Grabeskirche Liebfrauen Dortmund

Grabeskirche Liebfrauen. Foto: RIK / R. Budde

Die Liebfrauenkirche im Dortmunder Westviertel war die Antwort der Dortmunder Katholiken auf die Zunahme ihres Anteils an der Dortmunder Bevölkerung im protestantisch geprägten Dortmund. 1866 hatten die Katholiken schon dank des Zuzugs von oft katholischen Arbeitern einen Anteil von 40% an der Dortmunder Einwohnerschaft erreicht, so dass die Propstei als einzige katholische Kirche in Dortmund nicht mehr ausreichte. Doch es sollte aufgrund von Finanzierungsproblemen – denn die Dortmunder Pfarre war als Arbeiterpfarre nicht gerade wohlhabend - bis 1880 dauern, bis der Grundstein gelegt werden konnte. Grund waren kulturkampfbedingte Behinderungen, aber auch Streitigkeiten um den Bauplatz. So entschied sich die Propstei nach einigem Hin und Her für einen Bauplatz für 54.000 Mark „auf der grünen Wiese“ außerhalb des Walls. Für die Beschaffung der Ziegel als Baumaterial wurde erst einmal auf dem Gelände für drei Jahre extra eine Ziegelei gebaut.

Als die Kirche 1883 eingeweiht wurde, war die Mutterkirche, die Propsteigemeinde, die 1873 mit 17.000 Mitgliedern mit nur einer Kirche zu den größten im Reich zählte, auf 32.000 Katholiken angewachsen. Die neugegründete Liebfrauen-Gemeinde startete mit 18.000 (!) Mitgliedern. Pfarrei wurde sie erst nach Ende des Kulturkampfes 1890, gemeinsam mit der zweiten neuen katholischen Kirche in Dortmund, der Josephskirche.

Der Dortmunder Architekt Wilhelm Blanke schuf eine neugotische Hallenkirche mit einem seitlich versetzten, 74 Meter hohen Turm. Die Pläne dafür, die er leicht modifizierte, stammten von Friedrich von Schmidt Über dem Hauptportal befindet sich eine Marienfigur mit Jesuskind.

Nach Kriegszerstörungen wurde die Kirche zwischen 1947 und 1953 originalgetreu wieder aufgebaut, von der Inneneinrichtung allerdings ging viel verloren. Zu den wenigen verbliebenen Exponaten gehört eine Sandsteingruppe mit dem Tod des Arbeiterpatrons Joseph, die in der Gedächtniskapelle für die Gefallenen des 1. Weltkriegs im Turm gestanden hatte. Eine erneute Restaurierung und Reinigung der Ziegel in den 1980er Jahren brachte die in verschiedenen Ziegelfarben gestalteten Zickzack-Bänder und Verzierungen am Turmhelm wieder zum Vorschein.

Nachdem die Mitgliederzahl 2006 unter die 2000-Marke gesunken war, wurde 2008 entschieden, die Liebfrauenkirche als normale Gemeindekirche zu schließen und in eine Grabeskirche für die Beisetzung von Urnen umzuwandeln.

Den Architektenwettbewerb zur Umgestaltung der Kirche gewann der Berliner Prof. Volker Staab. In seiner minimalistischen Gestaltung will er die alte Tradition aufgreifen, die Toten nahe bei oder gar in der Kirche zu begraben, um so die Verbindung von Lebenden, Gestorbenen und deren Auferstehung zu verdeutlichen.

Die Urnen werden in niedrigen Podesten aus Baubronze untergebracht, die an Kirchenbänke erinnern, die zum Sitzen einladen. Von der Originalausstattung sind das alte Josephrelief, die Pieta, der Taufbrunnen mit einer Statue des hl. Michael und das Missionskreuz von 1900 übrig geblieben. Der Chorraum ist als Kapelle gestaltet.

zurück 67/75 vor

Kontakt & Infos

Grabeskirche Liebfrauen
Amalienstr. 21a
44137 Dortmund
Telefon: +49 (0) 231 / 545045-95

Öffnungszeiten

Täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr

ÖPNV

Von Dortmund Hbf 10 Minuten Fußweg