Heimkehrer-Dankes-Kirche BO-Weitmar

Heimkehrer-Dankes-Kirche. Foto: RIK/Reinhold Budde

Diese katholische Kirche ist in mehrerer Hinsicht etwas Außergewöhnliches. Schon ihr Name ist einzigartig in Deutschland, denn sie erinnert nicht nur an die Heimkehr der Heiligen Familie nach der Flucht aus Ägypten, sondern zugleich an die der Spätheimkehrer aus sowjetischer Gefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Bau geht auf die Anregung von Pfarrvikar August Halbe an St. Franziskus in Weitmar zurück, der selbst von diesem Schicksal betroffen war. Beharrlich verfolgte er die Idee, eine Kirche nicht nur als Dank für die Heimkehr, sondern gleichzeitig als Zeichen der Versöhnung zu schaffen. Nachdem 20 Spätheimkehrer 1958 den symbolischen ersten Spatenstich vorgenommen hatten, weihte der Essener Bischof Franz Hengsbach die Kirche im Dezember 1959 ein.

Der Herner Architekt Kurt Hubert Vieth schuf eine Hallenkirche mit flachem Satteldach als Stahlbetonskelettbau. Die Architektur soll an eine Lagerbaracke erinnern. Das Äußere wird durch rippenartige Stützen zwischen hellen Klinkerflächen geprägt. Die Portale an der Westfassade werden durch eine mittige Rippenfolge mit drei darüber liegenden Fensterbahnen betont. Auf einen Sakralbau weist nur ein kleiner kupferner Dachreiter hin, der spitz wie eine Nadel auf der linken Rippe der Portalfront sitzt.

Der helle Innenraum ist schlicht und wird durch den hoch liegenden Fries farbiger Fenster an beiden Längsseiten und ein großes Fenster in Chorhöhe beleuchtet. Der Fries stellt eine abstrakt gestaltete „Kriegsstraße“ dar und stammt ebenso vom Essener Maler Wilhelm de Graaf wie das 95 Quadratmeter große Chorfenster mit dem Motiv des „Lobgesangs der drei Jünglinge im Feuerofen“. Selbst Spätheimkehrer, setzte de Graaf dabei die Schrecken des Krieges und die Gefangenschaft mit kräftigen Farben ins Bild. Im Magdalenenfenster am Nebenaltar werden in blauen Farbtönen die Abkehr vom Bösen und die Hinwendung zu Gott als Weg des Heils thematisiert. Als letztes wurde das Rosenkranzfenster des de Graaf-Schülers Nikolaus Bette erst 1974 fertiggestellt. Obwohl es nicht mehr stilistisch an die übrigen Fenster anschließt, hat Gründerpfarrer Halbe es sich in dieser Form gewünscht. Die Schutzmantelmadonna stammt aus dem Jahr 1985 und nahm das Anliegen Halbes auf, die Kirche unter den Schutz Marias zu stellen. Sie ist das Werk eines Südtiroler Schnitzers aus dem Grödnertal und zeigt neben einer Familie unter dem ausgebreiteten Mantel der Madonna auf der anderen Seite einen verwundeten Soldaten mit Sanitätsunteroffizier (Halbe).

In der Krypta links vom Chor befinden sich seit 1967 an der Altarwand neben dem Tabernakel zahlreiche Namen von Kriegsgefangenen. 1986 wurde die Krypta durch einen Anbau zu einem Museum erweitert, das von Kriegsgefangenen in den Lagern unter primitivsten Bedingungen hergestellte Alltags- und Kunstgegenstände zeigt. Zu den Exponaten zählt auch eine Kopie der Stalingradmadonna als gestickter Wandbehang. Das Original wurde Weihnachten 1943 vom evangelischen Pastor und Lagerarzt Kurt Reuber im Kessel von Stalingrad gezeichnet und an seine Frau geschickt. Seit 1983 befindet es sich in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin.

Die Heimkehrer-Dankes-Kirche zählt zu den Erinnerungsorten von nationalem Rang und steht seit 2005 unter Denkmalschutz. Seit 2009 ist sie Filialkirche der St.-Franziskus-Pfarrei und war im Kulturhauptstadtjahr 2010 eine der Kulturtankstellen des Bistums Essen.

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Kontakt & Infos

Heimkehrer-Dankeskirche
Karl-Friedrich-Str. 109
44795 Bochum
Telefon: +49 (0) 234 / 43117-2

ÖPNV

Von Bochum Hbf mit Straßenbahn 308 bis "Blankensteiner Straße", dann mit Bus 353 bis "Natorpstraße" oder mit Bus 349 bis "Königsallee/Markstraße", dann mit Bus 346 bis "Natorpstraße"