Dreifaltigkeitskirche Dortmund

Foto: Karsten Haug

Die katholische Dreifaltigkeitskirche verdankt ihre Existenz der Entwicklung des Hoeschviertels am Borsigplatz. 1871 gründete die Familie Hoesch dort ein Eisen- und Stahlwerk und wählte diesem Standort nicht zuletzt wegen der Nähe zur Köln-Mindener Eisenbahn. Das Viertel boomte. Lebten dort 1895 schon 6420 Menschen, waren es 15 Jahre später gar 28.000. In dieser Zeit erhielt die Nordstadt auch die Grundzüge ihres heutigen Gesichts. Viele der Neuzugezogenen waren katholische Arbeiter, und nach dem Ende des Kulturkampfes entstand 1890 mit St. Joseph die erste katholische Gemeinde im Norden Dortmunds. Von ihr wurde 1898 die Dreifaltigkeitsgemeinde erst als Filialkirche, 1904 als eigenständige Pfarrei abgepfarrt. Schon seit 1896 bemühten sich die 4000 Katholiken der späteren Dreifaltgikeitspfarre um einen Kirchbau und gründeten ein Jahr später einen Kirchbauverein. Das ca. 6300 m² große Grundstück an der Flurstraße wurde für 30.000 Mark von der Muttergemeinde St. Joseph gekauft und als Architekt der Dortmunder Johannes Franziskus Klomp gewonnen. Die Bausumme für die neuromanische dreischiffige Säulenbasilika über kreuzförmigem Grundriss mit einer Doppelturmfassade belief sich auf 180.000 Mark. Die Forderung der preußischen Verwaltung, den Bau durch Betonfundamente mit starker Eisenverankerung vor Bergschäden zu sichern, war mit für die als hoch empfundene Summe verantwortlich.

Der Ziegelbau war mit grob behauenen großen Quadersteinen verblendet, um so im Sinne der Romanik das Mauerwerk stark erscheinen zu lassen. Im Innern bot die Kirche 1000 Sitzplätze und 500 Stehplätze. Die Innenausstattung stammte ebenfalls von Klomp. Dabei wandelte er das spätromanische Formenrepertoire mit Jugendstilelementen ab. Von der ursprünglichen Ausstattung hat sich nicht viel erhalten – der nun im Mittelschiff stehende Taufstein gehört dazu.

Die Kirche wurde im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört und erst 1953 war der Wiederaufbau in etwas vereinfachter Form abgeschlossen. So erhielten die Türme nun flache Zeltdächer statt der ursprünglichen spitzen Turmhelme. Der Innenraum erhielt eine flache Holzbalkendecke und wirkt schlicht und sachlich. Im Bereich der Apsis wird die Balkendecke durch eine hölzerne Strahlenrosette mit einer Taube (als Symbol für den Heiligen Geist) in ihrer Mitte ersetzt. 1970-75 erfolgte im Innern die Umgestaltung im Sinne des 2. Vatikanischen Konzils, die den Chorraum optisch näher an die Gemeinde rückte.

Um 1900 war gut ein Drittel der Gemeinde polnischsprachig, weswegen zwei Mal im Monat polnische Gottesdienste abgehalten wurden. Im Rahmen des aufblühenden Vereinslebens gründeten sich auch drei polnische Arbeitervereine und die Rosenkranzbruderschaft.

Ein ganz besonderer Verein war allerdings die Jünglingssodalität, denn aus ihm entwickelte sich der Fußballverein BVB. Bei der Jünglingssodalität handelte es sich um einen der zahlreichen, von einem Kaplan geleiteten Jünglingskongregationen mit dem Ziel, die jungen Arbeiter in das Gemeindeleben zu integrieren. Die Jünglingssodalität der Dreifaltigkeitsgemeinde gründete sich 1901 mit den drei Abteilungen der 14-17-Jährigen, der 17-20-Jährigen und der über 20-Jährigen. Wie üblich widmeten sie sich der Pflege des religiösen Lebens, aber auch der Geselligkeit. Viele ihrer Mitglieder trafen sich seit 1906 jeden Sonntag um 14.00 Uhr am Borsigplatz zum Fußballspielen, besonders seit sie über einen echten englischen Lederfußball verfügten. Im November 1909 nun setzte der für die Jugendarbeit zuständige Kaplan Hubert Dewald für sonntags 14.00 Uhr eine neue Andacht an, um das von ihm abgelehnte Fußballspielen zu verhindern. 18 junge Fußballspieler fügten sich nicht, sondern gründeten in der Gaststätte „Zum Wildschütz“ den „Ballspielverein Borussia 09 Dortmund“ nach der benachbarten Borussia-Brauerei, und lösten sich so organisatorisch aus dem Gemeindeleben.

Das Verhältnis zwischen BVB und Gemeinde wurde allerdings nicht nachhaltig gestört, denn einige der Rebellen heirateten in St. Dreifaltigkeit und ließen auch ihre Kinder dort taufen. Seit 2008 erinnert eine Dauerausstellung „Kirche, Fußball, Gottvertrauen" an die gemeinsamen Wurzeln –wo sonst hat schon ein Fußballverein in einer Kirche eine Ausstellung seiner Gründungsgeschichte.

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Kontakt & Infos

Dreifaltigkeitskirche
Flurstr. 10
44145 Dortmund
Telefon: +49 (0) 231 / 8138-27

Öffnungszeiten

Zugänglichkeit:an jedem zweiten Samstag im Monat von 11 bis 13 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Terminvereinbarungen sind unter Tel. 81 38 27 möglich

ÖPNV

Von Dortmund Hbf mit Bus 455 oder 456 bis "Borsigplatz", dann 5 Minuten Fußweg