Heilig Kreuz-Kirche GE-Ückendorf

Heilig Kreuz. Foto: RIK / R. Budde
Heilig Kreuz. Foto: RIK / R. Budde

Hl. Kreuz ist ein einzigartiges Denkmal des Backstein-Expressionismus im Ruhrgebiet und ein Hauptwerk der expressionistischen Backsteinarchitektur. Sie wurde von dem Gelsenkirchener Architekten Josef Franke als Parabelkirche gebaut und stellt sein Hauptwerk dar.

In den Jahren bis 1919 war die Bergarbeitergemeinde St. Josef in Ückendorf zahlenmäßig so stark gewachsen, dass der Bau einer neuen Kirche notwendig wurde. Die Gemeinde St. Josef-Ückendorf war zeitweise mit über 17.000 Seelen die größte Gemeinde Deutschlands. Kurz nach Ende des 1. Weltkrieges dachte man deshalb an den Bau einer neuen Kirche in Ückendorf. In den Jahren 1919 und 1920 wurden zwei Grundstücke an der Bochumer Straße erworben. Der Auftrag für einen Erschließungsplan ging 1922 an den Gelsenkirchener Architekten Josef Franke. Ruhrbesetzung und Rationalisierungen im Bergbau mit Arbeitsplatzabbau und die Schließung der Zechen Rheinelbe, Alma und von Schacht 1 der Zeche Holland brachte die durchaus finanzstarke Gemeinde St. Josef als Finanzier an den Rand ihrer Leistungskraft. Dennoch wurde trotz mehrfacher Verzögerungen 1929 der Kirchbau vollendet und sie am 02. Oktober 1929 vom Paderborner Erzbischof Dr. Kaspar Klein eingeweiht.

Die Parabelkirche Frankes mit ihrer eigenwilligen Zusammensetzung von Formen des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit befindet sich innerhalb eines von Gründerzeitarchitektur geprägten Wohnumfeldes mit überwiegender Straßenrandbebauung. Lediglich die Kirche ist vom Straßenraum zurückversetzt, gewinnt so Abstand vom Profanen und bleibt doch den Menschen verbunden. Der so entstandene ruhige Vorplatz wird von zwei Flügelbauwerken flankiert, einem ebenfalls von Franke entworfenen Bauteil rechts und einem maßstäblich eingepassten Nachkriegsbau links. Die Fassade ist ein hoher blockhafter Riegel, in den ein großes Fenster in Form einer Parabel eingeschnitten ist. Als Fassadenschmuck sind Apostelfiguren eingelassen, den oberen Abschluss bildet eine gemauerte Christus-Figur des Gelsenkirchener Bildhauers Hans Meyer, die das Straßenbild dominiert. Eine Eisenbetonkonstruktion bildet das statische Gerüst, die Fassaden sind mit Klinkern verblendet.

Im Innenraum ist das Gestaltungselement der Parabel wiederholt vorzufinden. Parabelbögen durchziehen das gesamte Langhaus und setzen sich in seitlichen Arkadengängen fort; auch die Anschnitte der Fenster sind von Parabeln gebildet. Die Einheitlichkeit des Laienraumes sowie die Betonung des Altars durch den Turm und die Abgrenzung von hellem Altarbereich zum dunklen Gemeinderaum geschahen in Übereinstimmung mit der Schrift Christozentrische Kirchenkunst von Johannes van Ackern.

Gemeinderaum und Chor sind von Architektur und Lichtführung her sehr unterschiedlich behandelt. Parabelbögen gliedern in dem eher dunkleren Langhaus die einzelnen Gewölbejoche und parabelförmig sind auch die Anschnitte zu den verdeckt liegenden Fenstern. Die Formgebung sollte die Bergarbeitergemeinde an die Stollen unter Tage erinnern. Der Chor ist ein heller, hoher Raum und steht für die Lichtfülle des Himmels. Im unteren Teil ist die zweischalige Wand von parabelförmigen Arkaden umgeben. Ungewöhnlich ist auch der auf Metall, dem Produkt der Hütten und Stahlwerke, gemalte Kreuzweg.

Anders als viele andere Kirchen im Ruhrgebiet haben Bombenangriffe der Hl. Kreuz-Kirche zwar keine allzu großen Schäden zugefügt, sie konnte trotz Schäden an Fenstern und Portal durchgehend genutzt werden. 1948 wurden die letzten Fenster nach einem Entwurf der Firma Klocke aus Rotthausen erneuert. Im gleichen Jahr erfolgte die Erhebung zur selbständigen Pfarrei.

1966 machten Bergschäden und die Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils eine erste große Renovierung erforderlich. Dabei wurde die "mystisch-warme" Ausmalung von A. W. Ballin (Gelsenkirchen) übermalt.

Die nächste Sanierung fand 1993 statt. Dabei wurde die expressionistische Gewölbeausmalung Ballins freigelegt und behutsam restauriert. Der Architekt Franz Wortmann führte unter künstlerischer Beratung von Dr. Christel Darmstadt aus Bochum-Stiepel eine erneute Renovierung durch. Der Kirchengemeinde Hl. Kreuz wurde für diese Erneuerung ihrer Parabelkirche das Ehrendiplom von Europa Nostra verliehen, einer gesamteuropäischen Organisation von 31 Nationen mit dem Ziel Projekte auszuzeichnen, die einen Beitrag zur Erhaltung und Bereicherung von Europas architektonischem und natürlichem Erbe leisten.

Am 19. August 2007 wurde die Kirche aufgrund der Änderung der Bevölkerungsstruktur im Stadtviertel - die Gemeinde war auf ca. 2000 Mitglieder gesunken – im Rahmen der Strukturreform im Bistum Essen "außer Dienst" gestellt.

Über die Weiternutzung der Kirche laufen viele Beratungen und Überlegungen von Seiten der Vereinsgemeinschaft Heilig Kreuz und der Propstei St. Augustinus mit dem Stadtteilbüro Südost und der Stadtverwaltung Gelsenkirchen. 2008 wurde die Ausstellung „Götter, Geister und Dämonen“ gezeigt, aber eine dauerhafte Nachfolgenutzung steht bis jetzt noch nicht fest.

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Kontakt & Infos

Heilig Kreuz-Kirche GE-Ückendorf
Bochumer Straße 115
45886 Gelsenkirchen
Telefon: +49 (0) 209 / 25986-0

Öffnungszeiten

Führungen für Gruppen nach Vereinbarung:
Fon 0209 / 25986 (August Ferdinand Deuse)

ÖPNV

Von Gelsenkirchen Hbf mit Straßenbahn 302 bis "Stephanstraße"