Christuskirche Bochum

Christuskirche. Foto: RIK / R. Budde

Die neugotische Christuskirche nach Entwurf der Architekten August Hartel und Theodor Quester wurde 1879 als neue Evangelische Hauptkirche Bochums fertiggestellt. Sie war die Antwort auf die wachsende Stadt. Ihr Turm sollte höher als die Schlote des benachbarten Hüttenwerks "Bochumer Verein" sein. Gleichzeitig war sie stolzes Symbol der in Bochum erst 1874 erreichten Einheit von Lutheranern und Reformierten. In ihren Grundstein wurde ein Schreiben von Kaiser Wilhelm eingelegt. Bei der Einweihung hieß es offiziell, die Kirche wolle zu „Gottesfurcht, Liebe zum Vaterland und Gehorsam“ erziehen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Namen der Bochumer Gefallenen gesammelt und 1931 wurde die Eingangshalle des Turms zu einer Gedenkhalle umgebaut. Die Namen wurde in Mosaik, der Ewigkeit symbolisierenden Kunstform, gelegt und mit jeweils einem kleinen Kreuz zwischen den Namen verbunden. Oberhalb der Namensreihen zeigt ein Mosaik eine Christusfigur, der sich Männer, „auferstehende Helden“ aus einer Wolkendecke entgegenstrecken in der Erwartung der Erlösung. Neben der Namensliste werden die „Feindstaaten“ des Ersten Weltkrieges genannt.

Am 14. Mai 1943 wurde die Kirche bis auf den Turm bei einem Bombenangriff völlig zerstört. Erst 14 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf den Tag genau 80 Jahre nach der Grundsteinlegung am 15. Mai 1957 der Grundstein der neuen Christuskirche gelegt, der den alten Turm beibehält. Die Architektur von Dieter Oesterlen setzt sich in Kontrast zur Geschichte, als Bochum als „Gau-Hauptstadt“ schon 1931 eine - regionale - Hochburg der NSDAP war, und will mit ihr brechen. Das neue Kirchenschiff setzt sich deutlich vom alten Turm ab und verdeutlicht damit den Bruch mit der Vergangenheit, ohne sie zu leugnen. Stattdessen beruft man sich auf den, damals sich deutlich in der Minderheit befindende, Pastor Hans Ehrenberg, der schon am 4. Juni 1933 das sog. „Bochumer Bekenntnis“ formuliert hatte, das sich als erstes Bekenntnis einer evangelischen Kirche im 3. Reich von der völkischen Ideologie absetzte und ein Vorläufer der Barmer Erklärung war. Heute wird in der Kirche der Hans-Ehrenberg-Preis für Personen verliehen, die protestantische Positionen in aktuellen politischen, kirchlichen und wissenschaftlichen Kontroversen vertreten.

Als Ausdruck des Gegensatzes zum Alten ist die neue Christuskirche bilderlos, nur mit schlichtem Kreuz, Altartisch und Ambo ausgestattet und beschränkt sich mit einfachen Formen und Materialien auf das Wesentliche. Der Grundriss ist trapezförmig und verjüngt sich zum Altarraum hin. Die scheibenartig gegliederten Seitenwände sind mit Betonglasfenstern versehen, und die Faltdecke erinnert an Dornenkrone oder an ein „Zelt Gottes“. Die Christuskirche zählt neben der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und der englischen Kathedrale von Coventry zu den eindrucksvollsten Antikriegs-Mahnmalen in Europa.

Das verstärkt sie durch den „Platz des europäischen Versprechens“, diese künstlerische Idee von Jochen Gerz war als Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 gedacht. Dabei konnte jeder seinen Namen zur Verfügung stellen, um sich zum europäischen Frieden zu bekennen. Der Platz des europäischen Versprechens nimmt seinen Ausgangspunkt an dem alten Heldengedenk-Mosaik im Turm und fließt mit 24 Steinplatten mit je 600 Namen hinaus in den öffentlichen Raum vor der Kirche. Dabei ist jeder Buchstabe der insgesamt 15.000 Namen in Basaltlava gefräst.

In den 1990er Jahren war der Turm akut einsturgefährdet, die Sanierungskosten von 1,84 Mio € brachte das Kuratorium aber zusammen. Dabei half sicherlich auch, dass die Christuskirche von Kunstexperten zu den 100 bedeutendsten Sakralbauten Europas gezählt wird.

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Kontakt & Infos

Christuskirche Bochum
Westring 26
44787 Bochum
Telefon: +49 (0) 234 / 962 904-19

ÖPNV

Von Bochum HBF mit U-Bahn U35 bis Bochum Rathaus (Nord) dann ca. 7 Minuten Fußweg.