wie die Türen von Heinrich Gerhard Bücker.

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Kontakt & Infos

St. Bonifatius
Glockenstr.7/ Bahnhofstr.
44623 Herne
Telefon: +49 (0) 2323 / 5021-4

Öffnungszeiten

freitags 15.00-17.00 Uhr, sonst wochentags der Vorraum

ÖPNV

Vom Bahnhof Herne 5 Minuten Fußweg